Ein Versuch über die Liebe
Arnold Stadlers neuer Roman handelt vom größten aller Themen
Arnold Stadler galt lange als Geheimtipp in der Szene
Martin Walser schrieb über seinen Kollegen Arnold Stadler, oft bilde sich eine ganze "Existenzdimension" in einem einzigen Satz ab. Auch in seinem neuen Buch, "Komm, gehen wir", gibt er zahlreiche Belege dafür. Seine Romane "Mein Hund, meine Sau, mein Leben", "Ein hinreißender Schrotthändler" oder "Sehnsucht" sind melancholische, semi-autobiografische Beschreibungen seiner schwäbisch-allemanischen Heimat.
Der Schriftsteller Arnold Stadler ist ein Erinnerungskünstler. Er, der noch immer bei Meßkirch, seinem Kindheitsort in Baden, in "Schwäbisch-Mesopotamien", wie er es nennt, lebt, ist ein sprachmächtiger Vergangenheits-Spieler. Stadler beschwört in seinem neuen Roman "Komm, gehen wir" die ganz großen Gefühle: Er erzählt eine unglückliche Liebesgeschichte, die bis in die Gegenwart hinein reicht. Zu den frühen Prägungen Arnold Stadlers gehört dabei die katholische Kirche. Lange Zeit spielt er mit dem Gedanken, Priester zu werden, ist Seminarist in Rom, studiert katholische Theologie und Germanistik. Ob er in Rom den Stoff für seine Romane findet, ist nicht bekannt. Schließlich schöpft Arnold Stadler aus seiner weiteren Lebensgeschichte mehr und mehr Literatur.
Lesung aus "Komm, gehen wir" bei den Literaturtagen in Wiesbaden (19.06.2007)
In den 1980er Jahren beginnt Stadler mit dem Schreiben. Auf den Lyrikband "Kein Herz und keine Seele" folgt der autobiografisch gefärbte Roman "Ich war einmal". 1999 dann wird Stadlers literarisches Schaffen mit dem renommierten Georg-Büchner-Preis gekrönt. Auch in seinem neuen Roman zeigt sich, dass Stadler nicht zuletzt ein großer Melancholiker ist: Es geht um Vergangenheitsbeschwörung als Trauerarbeit und ist eine Liebesgeschichte voller Möglichkeiten im Sommer 1978 auf Capri - vielversprechend, aber doch vergeblich. Das Scheitern zwischen Menschen gehört zentral zu Stadlers Poetik. "Wir sind Leute, die im Nachhinein etwas aufschreiben, was andere gesagt haben", sagt Arnold Stadler im "Kulturzeit"-Interview. "Wenn es doch keine Menschen für's Leben gibt, so gibt es doch Sätze."

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr


Arnold Stadler
"Komm, gehen wir"
S. Fischer 2007
ISBN-13: 978-3100751270
18,90 €


Das Kulturzeit-Gespräch mit der Literaturkritikerin Ina Hartwig (21.06.2007)



Das ausführliche Interview mit Arnold Stadler, geführt von Michael Schmitt (ca. elf Minuten)

21.06.2007 / David Gels/Stefan Gagstetter (Kulturzeit) / lj/se
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