Kartoffelpflanze Video
Kritiker sehen in den unscheinbaren Pflänzchen unvorhersehbare Gefahren
"Die 'Cholerakartoffeln' sind im Freiland sicher"
Biologen streiten um die Reichweite von Genmaterial
Ihr Freilandversuch mit einer gentechnisch veränderten Pflanze ist sicher, meint die Molekularbiologin Inge Broer: "Kartoffeln werden über die Knolle vermehrt, so dass es keine Probleme mit Fremdbefruchtung gibt."

Nach Ansicht des Vereins "Umweltinstitut München" könnte die Genehmigung des Experiments unvorhersehbare Konsequenzen für die Umwelt haben. Ein Eindringen der gentechnisch veränderten Pflanzen in benachbarte Kartoffelfelder und damit in die Lebensmittelkette sei nicht ausgeschlossen. "Die Kontrolle von Gen-Pflanzen ist im Freiland nicht möglich", sagte Andreas Bauer vom Umweltinstitut. Die Einrichtung ist nach eigenen Angaben einer der größten Umweltschutzvereine in Bayern.

Die verpflanzten Gene dürfen nicht in die Nahrung
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"Man muss sich klarmachen, dass das dort exprimierte Proteien potenziell hoch wirksam auf den Menschen ist und die Gefahr besteht, dass es in die Lebens- und -Futtermittelkette gerät", befürchtet Engelhard. 2002 gelangten Reste von Pharmamais, der ein Jahr zuvor in Nebraska angebaut war, in Sojaerntegut. "Das kann hier bei diesem Freilandversuch nicht passieren", ist Broer überzeugt. "Niemand darf ohne Begleitung auf das Feld. Jeder Besuch wird in Büchern eingetragen. Das ganze Feld ist von Zäunen und von Wachleuten umgeben, die aufpassen, dass hier niemand unberechtigt rein kommt. Hier kann niemand etwas heraustragen, auch nicht nachts. Jede Pflanze hat eine Nummer; jede Pflanze wird separat geerntet."

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) kam 2006 in einer Sicherheitsbewertung zu dem Schluss, dass von dem Freisetzungsversuch keine schädlichen Einflüsse auf Menschen, Tiere und Umwelt zu erwarten sind. 1800 Einwendungen gegen den Versuch waren nicht erfolgreich. Nach Worten Inge Broers haben sich die Gentechkartoffeln im Freiland bislang unauffällig verhalten.

"Das eine Protein aus dem Cholerabakterium, das die Impfwirkung verstärkt, ist bereits in kommerziellen Impfstoffen vorhanden, gut untersucht und völlig ungefährlich", so Broer. Doch der "Cholerakartoffel" sei "so ein schrecklicher Name gegeben worden, dass man noch einmal darüber nachdenken möchte, ob sie rauskommen darf oder nicht - sie war aber schon im Freiland."

Die Kartoffeln sollen einen Impfstoff gegen die Kaninchenseuche RHD und ein ungefährliches Protein des Cholera-Erregers produzieren. Das Cholera-Protein sei notwendig, um die Impfung der Kaninchen zu ermöglichen, eine Cholera-Erkrankung bei Menschen könne nicht ausgelöst werden. Eine dritte Linie der "Gen-Kartoffeln" bilde Cyanophycin, einen biologisch abbaubaren Kunststoff.

Infografik
Neue und alte Seuchen - Erreger wandern ein
In Europa ausgestorben geglaubte Krankheiten wie die Malaria kehren zurück - schuld ist der rege Verkehr zwischen den Kontinenten. Und auch der Klimawandel bietet tropischen Erregern neue Habitate.
Schwerpunkt
Grüne Gentechnik: Ein Gen von Pflanze A zu Pflanze B
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