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Die verpackte Republik
Ab 2050 soll es in Deutschland nur noch klimaneutrale Häuser geben. Millionen Hausbesitzer müssen das Energiesparkonzept umsetzen. Doch bei Gebäudeisolierungen können erhebliche Probleme und Risiken auftreten.
Meist greifen die Hausbesitzer bei der Gebäudeisolierung zu den billigen und relativ einfach zu installierenden Wärmedämmverbundsystemen. Doch häufig können die Dämmplatten ästhetisch, ökologisch und bautechnisch nicht überzeugen. Ihre Lebensdauer ist zu kurz, ihre Entsorgung problematisch.

Für denkmalgeschützte Bauten sind sie sowieso nicht geeignet, weil jedes Fassadendetail unter der dicken Isolierung verschwindet. Nun fordern die ersten Experten, im Neubausektor Wärmedämmverbundsysteme zu verbieten.

Deutschland isoliert sich

Auf den ersten Blick ein simpler Vorgang
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In Wiesbaden bauen die amerikanischen Streitkräfte ihr neues Europa-Hauptquartier. Alle Gebäude werden mit Wärmedämmverbundsystemen isoliert. Die Platten aus Polystyrol sind bereits zugeschnitten. Es kommt Kleber drauf, Dämmplatte dran, fertig. Doch der Teufel steckt im Detail.
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Nachhaltige Zerstörung der Baukultur
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Für viele Architekten ist das ein Albtraum. Etliche alte Fassaden sind schon unter einer dicken Lage Wärmedämmung verschwunden. Immer mehr bauhistorisch wertvolle Häuser werden auf diese Weise energetisch saniert. Je höher die Gas- und Ölpreise, desto dynamischer die Entwicklung.
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Kaum zu verhindern: Algenbewuchs
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In Wismar beschäftigen sich Forscher mit einer ganz anderen Auswirkung der Wärmedämmverbundsysteme. Helmuth Venzmer vom Dahlberg-Institut für Bauwerksdiagnostik kann sie vor allem an Nordfassaden leicht nachweisen: Auf der Gebäudehülle wachsen Algen und Pilze.
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Sondermüll künftiger Generationen
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Doch egal ob fachmännisch oder laienhaft verbaut: Alle Dämmplatten altern. Nach spätestens 30 Jahren, so sagen viele Experten, sind die empfind- lichen Werkstoffe reif für den Müll. Bei Polystyrol, vermischt mit Klebstoff und Armierungsge- webe, kann die Entsorgung aufwendig und teuer werden.
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Eine verheerende Bilanz
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Die Dämmung begünstigt das Wachstum von Algen auf der Fassade. Im Innern des Hauses droht Schimmel. Die Baukultur leidet. Und die Frage der Entsorgung der Dämmstoffe ist ungelöst. Wie steht es nun um die Energieeinsparung? Wiegt sie die Nachteile auf?
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Bei energetischen Sanierungen lassen sich Wärmedämmverbundsysteme häufig nicht umgehen. Anders bei Neubauten: hier gibt es bereits nachhaltigere Lösungen wie wärmedämmende Ziegel. Daher wollen manche Architekten Polystyrol-Platten bei Neubauten verbieten lassen. Ob Alt- oder Neubau: eine Dämmung sollte dauerhaft sein. Denn Gebäude sind, ebenso wie Energie, eine wertvolle Ressource.

Christoph Mäckler:
"Wir müssen dafür sorgen, dass wir sparsam damit umgehen und sparsam gehen wir nur dann mit unseren Häusern um, wenn diese Häuser auch in den nächsten Generationen noch genutzt werden können, ohne dass wir sie dauernd komplett sanieren oder gar abreißen müssen."


Sendedaten
13.10.2013, 15.30 Uhr

Erstsendung: 23.01.2012
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