Damien Hirst
"Kulturzeit"-Reihe: Meisterwerke zeitgenössischer Kunst - Teil 14
Hirsts Hai  © reuters
"Die physische Unmöglichkeit des Todes in der Vorstellung eines Lebenden" - Damien Hirst gibt seinem "Hai" diesen Titel. Es ist ein Hai - unbestreitbar, ja. Diese Ansammlung von Körperzellen und geronnenem Eiweiß, ausgestellt im Metropolitan Museum in New York, hat einmal gelebt. Gefressen, gejagt und getötet.
Hirst legt das Tier in eine Flüssigkeit, die in es eindringt und ihm gleichzeitig die Gnade der Vergänglichkeit verwehrt. Für alle sichtbar, schwimmt, besser hängt, Hirsts trauriger Hai in einem gläsernen Gefängnis. Er starrt uns an - einsam, von der Welt verlassen, die auf ihn blickt mit Neugier und Angst.
Ein Hai schwimmt in Wasser, seinem Lebenselement, das ihm Sauerstoff und Nahrung schenkt. In dem er sich souverän bewegt, schnell unberechenbar - eben physisch todbringend - auch für den Menschen. Hirsts Hai wurde zum Icon der "Young British Art", ihr Schlagwort: "Sensation". Hirsts Lieblingssujet sind eingelegte Tiere. Sein Hai ist eine "Tötungsmaschine", ertränkt in tausenden von Litern Formalin, das bläulich unterkühlt schimmert - den Blick bricht, wie ein Filter zwischen uns und dem Tod, den wir nicht begreifen.
Hirst zeigt uns die reine Materialhaftigkeit eines Leibhaftigen, ein "Präparat", das in seiner Unvergänglichkeit aufs Vergängliche weist, jenseits der Hoffnung. Das Werk spielt mit Angstlust und Voyeurismus. Ein solcher Hai kann uns nicht mehr gefährlich werden – oder? Will er uns fressen? Schreit er uns an, oder ruft er gar um Hilfe? Hirst erzählt uns vom Leben - unserem eigenen. Ohne Worte - das ist Kunst.
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Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr



Reihe: "Meisterwerke zeitgenössischer Kunst"
14-täglich,
jeweils mittwochs, 19.20 Uhr



Was ist Kunst?

23.04.2008 / Peter Schiering (Kulturzeit) / jh
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