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Wohlstandsinseln schotten sich ab
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Weltweit wiederholt sich das Muster der Abschottung der Wohlstandsinseln in einer Periode zunehmender globaler Verarmung. Zahlen der Vereinten Nationen belegen: Knapp eine Milliarde Menschen lebt heute in Slums, das ist jeder dritte Stadtbewohner. Einer mit globalen Blick über jeden Zaun hält diese Zahlen noch für konservativ. In seinem Buch "Planet der Slums" analysiert Mike Davis die weltweite Krise der Städte - und prophezeit Düsteres: Die Zukunft der Stadt ist der Slum, eine Abschottung von der Armut undenkbar.
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Amerikas radikalster Urbanist
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Ein totaler Pessimist kann der vierfache Familienvater und Teilzeithausmann Mike Davis nicht sein. Trotzdem gilt der US-amerikanische Stadtsoziologe als Apokalyptiker. Davis ist vermutlich der radikalste Urbanist Amerikas.
Das Verschwinden öffentlicher Räume, ausufernde Siedlungssysteme, Segregation, soziale Verelendung, Migration und Rassismus sind seine Themen. Die Verlierer und die Zukurzgekommenen seine Helden.
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Davis: Die urbane Welt versinkt im Elend
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Die sozialen Fronten der Globalisierung treffen schon bei seinem Wohnort San Diego in radikaler Weise aufeinander. Bush plant eine mehr als 1000 Kilometer lange Sperranlage an der Grenze zu Mexiko. Die Reform des Einwanderungsrechts wird gerade eifrig diskutiert.
"Es ist eine der schärfsten Grenzen zwischen der Ersten und der Dritten Welt", sagt Davis. "Ich bin hier an der Grenze aufgewachsen und habe gelernt, sie zu hassen. Grenzen sind Gitter, Zäune. Die Grenze ist ein soziales System der Gewalt, gegen Immigranten, gegen Minderheiten. Als 16-Jähriger bin ich - aufgewachsen im San Diego des Kalten Krieges, in der jede globale Perspektive, jede Anti-Krieges-Haltung streng verpönt war - jedes Wochenende nach Downtown-Tijuana in einen Buchladen gegangen, geführt von einem spanischen Anarchisten, El Dio Books hieß der. Dort habe ich zum ersten Mal radikale Ideen entdeckt, das erste Mal einen Sozialisten, einen Kommunisten, einen Anarchisten getroffen."
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Die Ursachen der Armut bekämpfen
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Auch Uno-Experten geben ihm recht. Es muss darum gehen, die ökonomischen Verhältnisse zu ändern, die Ursache dieser Armut sind. In diesem Sinne braucht Armut eine Grenze, und Reichtum ein Maß.
In den Elendsvierteln wächst eine soziale Zeitbombe mit kreativem Potential, eine neue Arbeiterklasse. Aber auch die Schlachtfelder der Zukunft liegen dort, in den Slums der neuen Mega-Cities: Manila, Dhaka, Kairo, Shanghai, Jakarta, Karatschi, Delhi, Kalkutta oder Lagos."
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Bemerkenswert ist, dass das Problem der globalen Slums schon lange - seit über einem Jahrzehnt - ins Blickfeld der Militärstrategen gerückt ist", sagt Davis. "Regelmäßig werden Modelle durchgespielt, wie sich Truppen in die Slums von Lagos oder Port au Prince, Lima oder Kinshasa, einschleusen lassen. Und natürlich hat die ganze Erfahrung der Besatzung im Irak - Faludscha, Bagdad - die Dringlichkeit unter US-amerikanischen Militärstrategen verstärkt. Die reden nicht in demselben Diskurs wie Präsident Bush oder Dick Cheney, die reden nicht über Gut gegen Böse, auch nicht über El Kaida, oder über den Kulturkampf, sie sprechen von Krieg."
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 Mike Davis:
"Planet der Slums"
Assoziation a 2007
ISBN-13: 978-3935936569
20 € |  |
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