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Dominant sein - das fällt aus der traditionellen Frauenrolle
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Die frostige Resonanz, die Hillary Clinton von so vielen US-Amerikanern erfährt, überrascht keinen an der Rochester University. Nora Bredes lehrt am "Center For Women’s Leadership" über Frauen in der Politik - und sieht das Ganze in einem größeren Zusammenhang. "In der Politik zählen Werte wie Aggression, Macht über andere, anstelle von Macht, um ein Ziel zu erreichen, persönliche Ambitionen", so Bredes. "Kurz: Diese Werte, die in der amerikanischen Politik ermutigt werden, sind sehr männliche Werte. Wenn dann eine Frau kommt und sagt, sie könne Präsidentin und 'Commander in Chief', also Oberbefehlshaberin über die Armee sein, hat sie einen sehr schweren Stand. Sie muss zeigen, dass sie stark und dominant sein kann. Doch wenn sie das macht, wird ihr das als Ausbruch aus den traditionellen Normen für Frauen vorgeworfen."
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Die Hexenjagd auf Hillary ist aber kein reiner Männersport. Auf einer Wahlveranstaltung von John McCain war es eine Dame der besseren Gesellschaft, die die entscheidende Frage stellte: "Wie schlagen wir die 'Bitch'?" Bitch, das heißt Schlampe, Nutte, Zicke - für viele ist das die ideale Hillary-Beschreibung und Vorlage für subtile Kommentare. "Für mich kommt dieser irrationale Hass, den manche Leute empfinden, daher, dass eine Frau ihre traditionelle Rolle verlässt und etwas macht, was noch keine in der US-Geschichte jemals gemacht hat", sagt Nora Bredes vom "Center for Women’s Leadership". "Sie ist die erste. Wir haben hier noch nie eine Frau in einer solchen Position gehabt, in der Endrunde der Vorwahlen, und das sogar als Favorit. Deshalb finde ich es unfair, zu sagen, eine andere Frau hätte es leichter. Liegt das nicht speziell an Hillary Clinton?"
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Hillary: rücksichtslos, rachsüchtig, etcetera
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Clinton bringt die republikanische Volksseele in Wallung wie keine zweite. Ein Dokumentarfilm zieht alle propagandistischen Register. Die Botschaft des Machwerks, das aus juristischen Gründen noch nicht ins Kino darf, lautet: Hillary ist das Böse schlechthin. Ohne jedes Ironie-Bewusstsein bezichtigen Fans von Bush und Cheney Clinton als schlimmste Gesetzesbrecherin der US-Geschichte. Außerdem sei sie rücksichtslos, rachsüchtig, bestechlich, hinterhältig, intolerant und eine Lügnerin.
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Sexistische Demontage
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Clinton ist eine Politikerin, deren Sexualität viel mehr thematisiert wird als die der Männer - meist verächtlich, zum Beispiel als Liebestöterin. Im Fernsehen gehört es längst zum guten Ton, sich negativ über Clinton zu äußern, von "roboterhaft" über "Hexe" bis zu einer Stimme, bei der Männer hören: "Bring den Müll raus!" Letztlich ist es da nicht erstaunlich, wenn auf Clintons Kundgebung ein Besucher fordert: "Bügle mein Hemd!" Ihr charismatischer Partei-Konkurrent wird dagegen als Rockstar gefeiert, schwarz ist die Modefarbe dieser Wahlkampfsaison. Die Ungleichbehandlung der Kandidaten in den Medien inspirierte selbst "Saturday Night Live" zu einer gefeierten Comedy-Nummer.
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Die Presse groovt - harte Fragen gibt es nur für Clinton. "Sie wird kritisiert, egal was sie macht", sagt Nora Bredes. "Wenn sie lacht, ist es ein Gackern. Wenn sie emotional wird, gilt sie als weinerlich. Wenn sie sich ärgert, heißt es: 'Sie ist schrill.' Sie wird wegen ihrer Haare und ihrer Kleidung kritisiert, dass sie Hosenanzüge, aber keine Röcke trägt. Wenn das alles vorbei ist, wird es hochinteressant, diese ganzen Beispiele einmal auf Vorurteile gegenüber Frauen hin zu analysieren." Für Clinton bleibt im Moment nur die Hoffnung, dass genügend Wähler dem solidarischen Kampfruf der Komikerin Tina Fey zustimmen: "Bitch is the new Black" - "Bitch ist das neue Schwarz".
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