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"Blasphemie", schimpfen Kritiker
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Vittorio Sgarbi - unter Berlusconi stellvertretender Kulturminister, Fernsehmoderator und Kulturdezernent von Mailand - hat die Schau konzipiert. In Florenz ist er sozusagen im Exil, zusammen mit 150 Kunstwerken. Männer sind zu sehen, die so gar nicht dem italienischen Machismo-Bild entsprechen, zudem Fotos, Skulpturen, Gemälde aus über einhundert Jahren. David La Chapelles grellbunte Männerwelten, Akte des berühmten Mode-Fotografen Mario Testino. Und dann auch noch Frauen, die gar keine Männer brauchen. "Wir wollten unsere Ausstellung in einer Stadt zeigen, in der Michelangelo und Leonardo zu Hause waren", sagt Kurator Sgarbi. "Sie ist auch die Heimat von Visconti und Versace. Armani arbeitet dort. Proust war ein großer Schriftsteller, auch Oscar Wilde, aber von all denen haben unsere Gegner wahrscheinlich nie gehört. Wir wollen mit dieser Ausstellung zeigen, dass es so etwas wie eine homosexuelle Ästhetik gibt."
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Beleidigung von Papst, Kultur und Glauben
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Und sehen wollen ihn alle, den halbnackten Papst. "Blasphemie" sei das, schimpfen Kritiker. Hinter einem weißen Vorhang wartet Benedikt XVI. nun auf Besucher. So ist jeder, der ihn sich anschaut, selbst schuld. "Wenn eine Person noch lebt, so wie der Papst, wird so etwas schnell zu einem politischen Problem", sagt Vittorio Sgarbi. "Denn natürlich ist das anstößig. Aber letzten Endes ist es doch so, als würde ich Ihnen eine Perücke aufsetzen. Jeder Mensch kann sich provoziert fühlen, auch der Papst. Aber niemand kann einen Künstler daran hindern, Ihnen eine Perücke aufzusetzen und damit zu sagen, dass Sie ein Arsch sind."
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Giovanni Donzelli, Vorsitzender der Jungen Rechten Italiens, sitzt im Florentiner Stadtrat, umgeben von klassischer Nacktheit. Die "Homo-Ausstellung" wollte er verhindern, sorgte dafür, dass keine Gelder von der Kommune flossen.
"Ich fühle mich nicht nur als Katholik und Gläubiger beleidigt, sondern vor allem auch als Italiener und Florentiner", sagt er. "Denn unsere Stadt beherbergt nun diese skandalöse Ausstellung. Dort wird der Papst beleidigt und somit auch unsere Kultur, unsere Wurzeln und der Glaube dieses Landes." Doch all diese Gegner hatten nicht mit der italienischen Eisenbahn gerechnet. Die stellte Sgarbi und seinen Kunstwerken ein Ausstellungsgebäude zur Verfügung - für wenig Geld, direkt am Bahnhof, mitten in Florenz.
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Ein Sieg der Kunst
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Jetzt sieht man hier unter anderem zwei bärtige Männer beim Zungenkuss - und das auf der Trikolore. Auch das wollte man in Mailand verbieten. "In meinem Fall hat man mich sehr beschimpft", sagt der Videokünstler Sebastiano Deva." Man hat mir vorgeworfen, dass ich die italienische Nation beschmutzen will. Aber das habe ich überhaupt nicht vorgehabt. Ich bin ein Künstler. Mit meinem Werk, der italienischen Fahne, will ich zeigen, dass in Italien nicht alles gleich ist und dass es viele Unterschiede gibt."
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Reiz des Verbotenen
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"Durch die Zensur redet man heute viel mehr über die Ausstellung", sagt Vittorio Sgarbi. "Und die Menschen kommen, um sie zu sehen. Und siehe da: Es ist überhaupt nichts Schlimmes dabei. Wenn etwas verboten wird, dann wird doch jeder umso neugieriger. Also so gesehen sollte man sich vielleicht sogar eine Zensur wünschen." Auch Paolo Schmidlin kam, um seine Skulptur zu besuchen. Dass "Miss Kitty" solch einen Kunstskandal auslöst, damit hatte er nicht gerechnet. "Ich glaube, dass es solch einen Skandal wohl kaum woanders gegeben hätte", sagt er. "Ich meine, weder in der Schweiz, in Spanien oder sonstwo in Europa. Aber hier in Italien, da musst du sehr sensibel sein, wenn du bestimmte Themen anfasst. Aber ich hoffe, dass sich dies irgendwann legt. Vielen Dingen, die früher gar nicht akzeptabel waren, begegnet man jetzt schon mit einer gewissen Gleichgültigkeit. So bin ich guter Hoffnung, dass das alles besser werden wird und dass es eine Weiterentwicklung gibt."
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