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Themen vom 20.07.2017Navigationselement
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© dpa Lupe
Der schüchterne Neo Rauch meidet Kameras und äußert sich nur selten.
Maler aus Leidenschaft
Neo Rauch feiert 50. Geburtstag
Neo Rauch steht schon zu Lebzeiten auf einem hohen Podest. Kunsthistoriker feiern ihn als wichtigsten Maler seiner Generation. Eine Retrospektive jagt die andere. Jetzt wird die Doppelausstellung "Begleiter" in Leipzig und München eröffnet.
Schon vor einigen Jahren explodierten die Preise. Die Amerikaner begannen wie verrückt zu kaufen. Auch dank seines geschickten Galeristen Gerd Harry Lybke. "Jede Zeit braucht ihre Helden", sagt Lybke, "und da war Neo Rauch gerade zum richtigen Moment da." Die Kunstwelt, besonders die amerikanische, wollte wieder gemalte Bilder, auf denen man etwas erkennt. Und dann noch von einem Ostdeutschen - das passte. Erfolg am Markt ist keine Garantie für gute Kunst, und Kunst, die sich schlecht verkauft, ist nicht automatisch gut. Aber Neo Rauch ist kein zynischer Marktkünstler, sondern ein Maler aus Leidenschaft.

Deutsche Schwermut und Beharrlichkeit
© apn Lupe
Rauch-Gemälde "Die Fuge, 2007"
"Neo hat da eine ganz klare Haltung zum Arbeiten", sagt Lybke. "Er ist eigentlich nur seinem Werk verpflichtet und dem, was er macht." Der Motor der neuen Leipziger Schule vereint deutsche Schwermut und deutsche Beharrlichkeit. Anders als viele seiner Westkollegen, gönnt er es sich früh, figürlich zu malen, und er verabscheut Fotografie und Video. Der schüchterne und ernsthafte Künstler meidet Fernsehkameras und äußert sich nur selten zu seiner Arbeit. "Ich hätte es eigentlich immer gern, wenn eine gemalte Situation in zwei Richtungen interpretierbar ist", so eine seiner seltenen Äußerungen aus dem Jahr 2007.

Wenn man näher hinschaut, erinnert sein Malstil an längst abgehakte Epochen. Das Bild "Schilfland" ähnelt dem guten alten Caspar David Friedrich. Natürlich hätte der andere Motive gemalt. Doch die Stimmung ist altvertraut. Der Unterschied: Der Romantiker Caspar David Friedrich brachte vor 200 Jahren ein Gefühl auf die Leinwand, das damals noch nicht kitschig war. Die Malerei musste noch beweisen, dass sie die Natur nachahmen kann. Heute, wo es Film und Fotografie gibt, muss die Malerei nichts mehr beweisen. Rauch kann malen, wie er will - abstrakt oder gegenständlich.

Er meint es verdammt ernst
Er malt gegenständlich. Und das Tragische ist, dass er es verdammt ernst meint. Seine Malerei ist frei von Ironie. Sie zeigt oft Träume voller Rätsel wie bei den Surrealisten. "Wenn man meine Bilder lesen möchte, so sollte man nicht zu viele zerebrale Anstrengungen unternehmen", hat Rauch mal gesagt. "Man sollte sich hineingleiten lassen, wie in einen Traum." Max Ernst, der immer wieder mit Rauch verglichen wird, war ein surrealistischer Maler, der sich intensiv mit Träumen beschäftigte. Ernst malt 1926 eine prügelnde Gottesmutter. Damals war das ein Riesenskandal, heute ist es immer noch schmerzhaft. Rauchs Rätsel triefen vor Bedeutung, tun aber nicht weh. Deshalb passen sie gut über so manches Sofa.

Ganz anders als die Bilder von Francis Bacon, mit dem sich Rauch selbst vergleicht. Sie verwickelten den Betrachter schon vor 50 Jahren viel mehr in Gefühle von Angst und Beklemmung, als Rauchs Bilder das tun. In Rauchs frühem Bild "Taufe" spürt man noch mehr malerische Kraft. Eine abstrakte Komposition mit Figuren, die noch nicht ausgemalt sind. Ein Meister der Malerei ist Rauch unbestritten. Sein handwerkliches Können, sein Farb- und Kompositionsgespür sind groß. Doch seine Geschichten sind aus der Zeit gefallen und Gefühle bleiben hinter Kostümen verborgen.

Staubige Theaterkulissen
Selbst ein Gemälde wie "Demos", das eine Demonstrationsszene mit einer Hitler-artigen Figur mit Bombengurt zeigt, wirkt nicht wie ein künstlerischer Kommentar zu Terror und Demokratie, sondern wie eine staubige Theaterkulisse. Dabei soll Kunst doch hinter die Fassade der Konventionen blicken. Man möchte Rauchs Figuren die Kostüme vom Leib reißen, um ihre wahren Gefühle zu spüren. Sogar wenn er Zerstörung zeigt, wirken die Figuren wie aus einer kitschigen Theaterszene.

Rauchs Kunst befriedigt bei den Sammlern ein Bedürfnis nach Bildern, die malerisch kunstvoll sind, aber auf keinen Fall wehtun - also eher unterhalten als fordern. Mit 50 Jahren ist Rauch schon im kunsthistorischen Olymp. Ob er dort bleiben wird, ist fraglich.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Ausstellung
"Begleiter"
Leipziger Museum der Bildenden Künste
15.08.2010
Münchner Pinakothek der Moderne
20.04. bis 15.08.2010
Fotogalerie
© apGroßformatige Einblicke
Rauch-Retrospektive in Leipzig und München
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