Frau in Reisfeld © ap Video
Gerade in Ländern, in denen Reis angebaut wird, leiden viele an Eisenmangel
Schweizer entwickeln Reissorte mit mehr Eisen
Der Anbau ist aber erst in vielen Jahren möglich
Wissenschaftler um Prof. Christof Sautter und Prof. Wilhelm Gruissem von der Eidgenössisch-Technischen Hochschule Zürich (ETH) haben Reis mit einem auf das Sechsfache erhöhten Gehalt an Eisen entwickelt.
Vom Anbau ist man aber noch Jahre entfernt. Die Reispflanze produziere mit Hilfe der eingebrachten Gene vermehrt das Enzym Nicotianamine-Synthase und das Eiweiß Ferritin, heißt es. Ihr Zusammenspiel sorge dafür, dass die Reispflanze mehr Eisen aus dem Boden aufnehmen und dieses Eisen im Reiskorn anreichern und speichern könne. Das Produkt der Nicotianamine-Synthase, das Nicotianamin, binde das aus dem Boden mobilisierte Eisen vorübergehend und mache das Eisen in der Pflanze transportfähig. Ferritin sei in der Pflanze ebenso wie im Menschen ein Depot für Eisen.

Die Forscher haben die Aktivität der eingefügten Gene so gesteuert, dass Nicotianamine-Synthase in der ganzen Reispflanze gebildet wird, das Ferritin aber nur im Inneren des Reiskorns. So wirke sich das Zusammenspiel der beiden Gene positiv auf den Eisengehalt des geschälten Reiskorns aus und steigere ihn im polierten Korn bis auf das Sechsfache gegenüber der Ausgangsreissorte.

Die Prototypen im Gewächshaus seien äußerlich nicht von normalen Pflanzen zu unterscheiden und gäben keinen Hinweis auf mögliche Nachteile wie etwa Ernteverluste. "Als nächstes müssen wir jetzt in Feldexperimenten prüfen, ob die Reispflanzen auch unter landwirtschaftlichen Bedingungen bestehen können", wird Gruissem zitiert. Der ETH-Professor sieht keine Gefahr, dass sich die genveränderten Pflanzen negativ auf ihre Umwelt auswirken könnten. Dass die Reispflanzen durch die verbesserte Eisenaufnahme etwa den Boden auslaugten, sei unwahrscheinlich, denn Eisen seit das häufigste metallische Element im Boden.

Bis der eisenhaltige Reis angebaut werden kann, müssen die Forscher im Gewächshaus und im freien Feld aber noch viele Untersuchungen zur Biosicherheit sowie agronomische Tests durchführen. Bis dahin sind die Prototypen für einen landwirtschaftlichen Anbau nicht geeignet. Das Ziel der ETH-Wissenschafter ist es, Kleinbauern und Selbstversorgern den genetisch veränderten Reis kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Vitamin-A-reicher Reis gegen Kinderblindheit
© reuters Lupe
Klassischer Anbau gegen Blindheit
Forscher in Großbritannien haben 2005 nach eigenen Angaben erstmals gentechnisch veränderten Reis entwickelt, der Vitamin-A-Mangel und der damit verbundenen Erblindung von Kindern in Entwicklungsländern vorbeugen kann. Die von dem Schweizer Unternehmen Syngenta in britischen Labors entwickelte Reissorte beinhalte rund 20-mal so viel Beta-Karotin wie herkömmliche Sorten, berichtete die BBC. Beta-Karotin wird vom Körper in Vitamin A umgewandelt. Dem Bericht zufolge will Syngenta den "goldenen Reis" Forschungslabors in ganz Asien zur Verfügung stellen, wo er nach der Genehmigung der Behörden auf Forschungsfeldern angebaut werden soll. 2000 hatten Schweizer Forscher bereits ähnlich genveränderten Reis vorgestellt.

Dessen Anteil an Beta-Karotin war aber nicht hoch genug, um den Vitamin-A-Bedarf von Kindern bei normalem Reisverzehr zu decken. Zudem war der Anbau auf Versuchsfeldern wegen befürchteter Auswirkungen auf die Umwelt unterblieben. Nach Schätzungen der Weltgesundheits-Organisation (WHO) erblinden jährlich bis zu 500.000 Kinder wegen Vitamin-A-Unterversorgung.

Schwerpunkt
Grüne Gentechnik: Ein Gen von Pflanze A zu Pflanze B
Info
Im Reis steckt eigentlich viel Eisen, aber nur in der Hülle des Reiskorns. Da ungeschälter Reis jedoch im tropischen und subtropischen Klima schnell ranzig wird, muss man zur Lagerung die Reishülle samt dem wertvollen Eisen entfernen.
Info
Menschen mit Eisenmangel ermüden schnell, können Schadstoffe im Körper nur ungenügend abbauen und erkranken über längere Zeit an Blutarmut. Besonders davon betroffen sind Frauen und Kinder in Entwicklungsländern, die sich hauptsächlich von Reis ernähren: Die geschälten Reiskörner - polierter Reis - enthalten nicht genügend Eisen und decken selbst bei hohem Konsum den Tagesbedarf eines Menschen nicht. Eine ausgewogene Ernährung oder Eisenpräparate sind für viele Menschen in diesen Ländern unerschwinglich.
Info
"Goldener Mais" soll Vitaminmangel lindern
Der rötlich gefärbte "Goldene Mais" des US-Biochemikers Paul Christou enthält unter anderem 169 Mal mehr Beta-Carotin als normaler Mais. Dabei handelt es sich um ein Provitamin, das vom menschlichen Organismus zu Vitamin A umgebaut wird. Die Pflanzen enthalten zudem sechsmal mehr Vitamin C sowie doppelt so viel Folsäure.
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