George W. Bush auf der Leinwand
Der Film "W." von Oliver Stone will den US-Präsidenten zeigen, wie er ist
Josh Brolin, der Darsteller von George W. Bush  © ap
US-Präsident George Bush führte als junger Verbindungsstudent ein wildes Leben als Partyhengst, mit Wettrinken und Nächten im Gefängnis. So jedenfalls schildert es der Film "W." des Hollywoodregisseurs Oliver Stone. Glaubt man Stone, ist nichts an seinem Film erfunden.
"Es geht uns nicht darum, den Mann zu verletzen", sagt Oliver Stone. "Er sagt, was er sagt in seinen eigenen Worten. Es ist kein Hinterhalt. Wir wollen zeigen wie er den Irak-Krieg begründet. Und George Bush zeigen, wie er ist." Stone verlässt sich im Film auf die Kraft der Realität. Echte Pressekonferenzen dienen als Vorlage. Zum Beispiel jene legendäre Presskonferenz, auf der er gefragt wurde, ob er Fehler nach dem 11. September gemacht habe. Zuerst ist der Präsident sprachlos - danach ratlos. "Ich wünschte Sie hätten diese Frage vorher schriftlich eingereicht, damit ich mich hätte vorbereiten können“, sagt Bush im Film. "John, Historiker werden zurückblicken und sagen, ich hätte es besser so oder so gemacht. Irgendetwas wird mir schon zu dieser Frage einfallen inmitten dieser Pressekonferenz trotz des Drucks, unter dem ich hier in dieser Pressekonfernz stehe. Aber jetzt fällt mir nichts ein."
Den Cowboy nie abgelegt
In der realen Pressekonferenz wie in der gespielten Szene wirkt Bush gleichermaßen ratlos und überfordert. Hilfesuchend wendet er sich letztendlich an seinen Stab. Als junger Mann gewinnt Bush mit seinem texanischen Charme seine Frau Laura. Der Sohn des Präsidenten George Senior kann sich mit dem Bush-Junior-Status nicht anfreunden. Er hangelt sich von Job zu Job. Dem Alkohol schwört er ab und sucht Halt im christlichen Glauben. Er ist ein Mann auf der Suche nach sich selbst. Eine Suche, die letztlich im Weißen Haus endet. Doch den Cowboy in sich hat George Bush nie wirklich abgelegt.
Regisseur Oliver Stone  © ap
Filmpremiere in New York: Mit dabei ist Josh Brolin, der Bush spielt und Richard Dreyfuss als Vizepräsident Dick Cheney. Mit dem Kinostart vor Ende der Bush-Amtszeit hat Oliver Stone ein Tabu gebrochen. Das brachte das Filmprojekt in Gefahr. "Wir hatten definitiv Schwierigkeiten, Financiers zu finden", sagt Oliver Stone. "Glücklicherweise haben sich Geldgeber aus Deutschland, Australien und China gefunden." In einer Schlüsselszene im Film geht es um Massenvernichtungswaffen im Irak. Angebliche Waffenverstecke stellen sich als Wasserlöcher für Rinder heraus. Diese Hiobsbotschaft löst bei Bush einen wenig präsidialen konfusen Wutanfall aus, der seinen Stab ratlos zurücklässt. "Die Bush-Doktrin des Präventivkrieges ist sehr gefährlich", sagt Oliver Stone. "Wir haben internationale Gesetze gebrochen. Unsere Verfassung wurde zerpflückt. Wir haben eine Alleinherrschaft. Bush benimmt sich wie ein König, nicht wie ein Präsident. Meiner Meinung nach ist das eine Katastrophe. Mein Film zeigt Bushs Sicht der Dinge. Vielleicht stört das einige Leute, aber darin sehe ich meine Aufgabe als Dramaturg."
Politische Aktionen wie der Irakkrieg haben George Bush heute die schlechtesten Umfragewerte eingebracht, die je ein US-Präsident hatte. Oliver Stone hat mit "W." einen Abgesang auf den Republikaner Bush gedreht. Manche meinen, dieser Film komme vier Jahre zu spät.

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr


"W."
USA 2008
Regie: Oliver Stone
Darsteller: Josh Brolin, Elizabeth Banks, James Cromwell, u.a.
Kinostart in Deutschland noch ungewiss



USA: Ein Staat im Spagat - Kulturzeit extra am Amerika Thementag in 3sat



Chronik eines angekündigten Krieges - Kulturzeit berichtet über die Irak-Krise und ihre Folgen



Kino-Zeit - Die "Kulturzeit"-Filmkritiken

17.10.2008 / Stephan Müller für Kulturzeit / jh
zurück Seitenanfang Druckversion Artikel versenden 3sat / Kulturzeit [E-Mail]