Montag bis Freitag 19.20 Uhr
Kalender
August 2016
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
0102030405
06
07
0809101112
13
14
1516171819
20
21
2223242526
27
28
293031
01
02
03
04
Mediathek
SENDUNG vom 30.08.2016
Sendung verpasst?

Navigationselement
Navigationselement
© Campus Lupe
Avraham Burg fordert eine radikale Umkehr im Umgang mit der Vergangenheit.
Shoa als Psychose
Die Provokanten Thesen des Avraham Burg
Die Erinnerung an die Judenvernichtung gehört zum Gründungsmythos des Staates Israel: Nie wieder Opfer sein. Der Publizist Avraham Burg fordert, Israel müsse den Holocaust hinter sich lassen. Sein Buch hat nicht nur in Israel eine heftige Diskussion ausgelöst.
Im heiligen Land entsteht 1948 der Staat Israel als Heimstatt für das jüdische Volk. Die Flüchtlinge aus den Konzentrationslagern und Zionisten, Vertreter einer radikalen Ideologie, wagen gemeinsam den Neuanfang auf fremdem Territorium - das Experiment Israel. Immer begleitet von der Angst vor feindlichen Nachbarn, rüstet der junge Staat auf. Erst das Sicherheitsdenken schafft den Zusammenhalt, immer in Abgrenzung zu den Anderen. Israel bleibt im Kriegszustand und militarisiert die eigene Gesellschaft. Das Opfergedenken wird zum Teil der nationalen Sicherheitsdoktrin.

Tabubruch und die Forderung nach Verantwortung
Die Shoa wird zur Psychose einer ganzen Nation. Diese provokante These stammt von Avraham Burg, dem langjährigen Parlamentspräsidenten und Pazifist. Sein Buch "Hitler besiegen" rüttelt am Selbstverständnis des israelischen Volkes. Israel muss sich vom Holocaust lösen, nur so sei eine friedlichere Zukunft möglich, so Burg. Die Angst vor der Vernichtung des jüdischen Volkes sei ein Paradigma. Die Shoa bestimme die Mentalität und das öffentliche Leben. Paranoia und Sicherheitswahn seien bloß die Kinder dieses Glaubens. Darf ein israelischer Politiker den Tabubruch wagen?

Burg argumentiert mit den Konflikten der Gegenwart. Was das Land zusammenhält seien seine Kriege. Er fordert Mitverantwortung für die Probleme der Palästinenser. Burg bittet sogar um Verzeihung. Irans Präsidenten als Erzfeind zu bezeichnen, manipuliere geradezu den israelischen Sicherheitswahn, so Burg. Eine Alle-gegen-uns-Mentalität bezeichnet er als Schneckenhaus, nationalistischen Narzissmus als den Ausdruck mangelnder Weitsicht. Burg fordert eine radikale Umkehr im Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Mit der Shoa im Gedächtnis müsse gerade Israel als Vorbild voranschreiten. Eine moralische Außenpolitik, ein Weltgericht gegen die Verbrechen an der Menschlichkeit auf dem Gelände von Yad Vashem.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Buchtipp
© CampusLupeAvraham Burg
übersetzung: Ulrike Bischoff
"Hitler besiegen.Warum Israel sich endlich vom Holocaust lösen muss"
Siedler 2009
ISBN-13: 978-3593390567
Gast
Gesprächsgast in der "Kulturzeit"-Sendung am 26.10.2009: Avraham Burg, Publizist