"Politically Incorrect"
Gefährliches Spiel zwischen Intoleranz und Ressentiments
Bublath geht bei Maischberger  © dpa
Warum dürfen wir eigentlich Dinge nicht mehr beim Namen nennen? Warum ist in deutschen Bussen von Fahrgästen mit Mobilitätsstörung die Rede und nicht von Rollstuhlfahrern? Und warum sprechen wir von Bürgern mit Migrationshintergrund und meinen doch eigentlich Zuwanderer? Kommt das alles, weil wir unbedingt politisch korrekt sein wollen? Diese Bemühungen treiben so manche Stilblüte, meint der Publizist und Autor Henryk M. Broder und kritisiert Selbstzensur und vorauseilenden Gehorsam.
Gibt es einen Auftstand der politisch korrekt Denkenden in diesem Land? Ist es etwa Johannes B. Kerner, der Eva Herman während seiner Sendung aus dem Studio wirft - oder Joachim Bublath, der unter Protesten die Gesprächsrunde von Sandra Maischberger verlässt? Was ist überhaupt politisch korrekt? Verhält sich Ralph Giordano politisch korrekt, wenn er sich gegen den Moscheenbau äußert? Oder spürt er politische Ressentiments allein dadurch, dass er sein Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnimmt?
Die Welt in Schwarz und Weiß
Der Internet-Blog "Politically Incorrect" lebt zur Zeit regelrecht von politischen Ressentiments. Die Mission des Blogs: die vermeintliche Rettung Europas vor dem Islam. Das Internet-Forum präsentiert Meldungen, die Stereotypen eines allgegenwärtigen Islam-Feindbildes bedienen. Das Ergebnis ist eine permanente Herabwürdigung der Muslime. Es ist nicht verwunderlich, wenn sich diesem Angebot Leserkommentare anschließen, die pauschal alles, was mit Islam zu tun hat, verunglimpfen und beleidigen. "Politically Incorrect" teilt die Welt in Schwarz und Weiß, in Freund und Feind. Politisch ist das so gar nicht korrekt, höchst bedenklich.
Von "Politically Incorrect" als Freund auserkoren und vereinnahmt ist der Publizist Henryk M. Broder. Anlässlich der diesjährigen Verleihung des Ludwig-Börne-Preises sprach er sich in seiner Dankesrede entschieden gegen eine übertriebene Toleranz gegenüber extremistischen Tendenzen aus. Ein gefährliches Spiel zwischen Intoleranz und altbekannten Ressentiments? Wo liegt die Grenze zwischen politisch korrektem Verhalten und der Einschränkung der Meinungsfreieheit? Wir haben darüber mit Henryk M. Broder gesprochen.

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr



Das Kulturzeit-Gespräch mit dem Publizisten Henryk M. Broder (02.11.2007)


Henryk M. Broder
"Hurra, wir kapitulieren!"
Pantheon 2007
ISBN-13: 978-3570550472
9,95 €

Moscheenstreit in Köln - Todesdrohungen gegen Projektgegner Ralph Giordano
Inquisition mit Schaufensterpuppen - Johannes B. Kerner schickt Eva Herman vor die Tür - und erzielt Quotenrekord

02.11.2007 / Christoph Heinemann (Kulturzeit) / lj
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