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"Den heute Jungen wird ein schweres Erbe hinterlassen", sagt Gründinger
Der Generationen-Krieger
Wolfgang Gründinger Buch "Aufstand der Jungen"
In der Rentnerrepublik Deutschland finden die Jungen nur noch wenig Gehör. Wolfgang Gründinger warnt in seinem Buch "Aufstand der Jungen" vor der Arroganz der Alten.
Stell dir vor, wir leben in einer vergreisten Republik. So lautet die Prognose schon heute. 2050 wird ein Drittel der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein. Wer nach 2000 geboren ist, bekommt 25 Prozent weniger Rente als ein Rentner heute. Wer heute 30 Jahre alt ist, zahlt 100.000 Euro mehr in die Sozialkassen, als er je zurückbekommt. Die Jungen müssen jetzt um ihren Teil vom Kuchen kämpfen. Schluss mit der Benachteiligung, das fordert Wolfgang Gründinger, 25 Jahre alt und selbsternannter Generationensprecher. "Aufstand der Jungen" heißt sein Buch. Es geht um das Damoklesschwert des "Generationenkrieges" - und darum, wer was und wieviel kriegt.

Jedes Alter kämpft für sich
"Auf gesellschaftlicher Ebene spitzen sich die Verteilungskonflikte zu", so Gründinger, "weil knappe Ressourcen immer nur einmal verteilt werden können. Und wenn ich beispielsweise zehn Millionen Euro übrig habe, dann ist es die Frage, an wen das Geld geht. Wird es für außerplanmäßige Rentenerhöhungen verwendet oder wird es verwendet, um in Bildung oder den Umweltschutz zu investieren?" Das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen - die ideelle Grundlage des Generationenvertrags - ist ins Wanken geraten. Jedes Lebensalter kämpft heute für sich allein.

Auch deshalb habe sich der Generationenkonflikt verschärft, sagt der Politologe Herfried Münkler. "Der Konflikt hat andere Dimensionen gewonnen als in jenen Zeiten, in denen die Mehrgenerationenfamilie eine soziale und emotionale Brücke zwischen den Generationen war, eine Ausgleichsfunktion hatte, und es auch eine wichtige Position der Alten innerhalb des Gesamtverbandes gab. Wenn es wirklich ein Konflikt ist und nicht nur eine Zuschreibung von Interessen, dann ist es ein postmoderner Konflikt, der damit zu tun hat, dass die sozialen Legaturen der Gesellschaft zunehmend zerfallen sind." Die Familie, die Verbindung zwischen Jung und Alt, löst sich auf. Der Verteilungskonflikt wird in der Politik ausgetragen.

"Ein Recht auf Zukunft"
Deshalb hat Gründinger einen offenen Brief an Angela Merkel geschrieben. "Warum geben Sie den Generationenvertrag auf", heißt es darin. Und: "Die Jungen haben ein Recht auf Zukunft." Öffentliche Aufmerksamkeit ist ihm damit gewiss. Auf eine Antwort aus dem Kanzleramt wartet Gründinger bis heute. "Die Politik ist jugendverdrossen", sagt er. "Die lässt uns einfach links liegen. Und deshalb wissen wir auch nichts damit anzufangen. Wir sind ohnmächtig und resigniert. Meine Mitbewohnerin hat gestern zu mir gesagt: 'Ich gehe zwar wählen, aber gegen die ganzen Rentner komme ich doch sowieso nicht an.'" Jugend ohne Stimme - wählen darf man erst ab 18 Jahren. Die Kinder und Kindeskinder können ohnehin noch nicht mitreden.

In der aktuellen Politik heißt es: Rentengarantie statt Schuldenstopp. Die Zukunft wird ein Opfer des Zeitgeistes. Nachhaltigkeit hält da oft nur noch als Überschrift von Sonntagsreden her. Für die heute Jungen hat das dramatische Folgen. "Den heute Jungen wird ein schweres Erbe hinterlassen", sagt Gründinger. "Kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt, keine Aussicht mehr auf eine sichere Rente, ein geplünderter Planet - während die heute Verantwortlichen schon längst aus dem Amt sind." Und Herfried Münkler sagt: "Je mehr in der Politik von Nachhaltigkeit die Rede ist, desto weniger wird Nachhaltigkeit praktiziert, desto mehr wird die Gegenwart ausgedehnt und plündert gewissermaßen die Zukunft aus."

Noch feiern die Mitglieder einer langsam enteigneten Generation ausgelassen. Doch kurzsichtige Politik hat immer auch langfristige Folgen. Irgendwann könnten die Jungen dem Sozialstaat der Alten die Grundlage entziehen. "Wenn diese jüngere Generation hinschmeißt, weil die Belastungen zu groß sind, wenn sie sich gleichsam aus dem gesellschaftlichen Prozess der Reproduktion herausstehlen, dann bricht auch das schöne Leben der Älteren zusammen", so Münkler. "Du kannst nicht immer 17 sein." Das ist eine simple Wahrheit im Berliner Karaokespaß und auch eine Grundfeste der Generationengerechtigkeit. Schließlich waren die Alten auch mal jung - und die Jungen werden irgendwann alt sein.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Buchtipp
Wolfgang Gründinger
"Aufstand der Jungen: Wie wir den Krieg der Generationen vermeiden können"
Beck 2009
ISBN-13: 978-3406586859
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