Verbotene Bilder
Wie zwei deutsche Dokumentarfilmer wegen Spionage in den Knast kamen
Die Dokumentarfilmer Florian Opitz (l.) und Andy Lehmann (r.)  © reuters
Der Dokumentarfilmer Florian Opitz und sein Kameramann Andy Lehmann wurden bei Recherchearbeiten in Nigeria von der Geheimpolizei verhaftet. Nach mehrwöchiger Haft wurden die Spionagevorwürfe fallengelassen. Florian Opitz und Andy Lehmann sind erfahrene Dokumentarfilmer: Sie haben schon an den unterschiedlichsten Orten dieser Welt gearbeitet.
Ihr neues Projekt führt sie Anfang September 2007 nach Nigeria. Mit einem von den nigerianischen Behörden ausgestellten Arbeitsvisum reisen sie ins Nigerdelta, die Quelle des nigerianischen Ölreichtums. Dort lebt die Bevölkerung in ärmlichsten Verhältnissen. Die Region wird immer wieder von Guerillatruppen und kriminellen Banden verunsichert. Die Nichtregierungsorganisation "Academic Associates Peace Work" ist die Anlaufstelle für ausländische Journalisten im Nigerdelta. Ihre Leiterin, Judy Asuni, eine US-Amerikanerin, lebt hier seit über 30 Jahren mit ihrem nigerianischen Ehemann. Sie vermittelt zwischen militanten Rebellen, Regierung und Ölfirmen. Mit ihrer Unterstützung recherchieren die beiden Dokumentarfilmer in der Region. Sie fotografieren, reden mit Einwohnern und suchen Protagonisten für ihren neuen Film.
Überraschende Freilassung
Dann der Schock: Florian Opitz und Andy Lehmann werden von Mitarbeitern des nigerianischen Geheimdienstes festgenommen - ohne Angabe von Gründen. Per Handy können sie noch die deutsche Botschaft über ihre Verhaftung informieren. Dann werden ihnen alle persönlichen Gegenstände abgenommen. Das war am 22. September 2007. Ohne die Vorwürfe genauer zu kennen, sitzen sie sechs Wochen in Nigeria fest. Die Anschuldigungen lauten: Visa-Vergehen und Drehen geheimer Raffinerieanlagen ohne Genehmigung. Kurz gesagt: Spionage. Florian Opitz und Andy Lehmann befürchten eine lange Haftstrafe - bis zu 14 Jahren. Aber genauso überraschend wie die Verhaftung kommt ihre Freilassung: Am 1. November 2007 landen die Dokumentarfilmer in Berlin. Die Anklage wird am 7. November 2007 endlich gegen sie fallen gelassen. Was bleibt sind viele ungeklärte Fragen - und eine Anwaltsrechnung von 60.000 Euro. Florian Opitz und Andy Lehmann sind zu Gast in der Kulturzeit-Sendung am 9. November 2007.

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr



Das Kulturzeit-Gespräch mit den Filmemachern Florian Opitz und Andy Lehmann (09.11.2007)

Am Tropf der Globalisierung - Der Dokumentarfilm "Der große Ausverkauf"
Nöte und Chancen - Die Konferenz "Partnerschaft mit Afrika" diskutiert über die Zukunft des Kontinents

09.11.2007 / Christoph Heinemann (Kulturzeit) / tm/lj
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