 |
|
Die gefährlichste Region der Welt
|
 |
|
Waffenproduktion gehört hier zum normalen Handwerk. Früher wurden nur einfache Gewehre und Schwerter hergestellt, heute reicht die Palette von Kalaschnikows bis zu Kanonen. Waffen sind die selbstverständlichen Requisiten des Mannes. Das Feindbild dieser Stämme wechselt ständig, für den Westen ist das undurchschaubar. Ein quasi exterritoriales Gebiet, Hochburg der
Taliban und von El Kaida. Das Stammesgebiet ist heute die gefährlichste Region der Welt. "Zutritt für Ausländer verboten", steht auf dem Schild an der Grenze. Peschawar, die ehemalige Garnisonsstadt, ist Hauptstadt der Paschtunen. Von hier aus führten die westlichen Mächte viele Kriege, früher gegen russische Zaren und später gegen die Kommunisten in Afghanistan. Heute regieren in Peschawar die Islamisten.
|
 |
|
 |
 |
|
 |
 |
|
Einer kämpfte mit Gandhi für den Frieden
|
 |
|
Die pakistanischen Buchhandlungen sind voller Bücher über Paschtunen und ihre heiligen Kriege gegen fremde Mächte. Mal werden die Paschtunen verehrt, weil sie ihre Heimat lieben - oder, weil sie gegen Kommunisten kämpfen. Mal werden sie als die brutalen Krieger dargestellt, die mit ihren arabischen Brüdern sympathisieren statt mit dem Westen. Soldaten, Offiziere und heilige Krieger aus aller Herren Ländern schreiben Tagebücher über ihre kriegerischen Erfahrungen mit den Paschtunen. Es geht immer um den Krieg, außer im Buch: "Der unbewaffnete Paschtune". Es handelt sich um eine Friedensbewegung, denn nicht alle Paschtunen sind kriegerisch. Es gab vor 100 Jahren einen Mann unter den Paschtunen, der Seite an Seite mit Ghandi für Unabhängigkeit und Demokratie mit friedlichen Mitteln gegen die britische Kolonialmacht gekämpft hat. Khan Abdul Ghafar Khan ist sein Name. Unabhängigkeit und Bildung waren seine Maxime. Er wurde als der "paschtunische Gandhi" bekannt.
|
 |
|
 |
 |
 |
|
"Es geht um die Geschichte der unbewaffneten Paschtunen, eine politische Bewegung", erläutert ein Buchhändler. "Sie haben nie mit Gewalt gekämpft.
Wir haben mehr als 200 Bücher über Paschtunen, ebenso über Afghanistan. Wenn jemand sie angereift, haben sie das Recht, sich zu verteidigen. Ansonsten sind die Paschtunen ein friedliches Volk." Trotz Krieg und Terror in Pakistan, lebt Gandihs Erbe bis heute weiter. Ein Drittel der Paschtunen unterstützt die Friedensbewegung. In einer Villa am Rande der Stadt lebt einer der führenden Köpfe der Bewegung. Bashir Bilour Khan ist der Neffe von Ghafar Khan. Seine Residenz zeugt von einem modernen Stammesverhältnis. Er studierte islamisches Recht und hält oft Aufklärungsvorträge darüber. "Islam bedeutet nicht Hände abhacken, steinigen oder andere Menschen zu Terrorisieren, sondern das Sozialleben des Staates zu fördern", sagt Bashir Bilour. "Islam heißt, armen Menschen zu helfen.“
|
 |
|
 |
 |
|
 |
 |
|
Kultur als Heilmittel gegen den Islamismus
|
 |
|
Khan und seine Leute haben viel vor: Ein Theater und eine Kunstschule sollen entstehen. Die islamistische Regierung von Peschawar vernachlässigt alles, was mit moderner Kultur zu tun hat. Bilour Khan hingegen sieht die kulturellen Einrichtungen als eine wichtige Maßnahme im Kampf gegen den militanten Islamismus. Nach dem Mord an Bhutto ist heute keine friedliche Versammlung mehr ohne Militär und Polizei vorstellbar. Durch ihre aktive Sozialarbeit gewann die Friedensbewegung über Jahrzehnte die Familien und Stadtteile für sich. Dadurch ist Bilour Khan ein Politiker, der immer beliebter wird. Die Schule die er gerade besucht, ist das Gegenteil einer Koranschule. In solchen Schulen stehen Fächer wie Mathematik, Physik und Englisch auf dem Lehrplan.
|
 |
|
 |
|  |



|