Nächstenliebe oder Profitgier?
Roger Kusch und sein Geschäftsmodell "Sterbehilfe"
Bei einer Pressekonferenz zeigt Roger Kusch eine Videoaufzeichnung über einen Fall von begleitetem Selbstmord   © ap
Er gehört zu den umstrittensten Personen Deutschlands: Roger Kusch. Schon in seiner Zeit als Hamburger Justizsenator war er ein Hardliner, der aneckte und in die Schlagzeilen geriet. 2006 wurde er gefeuert. Knapp drei Jahre nach dem Rausschmiss ist aus dem Politiker ein Sterbehelfer geworden - der bekannteste Sterbehelfer der Nation.
Fünf Menschen hat Roger Kusch bislang beim Suizid begleitet. Fünf Menschen, für die das Leben angeblich keinen Sinn mehr machte, unerträglich war. Kusch betrachtet Sterbebegleitung als Dienstleistung. Eine Dienstleistung, die er sich mit 8000 Euro bezahlen lässt. Das Prozedere ist immer gleich: Mit Hilfe seines gemeinnützigen Vereins informiert er die Menschen und rührt die Werbetrommel. Als Privatmann kassiert er ab.
Rechtlich konnte Kusch bisher für sein Tun nicht belangt werden, da ihm aktive Sterbehilfe, die in Deutschland verboten ist, nicht nachgewiesen werden konnte. Doch jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. Der Verdacht: Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz. Hat Kusch rezeptpflichtige Medikamente weitergegeben? Medikamente, die den Tod der Menschen verursacht haben? Nicht die einzigen Fragen, die das Geschäftsmodell "Sterbehilfe" von Roger Kusch aufwirft.
Regisseur John Zaritsky zur Sterbehilfe:
Gegenüber Kulturzeit äußerte sich John Zaritsky, Regisseur von "The Suicide Tourist". Er hielt den Tod von Craig Ewert in der Zürcher Wohnung der umstrittenen Sterbehilfeorganisation Dignitas fest. "Ich dachte, das Hilfreichste, was ich zu dieser Debatte beisteuern kann, ist, Sterbehilfe zu dokumentieren", sagt Zaritsky. "In der Schweiz, wo sie legal ist. Auf diese Weise können sich Menschen, egal welcher Meinung sie sind, ansehen, wie Craig Ewert Selbstmord begeht. Danach können sie sich ihre eigene Meinung bilden, ob Sterbehilfe eine gute oder eine schlechte Sache ist. Menschen fragen sich, wie lange ein Sterbender leiden muss, ob er leiden muss, wenn er stirbt. Kommt der Tod friedlich oder ist es gewaltsam, dramatisch, wenn jemand stirbt? Menschen tappen diesbezüglich immer noch im Dunkeln. Deshalb war es für mich als Dokumentarfilmer wichtig, so offen und ehrlich wie möglich mit meinen Zuschauern zu sein. Ich fand, sie sollen und müssen das Ereignis ganz sehen, den Tod eingeschlossen."
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Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr



Der Beitrag als Video in der ARD-Mediathek

Bundesärztekammer verurteilt Fernsehübertragung des Suizids von Craig Ewert (Aktuelles vom Donnerstag, 11.12.2008)

12.12.2008 / ("Panorama", ARD) / tm
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