Isa Genzken
"Kulturzeit"-Reihe: Meisterwerke zeitgenössischer Kunst - Teil 3
Ihr Material ist Spielzeug, künstliche Blumen, Spiegelfolie aus dem Baumarkt. Daneben auch Dinge, die uns eigentlich wertvoll erscheinen: Vasen aus Kristall, Gläser, Kleidungsstücke. Echtes Brot und Austernschalen. Alles ist mit Farbe versehen. Isa Genzkens Welt ist ein Reich aus Resten - zusammengehalten von Sekundenkleber. Nichts ist hier für die Ewigkeit gemacht. Nichts ist es mit der Unsterblichkeit.
Ihr Werk "Empire/Vampire" entstand unter dem Eindruck des Attentats auf das World Trade Center. Isa Genzken war damals in New York. Biografische Bezüge sind in ihren Arbeiten schwer auszumachen. Sie kommt vom Minimalismus. Sie liebt New York. Hochhäuser haben es ihr angetan. "New York" heißt auch eine Fotoserie von 1998. Das Markenzeichen ihrer Arbeiten war lange die Auseinandersetzung mit der Architektur und den Utopien der Moderne. Seit 9/11 nimmt Genzkens Werk eine ganz neue Richtung: weg vom Minimalismus, hin zur situativen Materialschlacht. Der Titel "Empire/Vampire" ist auch eine Anspielung auf New York, auf das Empire State Building und seinen Bruder, den abgefahrenen "Vampir", der nur kurze Zeit das höchste Gebäude der Welt sein durfte: das Chrysler-Building.
"Empire/Vampire" erzählt auch vom Streben nach Größe und Entgrenzung. Wie Filmsets sehen die Objekte aus. Das Camperglück mit Dornenkrone. Panzerkette und ein eiskaltes Händchen stören die Idylle im Samenkreis. Splatter-Movies lassen grüßen. Der ewige Kampf ums gleiche Areal: Krieger verschiedener Epochen ziehen mordend durch die Kindergummistiefelwelt.
Isa Genzkens Arbeit nimmt Bezug auf das Lebensgefühl des Barock: Werden und Vergehen. Beliebte Symbole der Vanitas-Bilder waren damals Samen, Austern, Seifenblasen. Vergeblich und eitel sei das menschliche Tun angesichts des Todes, so ein Grundgedanke der Zeit. Heute wie damals werden Fragen aufgeworfen. Ewige Fragen. Auf Latein: Wer kann dem Tod entkommen? Oder zeitgenössisch: "Who kills death?" Isa Genzkens Endzeit-Ensemble kommt ohne Totenköpfe aus. Ihre Science-Fiction-Welt gibt der Bildhauerei eine ganz neue Richtung. Ihr geht es längst nicht mehr um handwerkliches Geschick. Trotzdem schafft sie Bilder von großer Schönheit. Isa Genzken entgrenzt den Begriff der Skulptur. "Empire/Vampire“ ist ein zeitgemäßes "Memento Mori" - außerordentlich für die Kunst von heute.
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Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr



"Meisterwerke zeitgenössischer Kunst"
zehn Folgen, 14-täglich,
jeweils mittwochs, 19.20 Uhr

26.09.2007: Andreas Slominski
10.10.2007: Luc Tuymans
25.10.2007: Isa Genzken

23.10.2007 / Frank Eggers für Kulturzeit / se
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