Ein Meister der Sprache
Der US-amerikanische Schriftsteller David Foster Wallace beging Selbstmord
Mit scharfem Auge und schwarzem Humor schrieb er sich an die Literaturspitze der USA: David Foster Wallace. Am 12. September 2008 nahm sich der Schriftsteller das Leben und beendete damit eine vielversprechende Karriere. Die USA haben eines ihrer größten Talente verloren, sein literarisches Werk wird nachhallen.
Wallace künstlerisches Schaffen ist geprägt von Superlativen. Früh wird er von den Kritikern gefeiert, bereits sein 1987 erschienenes Erstlingswerk "The Broom of the System" sorgt für Aufsehen. In der Litertaurwelt gilt er schnell als "talentierter Writing-Class-Hero", so die "Zeit", sein Debut wird auch hierzulande als "gnadenlos ambitioniertes Werk" gepriesen. Und tatsächlich löst er das Versprechen ein, auch seine nachfolgenden Veröffentlichungen können sich ähnlicher Erfolge erfreuen. Das 1997 veröffentlichte "A Supposedly Fun Thing I'll Never Do Again", die literarische Reportage einer Luxuskreuzfahrt, avanciert zum Bestseller. Mit gnademlosen Blick unterzieht er die ahnungslosen Reisenden einer gruppenpsychologischen Untersuchung, mit scharfer Zunge schildert er seine Beobachtung.
Gnadenlose Beobachtungen
Der meisterliche Umgang mit Sprache, die satirische Annäherung an schwere Inhalte - diese Mischung bringt David Foster Wallace seinen Erfolg. Langatmige Erzählungen, in denen jedes Detail akribisch erfasst und beschrieben wird, gepaart mit einer scharfsinnigen Auffssungsgabe machen Wallace zu einem herausragenden Beobachter. Auch John McCain geriet so schon in den Fokus des Schriftstellers, 2000 fragt Wallace in "McCain's Promise" nach dem Potential des damalig erfolglosen Politikers. Wallace will desillusionieren, den "American Way of Life" auf seine Schwächen überprüfen. Seine Helden sind oft einsame, gescheiterte Persönlichkeiten, die unterschiedlichsten Todesarten tummeln sich in seinen Geschichten. Nicht immer ist diese Mischung einfach zu lesen oder zu übersetzen - ein Grund dafür, weshalb Wallace im deutschen Sprachraum eher unbekannt ist.
Gelernt hat Wallace sein Handwerk an Amherst College, wo er nach einem Philosphiestudium einen zusätzlichen Abschluss in "Creative Writing" erwirbt. Als Sohn eines Literturprofessors versucht sich Wallace zunächst jedoch als Tennisprofi und bringt es auf Platz 17 der westamerikanischen Tennisrangliste. Erfolgreicher sollte sich aber seine literarische Karriere gestalten, seine zahlreichen Veröffentlichungen bringen ihm Annerkennung und Preise ein, etwa den "Lannan Award for Fiction". Zwischen 1992 und 2002 unterrichtete Wallace englische literatur an der Illinois State University, zuletzt lehrte er selbst das kreative Schreiben am Pomona College in Kalifornien.
Ein langsamer Abschied
In den letzten Jahren werden seine spitzfindingen Gesellschaftsporträts immer schwerer, seine Erzählungen immer düsterer. Die Medien attestieren ihm eine wachsende Depression, die Neigung zur Schwerfälligkeit scheint in seinen Werken verankert. Er selbst jedoch nimmt keine Stellung zu seinem Freitod, ohne Abschiedsbrief wird der 46-jährige von seiner Frau im gemeinsamen Haus gefunden - er hat sich erhängt. In Deutschland ist sein literarisches Werk, das nun sein jähes Ende gefunden hat, noch lange nicht erschlossen. 2009 soll der 1000-seitige Roman "Infinite Jest" endlich in der deutschen Fassung erscheinen. Dann können sich auch die deutschen Leser überzeugen von seinem Rúf als "wichtigster, komischster, anstrengenster Schriftsteller der amerikanischen Literatur der letzten 20 Jahre", wie es in der "Frankfurter Rundschau" heißt.

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr



David Foster Wallace
"Der Besen im System"
Rowohlt TB 2006
ISBN-13: 978-3499237591
12,90 €



David Foster Wallace
"Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich"
Goldmann 2006
ISBN-13: 978-3442542291
6,95 €



David Foster Wallace
"McCain's Promise"
Hachette Book Group USA 2008



David Foster Wallace
"Infinite Jest"
Hachette Book Group USA 1996

15.09.2008 / Kulturzeit mit Material von munzinger / es
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