Wie steht es um die Bildung?
Bildungsbarometer - Teil 2
Zur Zeit geht nichts mehr ohne die Mathematik. Wer als Kind eine Rechenmaschine in der Hand gehabt hat, könnte fast nostalgisch werden. Die Welt, die es zu erlernen galt, war zwischen Kugeln berechenbar und bunt gefügt. Das Schulgeld, das man hinlegen musste, blieb im Rahmen. Doch die Zeiten ändern sich. Vor dem Studium muss der Bildungshungrige Grundkenntnisse der Versicherungsmathematik erwerben, damit er weiß, was er später zurückzahlen muss. Der Taschenrechner wird Ausdruck der sozialen Frage im Bildungswesen.
Wir machen den Weg frei, sagte das Bundesverfassungsgericht vor einigen Wochen. Wie zögerlich viele aber der käuflichen Freiheit gegenüberstehen, zeigen unsere Umfragen.
Benachteiligen Studiengebühren ärmere Studierende?
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Benachteiligen die Studiengebühren Studierende aus finanziell schlechter gestellten Familien? Lediglich 20 Prozent der Befragten sehen keinen Vorteil für die Bessergestellten. Die Kluft zwischen der cabriofahrenden Jurastudentin und dem Pädagogikstudenten auf dem Klapprad scheint zu wachsen. Die Angst, leer auszugehen, nimmt zu.
Kommen Studiengebühren der Hochschule wirklich zugute?
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Studiengebühren kommen nicht der Hochschule zugute, sondern stopfen Haushaltslöcher. Das glauben 87 Prozent. 13 Prozent fürchten das nicht. Skepsis macht sich breit. Kann der Staat sozial sein? Das ist ein Trugbild von gestern, so scheint es. Und wie schon unser letztes Bildungsbarometer gezeigt hat, macht die Mehrheit der Befragten die Politiker verantwortlich für die Bildungsmisere. Als Lösung wird "der Wettbewerb" verkauft, auch unter den Schulfächern. Wenn Lesen, Schreiben und Rechnen mehr Platz im Unterricht bekommen sollen, muss in anderen Fächern gestrichen werden.
Welche Schulfächer sollten gekürzt werden?
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Fast die Hälfte aller Befragten hält Religion für überflüssig. Jeweils 15 Prozent würden Ethik und Philosophie oder den Kunstunterricht weglassen. Auf Musik könnten zehn Prozent verzichten, sieben Prozent auf Sport. Abgesehen von den unsportlichen Schlagzeilen im Fußball scheint Sport in der Schule nicht unbedingt ein Dauerbrenner zu sein. Wie fit jemand ist, sollte er mit dem Kopf beweisen. Und die Philosophie, die Königin der Wissenschaften, betreibt man am besten, wenn es auf eine Firmenphilosophie hinausläuft. Seit Dezember wissen wir, dass Deutschland bei der zweiten Pisa-Studie im Mittelfeld lag. Heiße Diskussionen folgten.
Sollte die Hauptschule abgeschafft werden?
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66 Prozent der Befragten sind gegen die Abschaffung der Hauptschule. Sinn und Zweck von Pisa ist für viele, ob Deutschland international mithalten kann. Andere sehen genau darin das Problem: Pisa gehorche allein der Logik des Arbeitsmarktes. Was uns als Menschen bildet, interessiere nicht mehr.
Sollte der Unterrichtserfolg regelmäßig überprüft werden?
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88 Prozent befürworten eine Überprüfung des Erfolges im Unterricht von neutraler Stelle. Der Rest, also zwölf Prozent, findet das nicht notwendig. Unsere Ergebnisse hat das Zentrum für empirische pädagogische Forschung der Universität Koblenz-Landau zusammengestellt. Über das Internet wurden 1051 Personen repräsentativ befragt.


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24.02.2005 / Klaus Geßner (Kulturzeit) / nt
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