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Mehrere tausend Menschen gerettet
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DDR-Fluchtlaster, der 1988 durch die Sperranlagen gefahren war © ap
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In Stasi-Filmen legen die DDR-Volkspolizisten "Menschenschmugglern" das Handwerk. Doch mehrere tausend Menschen, Schätzungen gehen von weit mehr als 3000 aus, verdanken Fluchthelfern ihre Freiheit im Westen. Genaue Zahlen gibt es bis heute nicht, die Dunkelziffer ist hoch. Peter Bratz entschloss sich 1971, sich den Fluchthelfern anzuvertrauen. "Ich wollte immer flüchten", bekennt er, allerdings "ohne das Risiko einzugehen, erschossen zu werden. Deshalb haben wir versucht, einen Weg zu finden, wo man zwar mit einer Festnahme rechnen musste, aber doch mit dem Leben davon kommen konnte".
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Fluchthelfer als nationale Befreier der DDR?
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Egon Bahr, Ost- und Sicherheitsexperte der SPD, hält diese These der "nationalen Befreiung" für etwas überspitzt. "Es sei denn, man sagt, eine national eingestellte Gruppe von Menschen zur Befreiung von Landsleuten aus einem anderen Staat. Dann ja. Die Entwicklungen, die zum Ende der DDR geführt haben, waren viel größer. Da spielte das Thema Fluchthilfe überhaupt keine Rolle mehr. Das war schon fast vergessen." Bahr war in den 70er Jahren Hauptverantwortlicher für die Verhandlungen mit dem Osten und sieht die Sache grundsätzlich differenzierter. Aber eines steht auch für ihn fest. Die Befreiung war eine Selbstbefreiung. Auch für die Fluchthelfer. Mit über 50 Tunnelbauten setzten in Westberlin lebende idealistische Studenten und Angehörige von DDR-Bürgern nach dem 13. August 1961 ein klares Zeichen des Widerstands - genauso mit waghalsigen PKW-Transporten.
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Marion Detjen weiß, "Teile dieser Gruppen haben dann professionalisiert weiter gemacht". Sie glaubt inzwischen, "man muss sich das vorstellen wie einen Rausch. Die haben Leuten geholfen, die haben gesehen, da kann man etwas tun und sind süchtig geworden nach dieser Aktivität". Schon bald aber, so zeigen auch die Recherchen Detjens, machten sich kommerzielle Kreise in der Fluchthilfe breit. Und diese bringen die Fluchthilfe in Misskredit. Zum Beispiel der Schweizer Hans Lenzlinger, der wohl mehr um die eigene Sicherheit als um die der Flüchtlinge besorgt war, und an dem Unternehmen Fluchthilfe viel Geld verdiente. Zur Zersetzung des immer labiler werdenden Milieus der Fluchthelfer leistete das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) auch seinen Beitrag. Den Westberliner Bordellbetreiber Ulrich Dittmann, durch kriminelle Geschäfte schon oft in den Schlagzeilen, benutzten sie als Lockvogel und Spitzel.
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Schauprozesse und versuchte Liquidation
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"Das MfS hat einerseits versucht, die Fluchthilfegruppen im Westen mit Spitzeln zu durchsetzen, zum anderen die untergeordneten Kuriere und Schleuser, die in der DDR verhaftet werden konnten, in großen Schauprozessen so abzuurteilen, dass es eine abschreckende Wirkung hatte, aber auch die westliche Meinungsöffentlichkeit aufbringen konnte gegen die kommerzielle Fluchthilfe", weiß Detjen. Die Schauprozesse, im DDR-Fernsehen übertragen, sollten abschrecken. Und die Stasi ging noch weiter. Ab den 70ern versuchte sie, bekannte Fluchthelfer zu liquidieren. So überlebte 1981 Wolfgang Welsch nur knapp einen Giftanschlag.
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 Marion Detjen
"Ein Loch in der Mauer"
Siedler 2005
ISBN: 3886808343
24,90 €
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