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Roma-Kinder unter Generalverdacht
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Die Roma Italiens werden demnächst alle Besuch von den Carabinieri bekommen. Die Behörden wollen Fingerabdrücke nehmen, notfalls mit Gewalt.
Roma-Kinder stehen unter Generalverdacht. "Sie wollen uns alle erkennungsdienstlich behandeln - wie Kriminelle", sagt Umiza Halilovic, Bewohnerin von "Cesare Lombroso". Warum gehen Sie denn nicht zu den Kindern der Camorra, Ndrangheta und Mafia!" Das Roma-Lager "Cesare Lombroso" im Norden von Rom ist eines von 700 in Italien. Rund 160.000 Roma und Sinti leben im Land.
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Und es brennt immer wieder - nicht nur in Neapel. Dort müssen die Roma sogar unter Polizeischutz aus der Stadt gebracht werden, unter den Freudentänzen ihrer einstigen Nachbarn. "Es gibt Volksgruppen, die eine Art Legende mit sich führen", erläutert der Schriftsteller Andrea Camilleri. "Sie ist bar jeder Realität, hat mit der Wirklichkeit ganz und gar nichts zu tun, und dennoch lässt sich die Legende nicht entkräften. Zum Beispiel, dass die Sinti und Roma Kinderdiebe seien. Schon im zarten Alter von vier, fünf Jahren habe ich meine Eltern gehört, die mir diesen Rassismus eingetrichtert haben. Pass bloß auf, so sagten sie, sonst kommen die Zigeuner. Die Zigeuner kommen und holen dich. Ich bin jetzt 83 Jahre alt und habe noch nie gesehen oder gehört, dass ein Kind von ihnen geklaut wurde. Aber dennoch - die Legende lebt bis heute." Der italienische Krimischriftsteller Andrea Camilleri ist, wie hunderte anderer, gekommen, um seinen Fingerabdruck zu geben - aus Solidarität mit den Roma, direkt vor dem römischen Innenministerium.
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Das Gesetz: "Widerlich und nicht zu entschuldigen"
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Eine Volksgruppe so zu behandeln, das sei Faschismus, sagt der jüdisch-italienische Schauspieler Moni Ovadia. "Ich dachte, ich müsste kotzen", sagt er. "Ich weiß, was es bedeutet, einem Volk anzugehören, das verfolgt wurde. Nicht etwa, weil es etwas getan hat, sondern weil es ist, was es ist. Und so ist dieses Gesetz. Es ist widerlich und nicht zu entschuldigen. Je mehr man versucht, es zu verharmlosen, umso schlimmer wird es." Wanja Mancini vom "Arci Flüchtlingsprojekt" kommt jeden Tag nach "Cesare Lombroso". Ihr "Progeto Integrazione Scuolastica", ein Projekt für die Integration an Schulen, hat dafür gesorgt, dass 50 Kinder des Lagers erstmals regelmäßig die Schule besuchen. Italienische Kinder tanzen gemeinsam mit den Roma. So begann das Projekt 2006. 2200 Roma konnten bisher in die römischen Schulen integriert werden. Auch die ansonsten verschlossenen Roma-Gemeinschaften machten mit. Doch dann bekam Rom einen rechten Bürgermeister und das Land das Fingerabdruckgesetz.
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"Dass diese Albträume wiederkommen, ist grauenhaft"
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"Ich habe mich in diesen Tagen an ein Foto erinnert", sagt Schriftsteller Andrea Camilleri. "Es stammt, so glaube ich, aus Polen. Darauf sieht man einen kleinen jüdischen Jungen, der so eine Mütze trägt wie ich und die Hände nach oben hält.
Dass diese Albträume wiederkommen, ist grauenhaft."
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Auch Dacia Mariani will ihren Fingerabdruck geben. Seit den 1960er Jahren kämpft die Schriftstellerin für eine liberale Gesellschaft. Dass es in ihrem Italien einmal dazu kommt, dass eine ganze Ethnie stigmatisiert wird, das hielt sie nicht für möglich. "Es wurde hier ein Klima der Angst erzeugt", so Dacia Mariani. "Angst vor den Roma. Wir haben die Mafia, die Camorra und die Ndrangheta, die Italien doch tatsächlich daran hindern, sich zu entwickeln. Doch statt auf sie, konzentriert man sich auf die Roma. Auf die kleinen Diebe, die kleinen Händchen der Kinder, die angeblich viel gefährlicher seien als die großen Hände derer, die Italien wirklich im Würgegriff halten."
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