Rap gegen Schwule
Auf Jamaika entladen sich Hass und Gewalt gegen Homosexuelle
Für Händchenhalten drohen in Jamaika bis zu 15 Jahre Haft  © dpa Montage
In Jamaikas Hauptstadt Kingston gehören Partys zum Alltag, aber auch die Gewalt. Durchschnittlich vier Menschen werden täglich auf der Insel umgebracht. Zu den Ursachen gehören unter anderem die Armut und soziale Ungleichheit. Die allseits spürbare Aggressivität sucht sich ihre Opfer, besonders häufig aber richtet sie sich gegen Homosexuelle. Für sexuelle Minderheiten kann die Insel zur Hölle werden.
Homosexualität ist auf Jamaika illegal. Bis zu 15 Jahre Haft drohen für einfaches Händchenhalten. Die Politik und die Kirchen behaupten, urchristliche Werte verteidigen zu wollen. Und die Anhänger der Rastafari-Religion sehen in der Homosexualität das Erbe des weißen Mannes, mit dem alles Böse auf die Insel gekommen sei. Dies gelte es auszumerzen. Politiker und auch Pastoren bestärken alte Vorurteile und schüren neuen Hass.
Das Publikum verlangt nach Anti-Schwulenliedern
Selbst die Musikindustrie macht dabei mit. Fast alle Musikstars Jamaikas haben seit einigen Jahren Anti-Schwulenlieder in ihrem Repertoire. So singt die Gruppe T.O.K.: "Siehst Du Homos in einem Homo-Auto, brennt sie nieder!" Und "Siehst Du Homos in einer Homo-Bar - fackelt sie ab!" In Europa dürfen die so genannten Hass-Songs nicht mehr aufgeführt werden, in Jamaika aber verlangt das Publikum danach. Also werden sie auch gesungen, meint der Musikpromoter Dennis Howard. Er sieht darin weniger ein moralisches, als ein Marktproblem.
Immer wieder ist es bisher auf Jamaika zu Mob- und Lynchszenen gekommen, in denen Homosexuelle öffentlich angegriffen oder sogar getötet wurden. Auch von der Polizei können sie meist nicht viel Hilfe erwarten. Im Gegenteil: Garreth, Leiter einer Schwulen- und Lesbenorganisation, der anonym bleiben will, erinnert sich an den Fall von Victor in Montego Bay. Dieser wurde vor zwei Jahren von der Polizei verhaftet, weil er schwul war und schließlich einem Mob ausgeliefert, der seine Herausgabe forderte. Victor sei durch die Straßen gejagt, verprügelt und wenig später erstochen worden, so Garreth.
"Homosexuelle sind leichte Opfer"
"Eine so gewaltbereite Gesellschaft wie Jamaika braucht Opfer", erklärt die Vertreterin von Amnesty International, Maria Carla Gullotta. "Und Homosexuelle sind leichte Opfer. Sie werden in die Illegalität gezwungen, sind rechtlos und ihnen wird jede Würde abgesprochen." Das einzige, was helfen könne, sei Druck von außen, ergänzt Garreth. "Uns hören sie hier einfach nicht zu. In Jamaika leben wir wie hinter Gittern."

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr


Robert Aldrich:
"Gleich und anders. Eine globale Geschichte der Homosexualität"
Murmann Verlag 2007
ISBN-13: 978-3938017814
36 €

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07.05.2007 / Kulturzeit / hs
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