Die zwei spanischen Lager
Auch heute noch ist die Spaltung während des Bürgerkriegs nicht überwunden
Diktator Franco  © ap
In dem kleinen Dorf Areas in der spanischen Provinz Galizien heben Archäologen ein Massengrab aus. Darin befinden sich die Leichen linker Opfer des Bürgerkriegs, ermordet von Francos Truppen. Hinter der Kirche waren sie in die Grube geworfen worden. Nahezu gleichzeitig werden in Rom 498 katholische Geistliche, die im spanischen Bürgerkrieg von Republikanern getötet wurden, selig gesprochen.
Tote gab es auf beiden Seiten des spanischen Bürgerkriegs. 1936 begann der Faschist Franco seinen Putsch gegen die junge republikanische Regierung. Die katholische Kirche unterstützte Franco. Daher bekämpften linke Republikaner auch die Geistlichen, zündeten Kirchen und Klöster an und erschossen Priester und Mönche. Wer von den Linken ermordet wurde, dessen Angehörige wurden im frankistischen Spanien entschädigt und durch 800 Dekrete geschützt.
"Den Märtyrern ist nichts vorzuwerfen"
Die Linken hingegen wurden in den Jahren der Franco-Herrschaft als "Rote" geächtet und durften nicht darüber sprechen, was geschehen war. Auch das Massengrab in Areas war bis vor kurzem ein Tabu. Die spanische Regierung unterstützt nun zum ersten Mal diese Aufarbeitung der Vergangenheit. Im Dorf wusste man immer, dass die Leichen dort liegen mussten, doch es wurde eisern geschwiegen.
Die Spaltung der Spanier in zwei Lager während des Bürgerkriegs ist bis heute nicht überwunden. Angehörige linker Republikaner empören sich über die Seligsprechungen der katholischen Märtyrer: Sie finden, die Kirche müsste sich für ihr Verhalten während der Franco-Ära entschuldigen. Doch das hat die spanische Kirche nie getan. In der Messe vor der Seligsprechung findet der Kardinal von Madrid kein Wort der Entschuldigung: "Den Märtyrern ist nichts vorzuwerfen. Sie hatten keine Schuld an dem, was in Spanien in diesen tragischen Jahren geschehen ist. Sie starben für Christus, und Christus war kein Kriegstreiber", erklärt Antonio Maria Rouco Varela, Kardinal Erzbischof von Madrid.

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr

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31.10.2007 / Kulturzeit / jh
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