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Fingerabdruck Lupe
Die Fingerabdrücke zweier Menschen können sich zum Verwechseln ähneln
In Beweisnot geraten
Forensiker müssen Wissenschaftlichkeit belegen
"Die forensische Wissenschaft ist nicht wissenschaftlich genug", schließt die US-amerikanische Akademie der Wissenschaften in einer Studie von Juli 2009.
Hauptkritik ist: Die wissenschaftlichen Methoden seien nicht einheitlich", sagt Jessica Gabel von Universität Georgia. Fingerabdrücke können sich so ähneln, dass zwei Menschen verwechselt werden können.

Auch die Fingerabdrücke verändern sich langsam
Lupe
Der Fingerabdruck ist eindeutig - und doch kann er sich im Alter verändern
Fingerabdrücke verändern sich im Lauf der Jahre - vor allem die Zwischenleisten, die es bei jedem zweiten Menschen gibt. In diesen sitzen keine Schweißporen, sondern die Meissnerschen Tastkörperchen. Beim Altern werden unsere Finger breiter und unempfindlicher, denn der Abstand zwischen den Hautleisten wird größer. Zum Ausgleich wachsen die Zwischenleisten, um das Tastempfinden zu erhöhen, und verändern so den Fingerabdruck. Bisher müssen Fahnder in den Hauptleisten zwölf identische Merkmale nachweisen.

Die Papilarlinien an Fingern, Zehen, Fußsohlen und Handinnenfläche sind bei jedem Menschen anders. "Selbst eineiige Zwillinge haben unterschiedliche Muster", weiß Simona Wabnitz vom Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt. Das mache diesen Bereich der Kriminaltechnik interessant. Vor mehr als 100 Jahren trat der Fingerabdruck als Waffe gegen Verbrecher seinen Siegeszug in Deutschland an. Moderne Ermittlungsmethoden konnten der Bedeutung der unter anderem mit Pinsel und Pulver zum Vorschein gebrachten Papillarlinien nicht den Rang ablaufen. Obwohl sich die Methode im Grunde kaum verändert hat, wird sie ständig vervollkommnet.

Klassischer Fingerabdruck trotz DNA unverzichtbar
Spezialisten für Fingerabdrücke aus ganz Europa sind sich einig: "Der klassische Fingerabdruck bleibt trotz der Erfolge der DNA-Analyse unverzichtbar bei der Aufklärung von Kriminalfällen", sagte Wolfgang Lindner, Leiter der Abteilung Daktyloskopie und Erkennung der Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt. Die Fingerabdrücke von drei Millionen Menschen seien in Deutschland registriert, sagte Lindner. In der bundesweiten Gendatenbank beim Bundeskriminalamt (BKA), die seit 1998 aufgebaut wird, sind mehr als 320.000 Personen gespeichert. Das zeige, dass der klassische Fingerabdruck zum Abgleichen von Spuren nach wie vor unverzichtbar ist, sagte Lindner. "Mit der DNA-Analyse werden vielleicht die spektakuläreren Fälle gelöst", sagte der Experte und erinnert an den Mordfall Rudolph Moshammer.

"Doch in der Massenkriminalität ist der Fingerabdruck das häufigere Mittel bei der Aufklärung von Fällen." Das Verbrechen kennt bekanntlich keine Grenzen. So haben sich Kriminaltechniker Europas seit 1993 im Netzwerk "European Network of Forensic Institutes"(ENFSI) zusammengeschlossen, dem auch die "European Fingerprint Working Group" angehört. Das Netzwerk beschäftigt sich mit der Angleichung der Datensammlungen der jeweiligen Länder sowie mit neuesten Forschungen auf dem Gebiet der Spurensicherung.

Chemische Spuren des Fingerabdrucks sagen mehr
Ein Fingerabdruck verrät Tatortermittlern künftig nicht mehr nur die Identität des Täters, sondern auch, was dieser zuletzt in den Fingern hatte. Dank eines neuartigen Analyseverfahrens lassen sich Spuren von Drogen, Sprengstoff oder auch bestimmte körpereigene Stoffwechselprodukte des Täters an dem Fingerabdruck direkt am Tatort nachweisen. Das Analyseverfahren liefert den Ermittlern ein klassisches Fingerabdruck-Bild mit den üblichen Linien und Biegungen, allerdings auf der Basis einer chemischen Analyse. Dazu wird zunächst ein spezielles Lösungsmittel auf die Oberfläche gesprüht, das die chemischen Bestandteile des Abdrucks löst. Die dabei entstehenden winzigen Tropfen mit den verräterischen Täterspuren werden anschließend sofort am Fundort in einem Massenspektrometer verdampft und so auf ihre Zusammensetzung analysiert.

Die Ergebnisse der Desorptions-Elektro-Spray-Ionisations-Massenspektrometrie (Desi-MR) können die Wissenschaftler dann anschließend Punkt für Punkt mit einer Auflösung von einem Sechstel Millimeter einer Position auf der Oberfläche zuordnen. Aus diesen Daten wird dann der "chemische Fingerabdruck" erzeugt. Die Auflösung ist ausreichend hoch, um dieses Bild in einer herkömmlichen Datei mit abgespeicherten Fingerabdrücken zu vergleichen. Eine Ablösung des Fingerabdrucks von der Oberfläche ist dazu nicht nötig. Auch überlappende Fingerabdrücke lassen sich den Wissenschaftlern zufolge mit dem Verfahren einfach auseinanderhalten.

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Literatur
Ifa D R et al (2008) Latent Fingerprint Chemical Imaging by Mass Spectrometry. Science 321 DOI: 10.1126 / science.1157199
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