Chronist Somalias - Nuruddin Farah
"Kulturzeit extra" zum 3sat-Thementag "Echt Afrika"
Nuruddin Farah  © dpa
Somalia befindet sich seit 17 Jahren im Bürgerkrieg, aufgerieben von Diktatur, Islamismus und einer Regierung, die keinen Frieden schafft. Heimgesucht wird das Land von Dürrekatastrophen und Hungersnöten. Wegen seiner strategisch wichtigen Position in Afrika gerät Somalia zum Spielball internationaler Interessen.
Doch Somalia hat eine Stimme gefunden, eine literarische: die des Schriftstellers und Chronisten Somalias, Nuruddin Farah. Seine üppige, bildreiche Sprache erinnert daran, dass Somalia zur Zeit der Nomaden einst eine reiche Tradition des Erzählens hatte. Heute schreibt Farah im Exil in Südafrika, doch noch immer immer geht es ihm um seine Heimat Somalia.
Harsche Absage an den Westen
In seinen Romanen skizziert er politische Alternativen, Beispiele einer selbsbewussten, somalischen Identität, manchmal dicht an der Utopie, doch immer gespeist aus der eigenen Kulturgeschichte - und oft getragen von starken Frauen, zum Beispiel von Duniya, Heldin im Roman "Duniyas Gaben". Duniya ist eine Krankenschwester, die viel Hilfe leistet, doch selbst kaum je Hilfe annimmt - eine Parabel auf ein starkes Somalia, das keine internationale Hilfe braucht und sich aus eigener Kraft befreit. "Die westliche Unterstützung hilft nicht", sagt ein Journalist im Roman, "sie rettet die Hungernden nur, weil sie sie morgen als Käufer für ihren Weizen haben will." Diese harsche Absage an den Westen geht manchen Kritikern zu weit.
Kalaman, ein moderner Geschäftsmann aus Mogadischu, ist die Hauptfigur des Romans "Geheminisse" - auch er ist eine Symbolfigur. Der global vernetzte Computerspezialist steckt in einer Lebenskrise, arbeitet hart an seiner Zukunft, doch wie diese aussehen soll, weiß er nicht. Darin gleicht er dem Schicksal seines Landes: Kalaman steht an der Schwelle zwischen dem alten und dem neuen Afrika, doch er findet keine eigene Perspektive. Das Dilemma der Nation, so vermitteln es viele Romane Farahs, ist auch das Dilemma des Einzelnen. Somalia kann seine Ohnmacht nur bezwingen, wenn auch die Armen Afrikas den Mut haben, selbst Einfluss auf das eigene Schicksal zu nehmen. Doch das scheint manchmal leichter geschrieben als getan.
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"Kulturzeit extra: Afrika"
Donnerstag, 22.05.2008, um 19.20 Uhr



"Echt Afrika" - 3sat-Thementag am Donnerstag, 22. Mai 2008


Das Kulturzeit-Gespräch mit dem Schriftsteller Nuruddin Farah (22.05.2008)


Nuruddin Farah
"Duniyas Gaben" Suhrkamp 2001
ISBN-13: 978-3518412862
10,95 €

Nuruddin Farah
"Geheimnisse"
Suhrkamp 2001
ISBN-13: 978-3518397756
10,99 €

22.05.2008 / Jochen Werner (Kulturzeit ) / lj
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