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Kirsten Heisig war Jugendrichterin in Neukölln. Ihr Erfahrungsbericht ist posthum erschienen.
Bitterer Erfahrungsbericht
Kirsten Heisigs "Das Ende der Geduld"
Jugendgewalt in Deutschland: Dagegen hat die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig jahrelang gekämpft. Drei Wochen nach ihrem überraschenden Freitod erscheint jetzt ihr Buch "Das Ende der Geduld" - ein Erfahrungsbericht und ein Plädoyer für neue Maßnahmen gegen Gewalt und für Prävention.
Kirsten Heisigs Ideen sind ganz konkret: "Kinderschutz muss wichtiger sein als Datenschutz", schreibt sie. Das heißt, Polizei und Schule sollten ihre Daten über kriminelle Jugendliche austauschen dürfen. Das wäre ein wichtiger Schritt, um frühzeitig eingreifen zu können. Viele der Jugendlichen haben Migrationshintergrund. Für Kirsten Heisig gehören Kriminalitätsbekämpfung und Integrationsarbeit zusammen. Wichtig ist ihr auch, die Eltern mit einzubinden.

Frühwarnsystem soll vorbeugen
Ein Frühwarnsystem müsse her, schreibt Heisig. Ihr Vorschlag sind Punkte für bestimmte Warnzeichen. Ab einer bestimmten Punktzahl schaltet das System wie bei einer Ampel von grün auf gelb. Maßnahmen folgen für eine festgelegte Zeit. Nur ein Helfer ist für eine Familie zuständig. Werden die Angebote nicht umgesetzt, schaltet die Ampel auf rot. Es folgt Bestrafung durch die Justiz. "Sie hat immer gesagt, die Justiz hat auch den Auftrag eines steuernden, vorbeugenden Handelns", sagt Heinz Buschkowsky, Bezirksbürgermeister von Neukölln.

Dazu trägt auch das "Neuköllner Modell" bei, das Kirsten Heisig entwickelt hat: Seit 2008 stehen jugendliche Straftäter aus erzieherischen Gründen schon nach höchstens fünf Wochen vor Gericht, nicht erst ein Jahr später. Zusammenarbeit und Bildung statt schärferer Gesetze: Das sind die Forderungen von Kirsten Heisig. Sie fordert: Deutschlernen als Pflicht, Elternabende zusammen mit Migrantenorganisationen, Kinderbücher zum Vorlesen für Migrantenfamilien in ihrer eigenen Sprache, und endlich die Möglichkeit, den Eltern Bußgelder aufzuerlegen, wenn ihre Kinder nicht in die Schule gehen. Nach Erscheinen dieses Buches müssen sich viele Beteiligte bei Justiz, Behörden und Polizei fragen, warum nicht längst einige der Vorschläge von Kirsten Heisig umgesetzt wurden.

Sondersendung
"Kulturzeit kompakt"
vom 12.07. bis zum 13.08.2010
montags bis freitags, um 19.20 Uhr

Wiederholungen:
um 22.15 Uhr im ZDFtheaterkanal
um 09.35 Uhr auf 3sat
Buchtipp
© HerderLupeKirsten Heisig
"Das Ende der Geduld: Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter"
Herder 2010
ISBN-13: 978-3451302046