Verblühende Rosen
DVD-Diary: Chen Kaiges "Verführerischer Mond"
© Kinowelt
Mit "Lebewohl meine Konkubine" gelang Chen Kaige 1993 ein Überraschungserfolg auf den Filmfestspielen in Cannes. Bevor Chen Kaiges neuer Film "Wuji - The Promise" auf der Berlinale zu sehen sein wird, ist jetzt "Verführerischer Mond" von 1996 auf DVD erschienen. Darin erzählt der chinesiche Star-Regisseur vom Verfall einer mächtigen Familie im Schanghai der 20er Jahre. Achim Podak hat sich die DVD angesehen. Eine Kolumne:
Rosen erzählen immer eine Geschichte. Die einfachste und anrührendste ist für mich die von ihrem Verblühen. Wie die Rosen erzählt auch "Verführerischer Mond" vom Blühen und Verblühen, von ewigem Wandel. Die junge Ruyi ist das neue Oberhaupt einer traditionsreichen Familie, die auf dem Land lebt. Zhongliang hat den Clan verlassen und lebt in Shanghai. Es sind die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts.
Chinas melancholischster Schauspieler
Zhongliang wird von Leslie Cheung gespielt. Für mich war Cheung, der sich vor etwa drei Jahren das Leben nahm, der eleganteste, melancholischste Schauspieler Chinas. In diesem Film spielt er einen Frauenvernascher und Kleingangster. Er erpresst reiche, ältere Damen, um sich so im Verbrechersyndikat hochzuarbeiten.
Wie Monde, so verführerisch leuchten die Lampions in den Straßen Shanghais. Dorthin ist Ruyi, das Landei, von Zhongliang gelockt worden. Ihr Diener erahnt die gefährliche Verlockung. "Verführerischer Mond" mag und merke ich mir wegen seiner wunderbar gestalteten Bildunschärfen. Gedreht hat sie Christopher Doyle, der Hauskameramann von Wong Kar-Wai.
Überschaubares Bonusmaterial
Das Bonusmaterial ist überschaubar. Liebenswert sind die Albereien im Making-of. Leider gibt es kein Interview mit Kameramann Chris Doyle. Das hätte ich mir gewünscht. Aber immerhin Statements von Regisseur Chen Kaige, der mit "Lebewohl meine Konkubine" berühmt wurde: "Lebewohl meine Konkubine handelt davon wie die Gesellschaft die Gefühlswelt eines Mannes prägt. 'Verführerischer Mond' nun will die emotionale Verfassung des männlichen Hauptcharakters von innen ausleuchten. Es geht hier mehr um Intuition, um Instinkte, weniger um die Vernunft als lenkende Kraft", sagt der Regisseur. Hauptdarstellerin Gong Li meint: "In 'Lebewohl meine Konkubine' waren Leslie und ich eher Feinde. Wir kämpften um den gleichen Mann. In 'Verführerischer Mond' hingegen sind wir in unseren Gefühlen für einander gefangen."
Wunderbare Bilder
Aus Zhongliangs Erpressungsversuch wird nichts. Die Gefühle! Liebesszenen finde ich im Kino leider oft einfallslos fotografiert. Nicht so, wenn Chris Doyle durch die Kamera schaut. Er schenkt den Zweien einen wirbelnden Pas-de-deux. Liebende drehen sich umeinander.
Er liebt sie. Doch um sie vor der Erpressung zu schützen, wird er es ihr nicht sagen. Dann folgt die Choreografie eines Abschieds. Ganz einfach, aber ich mag die Szene sehr: Ruyi schaut ihn an, wird links aus dem Bild gehen, um ihn herum, und in der Unschärfe verschwinden. Dorthin, wo keiner ihre Tränen sehen kann. "Verführerischer Mond" ist ein Film des bedeutenden Regisseurs Chen Kaige. Ich aber empfehle ihn wegen der Bilder des brillanten Christopher Doyle: Rosen für diesen Kameramann.

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr


"Verführerischer Mond"
China 1996
Regie: Chen Kaige
Darsteller: Leslie Cheung, Gong Li, u.a.
Kinowelt (Arthouse) 2005



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31.01.2006 / Achim Podak für Kulturzeit / hs
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