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Gewöhnungsbedürftige Klänge
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Harlem, Bronx, Washington Heights: In diesen Stadtteilen von New York wohnen jene, denen Strawinsky und Klassik nicht unbedingt an der Wiege gesungen werden. Sie hören Rap und Techno, und wenn sie selbst Musik machen, dann klingt oft nach Gospel-Musik. In New Yorks sozial schwächerem Norden bieten die Berliner Philharmoniker Kontrast-Programm. Strawinskys "Frühlingsopfer" ist das Kernstück, auch das ihrer Jugendarbeit in Berlin. Diese Klänge sind gewöhnungsbedürftig. Aber die Kids dürfen improvisieren, selbst erfinden und dabei sich selbst finden. "Frühlingsopfer" ist eine spannende Geschichte, und wir übertragen sie in den Alltag: Unschuld, Verlust von Unschuld, rivalisierende Banden, Gruppenzwänge - das spiegelt doch perfekt unsere Wirklichkeit", meint Orchestermitglied Catherine Milliken.
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Catherine Milliken, Berliner Philharmoniker
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Mary King macht vor, wie es klingen könnte. Es ist schwer, den letzten Ton so lange zu halten, wendet er ein. Und doch - sie haben Spaß, weil sie sich ernst genommen fühlen. "Das ist eine natürlich eine für mich fremde Kultur, aber ich probiere gern etwas Neues aus", sagt der 14-jährige Lennox. "Sie sind so voller Leben, Hoffnung und Verheißung - großartig", freut sich Catherine Milliken. Ihre vertrauten Gospel-Melodien sind Lichtjahre davon entfernt. Es ist anders, aber sie nehmen die Herausforderung an. "Das muss ja nicht die einzige Musik in ihrem Leben sein", so Sir Simon Rattle. "Aber wenn sie wenigstens ein bisschen davon annehmen, macht das schon enorm viel aus. Und es geht nicht nur um die Musik, und was sie ihnen gibt, sondern auch um Disziplin, im Team zu arbeiten."
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Rohe Energie
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Am United Palace Theater in Washington Heights im Norden New Yorks bändigt Choreograph Royston Maldoon die "Frühlingsopfer"-Tanzgruppe. Der Ort ist ein Theater und eine Kirche in einem. New Yorker Barock. Oder doch Gotik? Die Jugendlichen lieben seinen Ohrring und seine Bartstoppeln. Royston Maldoon ist Choreograph und Feldwebel in einem. "Ihr müsst total aufmerksam sein, völlig
konzentriert", sagt er. "Kein Gerede, aufpassen, und absolut fokussiert. Das ist eure einzige Chance." Und: "Maul halten", brüllt Feldwebel Maldoon. "Ich mag diese rohe Energie, dieses Risiko", sagt Maldoon. "Jeden Tag auf Messers Schneide. Doch dann, wenn sie völlig verändert auf der Bühne sind und tanzen - das fasziniert mich einfach."
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Royston Maldoon, Choreograf
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Er kämpft gegen ihre Konzentrationsschwächen, ewige Quasselei, Fahrigkeiten - aber er weiß aus Berlin, dass er zum Ziel kommt mit den Kids. "Nein, macht Euch nichts vor: Es wird nicht plötzlich von selbst klappen bei der Aufführung", mahnt der Choreograf. "Wenn Ihr unsicher seid, verfallt Ihr in Panik. Aber wenn Ihr genau wisst, was Ihr zu tun und zu denken habt, dann werdet Ihr die Panik besiegen." "Das ist irgendwie befreiend", sagt die zehnjährige Leslie. "Du kannst tun, was du willst, und niemand kritisiert dich." Was ist wichtiger - die Arbeit mit den Kindern oder die Aufführung?
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