Latein groovt!
Die Band "Ista" rapt auf Latein
"Ista" vor der Porta Nigra in Trier
"Ista" kommen eigentlich aus Wilhelmshafen, leben jetzt aber überall in der Republik verteilt. Eines hält sie zusammen: Latein. Seit 1992 rappen Clemens Liedtke und seine Band auf Latein und zeigen, dass diese Sprache so gar nicht totzukriegen ist. "Estne ista, quae ante portas stat?" - Das Bandprojekt entstand an der Cäcilienschule Wilhelmshaven - genauer: in einem Lateinkurs.
Zunächst starteten "Ista" mit lateinischen Versionen bekannter deutscher HipHop-Songs, unter anderem eben auch mit dem Titel "Ista?!?!!", zu deutsch "Die da?!?!", von den Fantastischen Vier. Was fasziniert die Musiker so am Latein-HipHop? Clemens Liedtke kann es erklären: "Latein und HipHop passen außerordentlich gut zusammen, denn die Sprache der alten Römer ist sehr rhythmisch und lässt sich äußerst pointiert betonen." Dabei seien er und seine Mitstreiter anfangs keineswegs Latein-Asse gewesen. "Wir waren damals in der zwölften Klasse und wollten aus Gag Songs übersetzen und damit nebenbei von unseren Vokabelschwächen ablenken."
Von Vokabelschwächen ist die Band mittlerweile weit entfernt. Für die lateinischen Lieder müssen sie heutiges Vokabular in alte Sprache fassen - und das mit allem, was zu einem echten Rap dazugehört: Rhythmus, Prägnanz und natürlich "groove". Für die Musiker steht in erste Linie der Spaß im Vordergrund, Spaß am kreativen Umgang mit der Sprache Latein und Spaß am Musikmachen. Dass Latein-HipHop wohl nie an die Absatzzahlen der Fantastischen Vier oder anderer Bands heranreichen wird, stört die dabei wenig.
"Tu Romane!"
Nur mit Groove wollen sich die Latein-Musiker aber dann auch nicht begnügen. Ihr Lied "Tu Romane!" ist eine Montage aus zwei klassischen Quellen. Für den Refrain wurde ein Text Vergils genutzt, in dem dieser eine ideologische Rückbesinnung auf ein konservativ geprägtes Römertum beschwört, um von den tatsächlichen politischen Neuerungen in Rom, vor allem dem Machtverlust des Senats, abzulenken. Die Strophen greifen die Kritik am Römischen Imperialismus auf, die Tacitus in seinem "Agricola" dem Keltenführer Calgus in den Mund legt. Jedem Lateinschüler bekannt sein dürften die Worte des musikalischen Zwischenspiels: "Gallia est omnis divisa in partes tres…". So beginnt Caesar seine Schrift über den Gallischen Krieg, "De Bello Gallico".
Vos raptores orbis, Romani!
Soli omnium opes atque inopiam pari adfectu concupiscunt.
Auffere, trucidare, rapere falsis nominibus imperium, atque ubi solitudinem
faciunt, pacem appelant.

TU ROMANE!
TU REGERE IMPERIO POPULOS, ROMANE,
MEMENTO
HAE TIBI ERUNT ARTES, PACIQUE IMPONERE MOREM. PARCERE
SUBIECTIS ET DEBELLARE SUPERBOS!

Vos raptores orbis, Romani!
Postquam cuncta vastantibus defuerre Terrae, mare scrucantur.
Si locuples hostis est, avari, si pauper, ambitiosi,
quos non Oriens, non Occidens satiaverit.

TU ROMANE!
TU REGERE IMPERIO POPULOS, ROMANE, MEMENTO
HAE TIBI ERUNT ARTES, PACIQUE IMPONERE MOREM. PARCERE
SUBIECTIS ET DEBELLARE SUPERBOS!

Gallia est omnis divisa in partes tres,
quarum unam incolunt Belgae, aliam Aquitani, tertiam, qui ipsorum lingua Celtae, nostra Galli apellantur.

TU ROMANE! DEBELLARE SUPERBOS!

Vos raptores orbis, Romani!
Universi servitutis expertes sumus imminente nobis classe Romana.
Ita proelium atque arma, quae fortibus honesta,
eadem etiam ignavis tutissima sunt.
Vos raptores orbis, Romani!
Nos libertatis extremos recessus ipse defendit.
Nulla iam ultra gens, nihil nisi fluctus et saxa, et infestiores Romani, quorum
superbiam frustra per obsequium et modestiam effugeris.

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr



"O Tempora!" - Ein "Kulturzeit extra" in lateinischer Sprache 23.08.2008, um 19.20 Uhr



"Imperium Romanum" 3sat-Thementag am Samstag, 23.08.2008

23.08.2008 / Markus Dillmann (Kulturzeit) / se
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