Die Schuld des Westens
Inwiefern trägt Entwicklungshilfe zum Konflikt im Kongo bei?
Flüchtlinge im Kongo  © dpa
Wer zählt die Toten? Wer kennt die Namen? Wer nimmt ihr Schicksal wahr? Militärische Auseinandersetzungen im Osten Kongos: Tutsi-Rebellen kämpfen gegen Regierungstruppen. Es geht um die Kontrolle der Provinz Nord-Kivu. Sie ist reich an Rohstoffen. Seit Jahren gibt es hier immer wieder Krieg.
Eine Geschichte ohne Ende mit Massakern und Gräueltaten. 250.000 Menschen sind auf der Flucht. Der Kongo beschuldigt den Nachbarstaat Ruanda, die Rebellen zu unterstützen. Ein Blick zurück, Ruanda 1994: In der Zeit des Völkermords werden bis zu einer Million Menschen getötet. Ist es ein afrikanischer Konflikt? Oder hat auch der Westen Schuld? In seinem Roman "Hundert Tage" zeigt der Schriftsteller Lukas Bärfuss das Scheitern gutgemeinter Schweizer Entwicklungshilfe in Ruanda. Er schreibt: "Sie verlangten nach Schreibgeräten, deshalb gaben wir ihnen den Bleistift, mit dem sie die Todeslisten schrieben. Deshalb legten wir ihnen die Telefonleitungen, durch die sie den Mordbefehl erteilten und deshalb bauten wir ihnen die Straßen, auf denen die Mörder zu ihren Opfern fuhren."
1994 starben die Menschen vor den Augen des Westens, vor Entwicklungshelfern, UN-Soldaten und Hilfsorganisationen - Tausende flohen in den Kongo. Ohne das Wissen um die Vergangenheit versteht man die Gegenwart nicht. Es heißt, Rebellenchef Laurent Nkunda werde militärisch von Ruanda unterstützt. Gestern bot er einen Waffenstillstand an. Gibt es Hoffnung? Oder ist es nur eine Atempause vor der nächsten Schlacht?
Mehr zum Thema:
Konfliktherd Kongo - Kulturzeit-Schwerpunkt 2006

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr


Das Gespräch mit Lukas Bärfuss, Schriftsteller (17.11.2008)



Lukas Bärfuss:
Hundert Tage
Wallstein 2008
ISBN-13: 978-3835302716
19,90 €

17.11.2008 / Lotar Schüler (Kulturzeit)
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