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Unschuldig festgehalten - Albtraum ohne Ende
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Adel Abdul Hakim kennt diese Verzweiflung: Auch er wurde unschuldig in Guantanamo festgehalten - vier endlose Jahre lang. Für den 33-jährigen Uiguren war das ein Albtraum. Erst wurde er zum Spielball der Weltgeschichte, dann der großen Politik. Jetzt ist er in Stockholm gelandet, für ihn ist das noch ein Glück.
Denn 16 andere Uiguren, die mit ihm verhaftet wurden, sitzen noch immer in Guantanamo, obwohl das US-Verteidigungsministerium längst eingeräumt hat, auch sie könnten gehen. Seit 2005 wissen die US-Behörden, dass Wanderarbeiter wie Adel unschuldig sind. Doch in die USA darf kein Guantanamo-Häftling einreisen. Sie könnten frei sein, wenn ein anderes Land bereit wäre, sie aufzunehmen.
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Adel Abdul Hakim: Verraten und verkauft
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"Immer wieder wurde ich bei den Verhaftungen mit Elektroschocks gefoltert", sagt Adel Abdul Hakim. "Im Gefängnis habe ich begriffen, dass die chinesischen Behörden mich nie mehr in Ruhe lassen werden, obwohl ich nur einmal an einer verbotenen Demonstration teilgenommen hatte. Für mich war in meinem Land kein normales Leben mehr möglich. Da habe ich angefangen, meine Flucht zu planen." Adels Flucht begann in seiner Heimatstadt Gulja. Er reiste über Kirgisien und Pakistan nach Afghanistan, immer auf der Suche nach Arbeit. In Afghanistan traf er andere Uiguren und arbeitete mit ihnen in einem Dorf. Die US-Amerikaner hielten das Dorf für einen El-Kaida Stützpunkt und bombardierten es. Adel flüchtete mit den anderen zurück nach Pakistan.
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"Als Afghanistan bombardiert wurde, sind wir über die Berge nach Pakistan geflohen", berichtet Adel Abdul Hakim. "Dort haben uns die Menschen empfangen und gesagt, wir begleiten euch dahin, wohin ihr möchtet, und damit haben sie uns reingelegt. Nach einigen Tagen haben sie uns an die pakistanische Armee übergeben." Die Pakistaner verkauften die Uiguren für je 5000 Dollar Kopfgeld an die US-Armee, und die brachte sie nach Guantanamo. Dort verschwanden sie für viele Jahre in 1,70 Meter langen Käfigen. Adels Frau und seine drei Kinder dachten jahrelang, er wäre tot. Es dauerte vier Jahre, bis die US-Amerikaner zugaben, die Falschen eingesperrt zu haben. Doch weil ihnen in China Verhaftung und Folter drohen, und die USA ja strikt ablehnten, sie einreisen zu lassen, baten sie andere Länder. Nur Albanien, eines der ärmsten Länder Europas, war bereit, fünf von ihnen aufzunehmen - trotz heftiger chinesischer Proteste.
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Adel hatte das Glück, einer von ihnen zu sein. Inzwischen ist er weiter nach Schweden gereist, zur Familie seiner Schwester. Die anderen 16 Uiguren sitzen weiter in Guantanamo - seit nunmehr sechseinhalb Jahren unter schwierigsten Haftbedingungen. "Man hat eine Vorstellung davon, was Guantanamo ist, bevor man dorthin kommt", sagt Seema Saifee, Anwältin der Uiguren in Guantanamo. "Aber es ist nichts gegen das, was man dann tatsächlich erlebt: Man kann buchstäblich die Verzweiflung auf dem Gesicht seiner Mandanten sehen, an ihren Gesichtern ablesen, dass sie sechs Jahre eingesperrt sind. Im Moment werden die Uiguren in Isolationshaft gehalten. 22 Stunden am Tag, in der sie praktisch keine Möglichkeit haben, miteinander zu kommunizieren."
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Steinmeier: Rücksicht gegenüber China
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Steinmeier ist die Rücksicht gegenüber China offenbar wichtiger. Der Außenminister achtet stets darauf, die wirtschaftliche Großmacht China nicht zu verprellen. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung sieht das anders. Günter Nooke, CDU, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung, sagt: "Ich plädiere ganz klar dafür, diesen unschuldigen Menschen zu helfen und sich hier auch über die chinesischen Bedenken hinwegzusetzen. Das wäre auch ein Zeichen, dass wir uns ganz praktisch um Dinge kümmern, wenn es um Menschenrechtspolitik geht."
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SPD-Bundestagsfraktion: "Keine glaubwürdige Perspektive"
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Eine solche Haltung stößt selbst in Steinmeiers eigener Partei auf Unverständnis. Christoph Strässer ist Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion für Menschenrechte. Er sagt: "Es kann nicht sein, dass die ganze Welt fordert, Guantanamo muss geschlossen werden, und sich dann die ganze Welt weiterhin weigert, den Menschen, die unschuldig dort sitzen, bekanntermaßen, erkanntermaßen unschuldig, die Aufnahme zu verweigern. Das kann keine glaubwürdige und dauerhafte Perspektive sein." "Wenn China erst einmal das Gefühl hat, dass es anderen Regierungen ihre politischen Entscheidungen diktieren kann, in dem es moralische Werte und internationale Menschenrechtsstandards untergräbt, dann sind wir wirklich am Ende angekommen", sagt Lotte Leicht von "Human Rights Watch". "Das ist etwas, dem sollte jeder Politiker, der in der Verantwortung steht, widerstehen. Man darf Menschenrechte nicht auf dem Altar möglicher finanzieller Geschäfte mit einem großem Partner wie China opfern."
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