Ginkgoblatt © dpa Video
Viele schwören auf die urtümlichen Pflanzen als wahre Wunderheiler
Wirkung, keine Wunder
G. biloba ist eine eigene Gruppe der Samenpflanzen
In der Medizin ist Ginkgo nach wie vor umstritten: Die einen preisen gesteigerte Hirnleistungen, die anderen warnen vor Nebenwirkungen.
Bei Operationen kann es mit ihm zu starken Blutungen kommen. Wissenschaftlich erwiesen ist nur, dass ein Extrakt aus Ginkgo biloba Stoffe enthält, die die Durchblutung fördern. Sein Wirkstoff lässt die Wände der Blutgefäße und die roten Blutkörperchen flexibler werden, so dass Blut und mit ihm Sauerstoff schneller ins Gehirn gelangen. Da ein gut durchblutetes Gehirn besser arbeitet, wird Ginkgo biloba bei Gedächtnisschwäche und in der Behandlung von Demenz-Kranken eingesetzt.

In schweren Fällen von Demenz ist die Heilpflanze überfordert: das Absterben von Zellen kann Gingko nicht stoppen. Sein Extrakt eignet sich also lediglich bei leichten Durchblutungsstörungen des Gehirns, und auch in solchen Fällen sollte immer zunächst ein Arzt befragt werden. Studien warnen vor möglichen Nebenwirkungen des pflanzlichen Medikaments: Es kann zu Blutungen führen; auch mit blutverdünnenden Mitteln wie Aspirin verträgt sich die Heilpflanze nicht. Ginkgo-Präparate gibt es gegen Depressionen, Gedächtnisschwäche, Ohrensausen oder Schwindel.

Das meist verkaufte Gingko-Produkt auf dem Markt sei in drei wesentlichen Studien nicht erfolgreich gewesen, sagt Prof. Kay Brune von der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft. "Man kann also davon ausgehen, dass Ginkgo bei Demenzstörungen oder bei kognitiven Störungen keine therapeutische Wirksamkeit aufweist."

Im Gegensatz dazu kam das Institut für Wirtschaftlichkeit und Qualität im Gesundheitswesen (IQWIG) zu einer positiven Beurteilung von Gingko. "Ein englische Studie aus 2007 zeigt, es gibt keinen Nutzen", sagt der Pharmakologe Prof. Peter Schönhöfer vom Arznei-Telegramm. "Jetzt soll der Nutzen plötzlich da sein. Da kann man nur sagen: Das riecht irgendwie." Zumal habe es Zweifel an der Methode bei der Durchführung der Studie gegeben.

Langzeitstudie sieht keine maßgebliche Wirkung
Das Kräutermittel hilft nicht besser als ein Scheinpräparat, bestätigt eine US-Langzeitstudie vom November 2009 Resultate etlicher kleinerer Untersuchungen. In dem Doppelblindversuch nahmen 3000 Menschen, die mindestens 72 Jahre alt und zunächst geistig rege waren, zwei Mal täglich entweder Ginkgo biloba ein oder aber ein Scheinpräparat. Nach gut sechs Jahren fanden die Mediziner der Universität Pittsburgh keinerlei Unterschiede zwischen den Teilnehmern beider Gruppen.

Das Pflanzenmittel schützte weder vor der Alzheimer-Krankheit noch vor anderen Demenzformen und besserte auch nicht Sprachvermögen, die visuell-räumliche Vorstellung oder Exekutivfunktionen des Gehirns. Dieses Resultat galt für Männer wie für Frauen und bestand unabhängig von Herkunft, Bildung oder Alter. "Wir finden keinen Hinweis dafür, dass Ginkgo biloba den Abbau bei Erwachsenen verzögert", schrieben die Forscher im "Journal of the American Medical Association".

Asiaten kennen die Blätter seit mehr als 500 Jahren
Aus den getrockneten Ginkgo-Blättern wird ein Extrakt gewonnen, der in Asien schon seit 500 Jahren als Heilmittel gilt. Bei uns wurde seine medizinische Wirkung erst in den 1960er Jahren bekannt.

Ginkgo biloba stand schon auf der Erde, als es noch Dinosaurier gab. Er hat sich in den vergangenen 200 Millionen Jahren Erdgeschichte kaum verändert. Der aus Asien stammende Baum hat die Eiszeiten überlebt und gilt als Symbol für Widerstandskraft und Überleben. Der Ginkgo ist auch ein Baum der Hoffnung: In Hiroshima hatte er schon ein Jahr nach dem Fall der Atombombe wieder grüne Triebe. "Biloba" bedeutet "zweilappig" und beschreibt die gespaltene Blattform.

Der Ginkgo ist weder Laub- noch Nadelbaum, sondern bildet eine eigene Abteilung innerhalb der Samenpflanzen. Bei uns stehen Ginkgo-Bäume heute vor allem am Straßenrand, denn sie sind robust und wachsen schnell. Allerdings sind das meist die männlichen Bäume, denn die Früchte der getrenntgeschlechtlichen Pflanzen stinken extrem nach Buttersäure.

Die Frage
"Was genau ist der Ginkgo-Baum, und was können seine Blätter und Früchte für uns Menschen bewirken?" (Ulrike Steinkellner, Gmunden)
Literatur
Snitz B et al (2009) Ginkgo biloba for Preventing Cognitive Decline in Older Adults. JAMA 302: 2663-2670.
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