Die Wüstenwächter
Al Dschasiras Blick auf die Welt - ein "Kulturzeit extra"
© ap
"Al Dschasira hat den Vorteil, ein Sender nach westlicher Art in der muslimischen Welt zu sein. Deshalb werden wir auf beiden Seiten respektiert." Respektiert, aber auch gefürchtet, möchte man den Worten von Ibrahim Helal, Direktor von Al Dschasira english, hinzufügen. Denn kein Sender polarisiert derart wie der in Katar ansässige Nachrichtensender.
Übersetzt heißt Al Dschasira "Die Insel". Gemeint ist damit die Arabische Halbinsel. Und tatsächlich erschien der Sender vor elf Jahren als Insel in der arabischen Medienwelt und schuf eine neue Medienrealität. Der Vorreiter der arabischen Pressefreiheit brach viele Tabus, so zeigte er etwa ein Interview mit dem israelischen Ministerpräsidenten. Der Sender provozierte in der arabischen Welt mit professioneller, offener und staatsferner Berichterstattung. Gleichzeitig gilt Al Dschasira vielen als Sprachrohr von El Kaida. Immer wieder sorgte der Sender mit Videos von Osama bin Laden und Videos von islamistischen Aufständischen in verschiedenen Ländern für heftige Diskussionen. Das brachte ihm den Beinamen "Dschihad TV" ein.
Doch trotz aller Kritik: Al Dschasira ist zu einflussreich, um ignoriert zu werden. Amerikanische Politiker von Rumsfeld bis Rice haben Al Dschasira Interviews gegeben. Gerhard Schröder ging im Fall Osthoff vor die Kameras von Al Dschasira, um an die Entführer zu appellieren. Täglich erreicht der Sender schätzungsweise 30 Millionen Zuschauer. Ein weltweites Korrespondentennetz sorgt für aktuelle Berichterstattung aus den meisten Ländern der Erde. Mit Al Dschasira english ist seit über einem Jahr ein englischsprachiges Konkurrenzprogramm zu CNN und BBC World auf dem Markt. "Kulturzeit extra: Die Wüstenwächter - Al Dschasiras Blick auf die Welt" fragt: Wofür steht dieser Sender? Woher kommen die Informationen? Wie entstehen Nachrichten und welches Selbstverständnis haben die Journalisten von Al Dschasira? Maren Beuscher hat für ihre Reportage Journalisten und Verantwortliche von Al Dschasira bei der Arbeit begleitet.
Teil 1: Der Emir zahlt alles
Bomben fallen auf Al Dschasira Bagdad. "Al Dschasira ist jetzt meine Heimat", sagt Kameramann Laith A. Mushtaq. "Ich habe meine Heimat und mein Haus in Bagdad verloren." Auch seinen Kamera-Assistenten verlor er im Kugelhagel
Teil 2: Des Terrors verdächtigt
Wieder ist ein neues Tonband des El Kaida-Chefs in den Nachrichten - exklusiv bei Al Dschasira? Das will man so deutlich nicht sagen, schließlich verzichtet der Sender auf die Einblendung "exklusiv". Ist Al Dschasira etwa terrorverdächtig?
Teil 3: Die Macht des Bildes
Die Macht der Bilder kennt man auch bei Al Dschasira, lange Zeit im Irak-Krieg der einzige Sender, dessen Journalisten nicht bei den US-Amerikanern "embedded" waren, der überall hin ging, auch zu den Opfern
Teil 4: Die Macht des Wortes
Nachrichten-Konferenz bei Al Dschasira. Wie geht man weiter mit dem Thema "Ceuta" um? In einer Stunde ist die nächste Sendung. Bei allen Berichten spielt die Wortwahl eine immense Rolle - man will niemanden schocken
Teil 5: Meinung und Gegenmeinung
Al Dschasira hat Diskussionen, Redefreiheit und Kritik eingeführt in der arabischen Welt. Dafür stehen viele Al Dschasira-Journalisten in Ländern außerhalb Katars auf schwarzen Listen

"Kulturzeit extra:
Die Wüstenwächter - Al Dschasiras Blick auf die Welt "
Sonntag, 06.01.2008,
um 19.10 Uhr

Wiederholung:
Mittwoch, 08.04.2008,
um 0.35 Uhr im ZDF


Die komplette Dokumentation in der ZDF-Mediathek



3sat Thementag:
Unverschleiert. Die Arabische Halbinsel

Januar 2008 / Kulturzeit
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