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© ap Lupe
Guillermo del Toro: Schriftsteller, Regisseur und Produzent
Meister des Mystischen
Der Regisseur und Schriftsteller Guillermo del Toro
"Ich bin fett, ich bin katholisch erzogen und drehe gern fantasievolle Filme", so sieht Guillermo del Toro sich selbst. Hollywood sieht ihn als sein liebstes Wunderkind. Nach den Erfolgsfilmen "Pans Labyrinth" und "Hellboy" dreht er demnächst Tolkiens "Der kleine Hobbit" - ein Traumprojekt. Del Toro ist ein genialer Tausendsassa, dem die Ideen scheinbar nie ausgehen. Jetzt erscheint sein erster Roman. "Die Saat" heißt der Thriller um ein geheimnisvolles Virus, biologische Kriegsführung und die weltweite Seuchenangst.
Die Welt kämpft gegen einen unsichtbaren Gegner, die Schweinegrippe mutiert zur Pandemie, ein Virus verursacht große Angst: Das ist ein Szenario, wie im ersten Roman des mexikanischen Kultregisseurs Guillermo del Toro. Warum ist sein Buch "Die Saat" so hochaktuell? "Als wir das Buch geschrieben haben, wussten wir nichts von der mexikanischen Schweinegrippe", sagt del Toro. "Ich schwöre es, ich habe die Grippe nicht gemacht. Ich bin unschuldig. Mich fasziniert, dass Pandemien immer etwas Magisches für die Menschen sind. Sie haben Angst vor ihnen."

Blutgierige Vampire im Flugzeug
In seinem Buch "Die Saat" zeigt del Toro wie Angst den Menschen verändert. Eine Passagiermaschine aus Berlin landet planmäßig in New York. Doch dann herrscht Funkstille, kein Lebenszeichen. Die Passagiere sind tot, nur vier überleben. Doch denen geht es immer schlechter. Was stimmt nicht mit ihnen? "Es ist ein dünner langer Wurm, der über die Zunge ins Blut gelangt, ein Blutwurm", erklärt del Toro. "Etwa so groß und fein wie ein Haar." Einer der Infizierten hat sich selbst in Ketten gelegt. Als er merkt, dass er sich in einen blutgierigen Vampir verwandelt, will er die anderen schützen.

Horrorwesen haben ihn immer fasziniert. Als Kind ließ ihn seine katholische Großmutter exorzieren - erfolglos. Heute leben seine Monster in Filmen wie "Hellboy". "Als Kind waren meine liebsten Begleiteter die Monster in meinem Kopf", erinnert sich del Toro. "Ich zog mein Notizbuch heraus, zeichnete sie und modellierte sie aus Ton." Seine Notizbücher sind legendär. Noch heute skizziert er jede Idee. Neben den Entwürfen zu "Hellboy" wollten wir auch Skizzen zu seinem nächsten Projekt sehen: Del Toro verfilmt Tolkiens “Der Hobbit” - der Ritterschlag. Alles ist streng geheim, aber etwas verrät er dann doch: "Im Hobbit werde ich ein kleines Monster spielen", sagt er. "Ich selbst werde mich in eines der Kreaturen verwandeln. Kein wichtiges Monster, nur ein Typ im Hintergrund."

350 Bücher und 3000 Filme als Reiselektüre
Drei Jahre Dreharbeiten im fernen Neuseeland sind geplant. Das wären drei Jahre, in denen er umgeben von Monstern wäre. Was nimmt del Toro mit auf die Insel? "Immer wenn ich Filme mache, nehme ich Duplikate von Büchern aus meiner Bibliothek mit. Etwa 350 Stück, die habe ich immer bei mir. Außerdem nehme ich 3000 Filme mit, alles nur Filme die ich unbedingt sehen will, weil sie zur Zeit meine Lieblingsfilme sind." Bei all den schaurigen Kreaturen und Monstern, wovor hat ein del Toro selbst noch Angst?

"Ich habe Angst vor der Polizei, Politikern, organisierter Religion, Bänkern und Rechtsanwälten", sagt der Schriftsteller. "Ich habe Angst vor allem, was einen Weg findet, um Dich zu beherrschen und Du kein Mittel hast, um dagegen zu kämpfen." Das sind Ängste aus seiner Kindheit in Mexiko. Seit der 1968er-Revolte erschütterten Unruhen das Land. Gewalt und Mord waren unter Präsident Diaz Ordaz Alltag. Seine erste Leiche sah del Toro mit vier Jahren.

Drei Oscars für "Pans Labyrinth"
Del Toro ist Mitbegründer der Filmhochschule von Guadalajara und verhalf dem mexikanischen Film zu neuem Ruhm. Und er schafft es, auf den begehrtesten roten Teppich der Welt. 2006 gewinnt sein persönlichster Film, "Pans Labyrinth", drei Oscars. In jeder Bewegung, jeder Geste, jedem Geräusch und jeder einzelnen Szene scheint del Toro die Erlebnisse und Fantasien seiner eigenen Kindheit wiederzuspiegeln. Die Nähe zum spanisch-mexikanischen Filmemacher und Surrealisten Luis Buñuel ist unverkennbar.

Die Traumwelt Hollywoods liebt del Toros alptraumhafte Welten, die ganz besondere Mischung aus Charles Dickens und Stephen King, aus Grimms Märchen und Truman Capote. "Auf der einen Seite mache ich große Filme, voller Explosionen, Action und Superhelden", sagt der Regisseur. "Auf der anderen Seite kleine, anspruchs und kunstvollere Filme. So ist es auch beim Schreiben. Ích will weiter zwei Arten von Büchern schreiben." Mit "Die Saat" und dem Kampf Vampir gegen Mensch führt del Toro nun auch im Kopf der Leser Regie. Er lässt sie teilhaben an seinen schwarzen, kunstvollen Geschichten. Für del Toro beginnt die Welt da, wo die Fantasie anderer Menschen endet.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Buchtipp
© HeyneLupeGuillermo del Toro
"Die Saat"
Heyne 2009
ISBN-13: 978-3-453-26639-1
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