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Hellwach und immer noch kritisch: der Tausendsassa Georg Kreisler
Lieder vom Leben
Georg Kreislers Autobiografie
Georg Kreisler ist ein Künstler der alten Garde. Auch in hohem Alter scheint er unermüdlich, schreibt, komponiert, steht auf der Bühne und bleibt gerade deshalb wach, kritisch und präsent. Jetzt hat er seine Autobiografie "Letzte Lieder" veröffentlicht. Darin legt aber nicht seine Lebensgeschichte, "sondern eher meine Gedanken, meine Kunstphilosophie, meine Wünsche und Träume" dar.
Der gebürtige Wiener Georg Kreisler emigrierte nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1938 mit den Eltern in die USA. Schon damals wusste er, dass die Musik sein Leben bestimmen sollte und studierte Dirigieren. Nach Kriegsende war er in Hollywood beschäftigt, wo er unter anderem für Charlie Chaplin als musikalischer Berater arbeitete. Mit seinem Sarkasmus und seinem "unmoralischen" schwarzem Humor, der für Kreislers spätere Karriere charakteristisch werden sollte, stieß er bei den Amerikanern jedoch auf wenig Gegenliebe. Aus dieser Zeit stammende, nicht veröffentlichte Tonaufnahmen, wie beispielsweise der Song "Please Shoot Your Husband" von 1947 waren zu unmoralisch für das prüde Amerika. "Die Welt ist für mich ein Pulverfass, das zum Ziel hat, mich zu explodieren", sagte er einmal.

"Taubenvergiften im Park"
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Szene aus Kreislers Oper "Das Aquarium oder die Stimme der Vernunft"
Zur Kultfigur des deutschsprachigen Musik-Kabaretts avancierte er mit der schwungvollen Moritat vom "Taubenvergiften im Park" (1955), die ihm einen Plagiatsvorwurf einbrachte. Mit der allgemeinen Politisierung der Gesellschaft Ende der 1960er Jahre mischten sich zum zynisch-provokanten Humor der Kreisler-Texte auch politisch-progressive Inhalte, wie zum Beispiel in seinem Programm "Protest nach Noten" (1968). Obwohl Kreisler nach Kritikermeinung einer der besten, tiefsinnigsten und vielseitigsten deutschsprachigen Kabarettisten blieb, wurde ihm der große Erfolg oft verwehrt. Man nahm ihm den festen Sendeplatz im Fernsehen, den er seit 1968 mit seiner Kabarett-Serie "Die heiße Viertelstunde" besetzte, und spielte ihn in Radioprogrammen nur selten.

Vielseitigkeit bewies Kreisler, der Zeit seines Lebens von einem eigenen Theater träumte, nicht nur als Kabarettist, sondern auch als Autor fürs Musiktheater und gelegentlich als Dirigent. Neben der Bearbeitung mehrerer Stücke verschiedener Autoren schrieb er Komödien, Lustspiele und Operetten und stand bei verschiedenen Festspielen am Pult. Im November 2009 wurde am Volkstheater Rostock seine zweite Oper "Das Aquarium oder die Stimme der Vernunft" uraufgeführt.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Buchtipp
© ArcheLupeGeorg Kreisler
"Letzte Lieder"
Arche Literatur 2009
ISBN-13: 978-3-7160-2613-7
Buchtipp
Hans-Juergen Fink, Michael Seufert
"Georg Kreisler gibt es gar nicht.Die Biografie"
Scherz 2009
ISBN-13: 978-3-596-16893-4
Oper
"Das Aquarium oder die Stimme der Vernunft"
Volkstheater Rostock 08.und 28.01.2010
15.12.2009 / Kulturzeit mit Material von Munzinger / tm