Mehr als nur ein Job
Ex-Chefanklägerin Carla Del Ponte veröffentlicht ihre Geschichte
Carla del Ponte  © Reuters
Acht Jahre lang verfolgte Carla del Ponte als Chefanklägerin des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag die Täter der Genozide in Jugoslawien und Ruanda. Mehr als 160 Kriegsverbrecher stellte sie während ihrer Amtszeit vor Gericht. Der berühmteste unter ihnen: Slobodan Milosevic. Bereits vor ihrer Zeit in Den Haag machte sich Del Ponte einen Namen als unnachgiebige Mafia-Jägerin. Jetzt hat sie ihre Memoiren unter dem Titel "Im Namen der Anklage. Meine Jagd auf Kriegsverbrecher und die Suche nach Gerechtigkeit" veröffentlicht.
An der Seite des sizilianischen Richters Giovanni Falcone ließ Del Ponte in der Schweiz die Schwarzgeldkonten des organisierten Verbrechens auf Eis legen. Mit drastischen Folgen: Nur knapp überlebte sie in Palermo ein Mafia-Sprengstoffattentat. Dennoch gab sie den Kampf gegen Genozid und organisiertes Verbrechen nicht auf. Inzwischen lebt Carla del Ponte zurückgezogen in Buenos Aires - als Botschafterin der Schweiz in Argentinien, abgeschottet von den Blicken der Öffentlichkeit. Bis heute steht sie unter striktem Personenschutz.
Eindrucksvolle Rückschau auf ein Leben ohne Kompromisse
Nun hat sie ihre Memoiren veröffentlicht. "Im Namen der Anklage" ist eine eindrucksvolle Rückschau auf ein Leben ohne Kompromisse. Carla del Pontes Autobiografie gewährt Einblicke in die Arbeitsweise und das Seelenleben einer Frau, die es sich zum Beruf gemacht hat, unbequem zu sein. Geleitet wird sie von dem unbestechlichen Grundsatz, dass es nötig ist, Gerechtigkeit zu schaffen. Dass die Opfer das Recht haben, die Bestrafung der Schuldigen einzufordern - egal, ob dies den Politkern und der Weltöffentlichkeit gerade opportun erscheint.

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr



Carla Del Ponte
"Im Namen der Anklage. Meine Jagd auf Kriegsverbrecher und die Suche nach Gerechtigkeit"
S. Fischer 2009
ISBN-13: 978-3100139115

30.04.2009 / Florian Borchmeyer ("aspekte", ZDF) / tm
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