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Verdammt zum Doppelleben
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Rainer Schäfer, Fußballmagazin "Rund"
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Schwule Fußballer sind verdammt zu einem Doppelleben. Viele sind verheiratet und verheimlichen ihre Homosexualität sogar vor der eigenen Ehefrau. Andere geben ihre kleinen Nichten stolz als eigene Töchter aus. Sie bringen zu Vereinsfeiern die eingeweihte beste Freundin mit oder hübsche Hostessen spielen zum Schein die Lebensgefährtin. "Wenn man ständig auf der Flucht ist, wenn man nie zugeben kann, wie man ist, wenn man seine ganze Umwelt, seine ganzen Freunde, seine Frau, die eigene Familie belügen muss, was ist das für ein Leben?", fragt Rainer Schäfer vom Fußballmagazin "Rund". Ein bekannter schwuler Bundesliga-Profi drängt häufig mit diversen Models ins Rampenlicht, gibt sich betont heterosexuell und spielt gekonnt den Frauen-Helden. Fußball gilt noch immer als Macho-Sport - reserviert für echte Kerle. Hier wird gefightet mit ganzem Körpereinsatz - bis aufs Blut. Fans, Trainer und Medien bedienen sich aggressiver Kriegsmetaphern. Homosexuelle stören hier oder werden zu Feindbildern.
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Tägliche Angst vor der Enttarnung
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Schwule Fußballer leben täglich mit der Angst, enttarnt zu werden. Für ein Outing werden hohe Summen geboten und Profis erpresst: Ihr Schwulsein bleibt geheim, solange sie Exklusives aus ihren Klubs liefern. Und in Deutschlands Fußballstadien gehört Schwulenhass für viele Fans genauso dazu wie Currywurst und Bier. "Fußball ist sicher das letzte Männerreservat", so Rainer Schäfer. "Da glauben viele Fans, aber auch Spieler, da kann man die Sau rauslassen, da kann man andere beschimpfen. Es scheint eine ungemein große Freude zu bereiten, jemanden als schwul zu bezeichnen."
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Tatjana Eggeling, Ethnologin
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Im Fußballverein als eingeschworene Schicksalsgemeinschaft zählen noch die alten männlichen Tugenden. Es ist eine Welt voll Schweiß, Blut und Disziplin. Während sich andere Gesellschaftsbereiche liberalisiert haben, herrscht beim Fußball noch der Muff der 1950er Jahre. "Im Grunde lernen alle Kinder und Jugendlichen von Klein auf in allen Sportvereinen, besonders aber im Fußball, dass Schwulsein Schwäche bedeutet", so die Ethnologin Tatjana Eggeling, "dass Schwulsein irgendetwas mit einer schlüpfrigen unakzeptierten Sexualität zu tun hat. Dass es etwas ist, was eher die anderen sein können, was man aber selber nie sein will." Dennoch ist im Frauen-Fußball sogar über die Hälfte der Spielerinnen homosexuell. Das ist intern auch bekannt. Es gilt aber die eiserne Regel: Für die Öffentlichkeit ist das Thema Tabu. "Nach außen soll der Frauenfußball genauso homofreie Zone bleiben wie der Männerfußball auch. Nach innen sieht es eben bisschen anders aus", sagt die Ethnologin. "Sie werden geduldet und eben nicht rausgeschmissen aus den Teams. Sie sollen es aber möglichst wenig an die große Glocke hängen." Und Rainer Schäfer weiß: "Das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Wer dagegen verstößt, muss mit Konsequenzen rechnen, damit, dass er nicht mehr für die Nationalmannschaft nominiert wird."
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In der Nationalelf gilt die Vorgabe: Ob hetereosexuell oder lesbisch, alle Spielerinnen sollen sich in der Öffentlichkeit betont feminin geben, die Realität lesbischer Stars soll so ausgeblendet werden. Ob Frau oder Mann - kein Profi ist bereit, vor die Kamera zu gehen, auch nicht anonymisiert. Der einzige Ex-Spieler, der sich das traut, ist Marcus Urban, eines der größten DDR-Fußballtalente. Er spielte mit heutigen Stars wie Bernd Schneider, seine sexuelle Identität musste er verleugnen. Es winkte der erste Profi-Vertrag, doch die Seelenqualen wurden zu groß und Urban dachte an Selbstmord. "Fußballer können nicht schwul sein, war für mich ein amtlicher Spruch", erinnert sich Urban. "Dieser Satz steht exemplarisch dafür, dass ich mich selbst verleugnet habe, meine Persönlichkeit, meine Intimität." Er sei so weit in eine Sackgasse gelaufen, "dass ich letzten Endes verzweifelt war, und auch dachte, da kann man das Ganze auch beenden". Marcus Urban stand kurz vor dem Abgrund - wie der Brite Justin Fashanu, der einzige Fußballprofi, der sich jemals weltweit geoutet hat. Als seine Verzweiflung zu groß wurde, erhängte sich das Ausnahmetalent in einer Garage.
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 "Männer wie wir"
Deutschland 2004
Regie: Sherry Hormann
Darsteller: Maximilian Brückner, Lisa Maria Potthoff, Dietmar Bär, u.a.
Verleih: Buena Vista |  |
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