Der böse Fluch
Das Morden im Kongo hört nicht auf - und die Welt schaut zu
Kinder sind die am schlimmsten Leidenden des Konflikts im Kongo - als Soldaten missbraucht, als Waisen zurückgelassen  © dpa
Die blutigen Schlachten im Osten des Kongo und Ruanda werden von der Weltöffentlichkeit weitgehend ignoriert. Paul Kagames Regime in Ruanda wird trotz eklatanter Menschenrechtsverletzungen auch von der deutschen Bundesregierung hofiert. Nicht nur wirschaftliche Zusammenarbeit wurde bei seinem Besuch in Berlin 2008 vereinbart, auch militärische Kooperation. Groß war das Entsetzen in der Welt über den Völkermord der Hutu-Extremisten an den Tutsi. Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" wirft den UN-Friedenstruppen jetzt Untätigkeit vor.
Es ist wie ein böser Fluch, der die Menschen im Kongo heimgesucht hat. Seit Jahren tobt im Osten des Landes ein Bürgerkrieg. Der afrikanische Boden ist reich - und blutgetränkt, ein Menschenleben zählt dort nichts. Die Weltgemeinschaft beobachtet das Geschehen ohnmächtig. Der Kongo ist ein "Failed State", ein Staat, indem die Regierung kaum mehr Einfluss hat. Die Machtverhältnisse sind undurchschaubar: Regierung gegen Rebellen, Hutu gegen Tutsi, auch der Nachbarstaat Ruanda mischt in dem Bürgerkrieg mit. Seit wenigen Tagen morden auch noch Widerstandskämpfer aus Uganda, die Lord Resistance Army, in der Region.
Eine der schwersten humanitären Katastrophen
1994 schlachteten Hutu-Milizen 800.000 Menschen, darunter überwiegend Tutsi, im benachbarten Ruanda ab. Seitdem befindet sich die Region im Ausnahmezustand. Mehr als vier Millionen Menschen sind in den vergangenen 15 Jahren durch den Bürgerkrieg umgekommen. Es ist eine der schwersten humanitären Katastrophen der Menschheitsgeschichte.
Die kongolesische Regierung kämpfte bislang gegen die Völkermörder aus Ruanda, die Hutu-Milizen, die sich im Dschungel verstecken, aber auch gegen die Tutsi-Rebellen von General Laurent Nkunda. Angeblich wollte er den Genozid an seinen Landsleuten rächen. Nkunda hatte über Jahre im Osten Kongos einen Staat im Staate geführt, der Tutsi-Rebell war für seine Gräueltaten bekannt. Er kämpfte nicht nur gegen die Hutu-Miliz, sondern auch gegen die kongolesische Regierung. Nkunda hatte Ambitionen Herrscher über den ganzen Kongo zu werden und mit den Bodenschätzen des Landes Geld zu machen - kostbares Zinn-Erz, notwendig für Mobiltelefone, Edelstahl und Flugzeugelektronik.
Warum greift die Weltgemeinschaft nicht ein?
Diese Idylle ist trügerisch: Der Osten Kongos ist ein Pulverfass, undurchschaubar und verworren. Die politische Situation kaum nachvollziehbar für die westliche Welt, zumindest gibt es jetzt einen Wendepunkt. Am 22. Januar 2009 wurde Nkunda verhaftet, ausgerechnet von ruandischen Truppen. Nkundas einstige Schutzmacht setzte seinem Größenwahn ein Ende. Kongo und Ruanda machen seitdem gemeinsame Sache im Kampf gegen die Hutu-Milizen. Doch noch immer sind Hunderttausende auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg, das menschliche Leid wächst von Tag zu Tag. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit bis es wieder zum Morden kommt. Warum greift die Weltgemeinschaft nicht ein, berührt uns dieses Leid im afrikanischen Kontinent nicht? Ist Gewalt unerklärbar?

Wir sprechen in der Sendung am 4. Februar 2009 mit dem Schriftsteller Hans-Christoph Buch, der durch Zufall in diesen Krieg verwickelt wurde und sich damit intensiv beschäftigt.

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr



Das Gespräch mit dem Schriftsteller Hans-Christoph Buch (04.02.2009)



Konfliktherd Kongo

04.02.2009 / Cornelius Janzen (Kulturzeit) / tm
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