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Todesurteil durch UN-Blauhelme
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"Die UN-Blauhelme sagten zu mir: 'Übersetz' den Menschen hier, dass sie jetzt die Halle verlassen sollen - in Gruppen zu jeweils fünf Personen'", erinnert sich Hasan Nuhanovic. "Das tat ich. Tausende Menschen schauten mich an. Ich war mittendrin und wusste: Das ist ihr Todesurteil." Durch das Spalier der Blauhelmsoldaten laufen die 6000 Flüchtlinge zum Ausgang des UN-Stützpunkts. Die Prozedur dauert Stunden. "Die Menschen hatten keine Chance", sagt Hasan Nuhanovic. "Sie mussten aus der Fabrik heraus, weil es ihnen die Holländer befohlen hatten. Sie verließen das Gelände. Ich bin mir sicher, dass den meisten von ihnen klar war, dass sie ermordet werden. Sie liefen direkt in ihren Tod." Denn vor dem Zaun stehen die serbischen Soldaten. Sie selektieren Männer von Frauen. Selbst zwölfjährige Jungen sind dabei. Sie dürfen nicht bei ihren Müttern bleiben.
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Maschinengewehrsalven bis spät in die Nacht
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Bosnische Flüchtlinge © ap
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Dann erfolgt der Abtransport in Bussen. Kurz danach sind bis spät in die Nacht Maschinengewehrsalven zu hören. Hasan, der als Dolmetscher auf dem UN-Stützpunkt bleiben darf, weiß, was das bedeutet. Die Blauhelmsoldaten sind froh, feiern, dass die Flüchtlinge weg sind, sie das Lager nun aufgeben und sich zurückziehen können. "Einer von ihnen kam mit einer Stange Zigaretten und einigen Dosen Bier", erzählt Hasan Nuhanovic. "Ich weinte und dachte daran, mich umzubringen. Ich wollte sterben. Und da kam dieser holländische Soldat und fragte mich, ob ich eine Schachtel Zigaretten und ein paar Bier wolle. Ich heulte nur noch. Meine Familie hatten sie rausgeschmissen, die Serben würden sie töten, und er sagte nur: 'Okay' - und ging."
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UN-Kommandant leugnet die Vorfälle
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Hasan Nuhanovic lebt heute in Sarajevo. Er arbeitet immer noch als Übersetzern - in einem Beruf, den er seit damals hasst. Im bosnischen Büro der deutschen "Gesellschaft für bedrohte Völker" erzählt er von seinem Gerichtsprozess. Hasan hat den holländischen Staat verklagt, weil dessen Soldaten damals seine Familie und die anderen Flüchtlinge im Stich gelassen haben. Doch der ehemalige Kommandant der UN-Blauhelme leugnete die Vorfälle. Vor kurzem erging das Urteil: "Das Urteil des Gerichts von Den Haag sagt, dass die holländischen Soldaten keinen der Flüchtlinge dazu aufgefordert hätten, das Lager zu verlassen", sagt Hasan Nuhanovic. "Niemand von ihnen habe sie in die Hände der Serben übergeben. Und das ist einfach gelogen."
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Jahrelang hat Hasan Nuhanovic darum gekämpft, den einstigen UN-Stützpunkt zum Gedenkzentrum zu machen. Fotos der Opfer und Funde aus den Massengräbern erinnern an das, was an jenem Tag im Sommer 1995 geschah. "Dieser Ort erzählt die Wahrheit", sagt er. "Und die Serben wissen ganz genau, was damals passiert ist. Ich hoffe, dass sie ihre Kinder, die zu dieser Zeit vielleicht gerade geboren wurden oder noch nicht einmal auf der Welt waren, hierhin schicken. Sie sollen diesen Ort besuchen und der nächsten Generation davon erzählen. Wenn das nicht passiert, dann wird Bosnien für immer gespalten bleiben." Bisher sind es nur Schulklassen aus dem muslimischen Teil Bosniens, die den ehemaligen UN-Stützpunkt besuchen - wo der der größte europäische Genozid nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Anfang nahm - der Ort, an dem die UN-Friedenstruppen komplett versagten.
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 Hasan Nuhanovic
"Under The UN Flag: The International Community and the Srebrenica Genocide"
DES Sarajevo, 2007
ISBN-13: 978-9958728877 |  |
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