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Mehr als bloßes kulturhistorisches Phänomen
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Für den Philosophen Rüdiger Safranski ist die Romantik mehr als ein bloß kulturhistorisches Phänomen. In seinem neuen Buch befasst sich der 62-Jährige mit dem Fortwirken des Romantischen bis in unsere Tage hinein. "Die frühromantische Bewegung, die Gebrüder Schlegel, Novalis, Schleiermacher, Tieck, Fichte, und wie sie alle heißen, war revolutionär, von Frankreich her, da hatte die Revolution stattgefunden", erklärt Safranski. "Sie wollten den Geist der Revolution in die Kultur, die Literatur, die Philosophie tragen." Sie hätten das Gefühl gehabt, eine neue Ordnung zu schaffen und die alte zu beseitigen, so der Autor.
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Der Nationalsozialismus und die Romantik
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Und der Nationalsozialismus? Die Nürnberg-Romantik der Reichsparteitage? Die bombastischen Inszenierungen eines Albert Speer? Die wandervogelhafte Naturbegeisterung der Hitlerjugend und allerhöchster NS-Kreise?
"Der Nationalsozialismus hat sich aus der deutschen Kultur bedient", meint Safranski. "Er hat sich auch bei der Romantik bedient. Leni Riefenstahl mit der Parteitagsinszenierung "Lichtdome" - das alles ist Wagnerianismus. Auch das hat schon ein romantisch-verzauberndes Element."
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Romantische 68er?
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Überhaupt überrascht Safranski in seinem Buch mit verblüffenden Einsichten. Auch die Jugendbewegung der späten 1960er Jahre, so seine These, war eine ganz und gar romantische Bewegung, mögen ihre marxistischen und neomarxistischen Proponenten selbst das auch ganz anders gesehen haben.
"Es gehört zu dieser Generation und natürlich war es sehr romantisch, wenn in Paris an der Mauer stand: 'Fantasie an die Macht'", so Safranksi. "Was ist romantischer als eine solche Lust, das Realitätsprinzip zu verändern?"
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 Rüdiger Safranski
"Romantik. Eine deutsche Affäre"
Hanser 2007
ISBN-13: 978-3446209442
24,90 € |  |
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