Doppelt so alt wie die Hieroglyphen
In der Türkei wurden die wahrscheinlich ältesten Tempel ausgegraben
Die Pyramiden von Gizeh, Stonehenge oder auch Angkor Wat sind einzigartige Dokumente längst vergessener Zeiten und Zivilisationen. Nun sorgt ein weiterer Ausnahmefund für eine Sensation: In der Türkei wollen deutsche Archäologen Teile der wahrscheinlich ältesten, von Menschenhand erbauten Tempelanlage ausgegraben haben. Vor Jahren zufällig von einem Bauern entdeckte Steine entpuppen sich mehr und mehr als prähistorischer Schatz.
Der Leiter der Ausgrabung, der Archäologe Klaus Schmidt vom Deutschen Archäologischen Institut, ist sich sicher: "Hier kommt etwas völlig Neues aus der Erde", etwas, "was wir nicht kannten und so auch nicht erwartet hatten". Die Experten haben in den letzten Jahren Kalksteinpfeiler in kreisförmiger Anordnung freigelegt, dazu entdeckten sie Skulpturen aus der Steinzeit, die - so scheint es - mehr als 10.000 Jahre unter der Erde verborgen lagen. Und sie entdecken immer noch mehr: rätselhafte Figuren, Zeichen, Symbole, bei denen man nur erahnen könne, was genau sie bedeuten, wie Klaus Schmidt erklärt.
Längst ist nur ein Bruchteil der gesamten Anlage freigelegt. Doch schon drängt die türkische Stadt Urfa, in deren Nähe die Fundstätte liegt, auf ein zügigeres Arbeiten. Sie möchte den Grabungsort schnellstmöglich zum Touristenmagneten ausbauen und fleißig daran verdienen. Chefarchäologe Klaus Schmidt allerdings fürchtet mit derlei Aktionen um den Erhalt der Anlage. Er plädiert dafür, langfristig brückenartig ausgebaute Wege für Besucher zu schaffen, damit diese die Ausgrabungen nicht behindern oder gar zerstören. Doch Geduld ist nicht die Stärke der türkischen Gemeinde. Wahrscheinlich ist es besser, ihnen zu verschweigen, dass oftmals Ausgrabungen mehrere Jahrzehnte dauern können.

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr

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06.12.2006 / Kulturzeit / se
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