Eine Kommission und Tausende von Knochen
Seit zehn Jahren rollt Südafrika die Verbrechen des Apartheid-Regimes auf
Die sterblichen Überreste von Opfern des Apartheid-Regimes werden ausgegraben
Es ist eine zutiefst traurige Arbeit, die Morongwa Mosothwane, Ermittlerin der National Prosecuting Authority im Auftrag der südafrikanischen Wahrheitsfindungskommission verrichtet. Sie untersucht Knochen. Sie prüft, ob es sich um sterbliche Überreste von Opfern des Apartheid-Regimes handelt. Vor zehn Jahren wurde die Kommission eingesetzt.
"Wir müssen herausfinden, ob die Knochen die richtige Altersgruppe haben, ob der Mensch in diesem Grab die von uns gesuchte Hautfarbe hatte", so schildert Mosothwane die Aufgaben. Friedhöfe werden ausgehoben, an vermeintlichen Tatorten wird gegraben, oft wird vergeblich gescharrt. Auf der Grundlage von Polizeiakten stellt Mosothwane Vergleiche mit den Leichenteilen an. Die mutmaßlichen Täter von damals leugnen bei den Verhören meistens ihre Taten - obwohl sie bei einem Geständnis amnestiert werden.
1996 macht sich Südafrika an die gewaltige Aufgabe, die Verbrechen aus der Zeit der Apartheid aufzuklären. Das Regime ist damals erst seit zwei Jahren entmachtet, Nelson Mandela zum Präsidenten gewählt worden. Die Wahrheits- und Versöhnungskommission gründet sich unter dem Vorsitz des Erzbischofs von Kapstadt, Desmond Tutu. Wahrheit und Versöhnung: In vielen Fällen konnte die Wahrheit ans Tageslicht gebracht werden - es ist ein Trost für die Hinterbliebenen der Opfer, endlich Gewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen und Freunde zu haben. Aber zur Versöhnung reicht dieser Trost oft nicht aus. Jeder gelöste Fall, jede identifizierte Leiche wirft einen weiteren Schatten über das Apartheid-Regime. Und mit den Knochen wird auch immer ein Stück schmerzliche Vergangenheit ausgebuddelt.

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr

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14.12.2006 / Kulturzeit / cs
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