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Wirtschaftsmacht Kirche
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Die Kirche gehört zu den größten Wirtschaftsmächten der Welt. Niemand weiß wie reich sie wirklich ist. Der genaue Wert ihres Vermögens in Form von Grundbesitz, Immobilien, Aktien und Geldanlagen ist nicht bekannt. Aber besonders katholische Kirchenhäuser, die oft vor Prunk und Pracht glänzen, vermitteln eine leise Ahnung. Eine Gegenbewegung stellen die Bettelorden dar. Franz von Assisi sah die Armut und Askese als den richtigen Weg zur Erlösung. Nach der Heiligsprechung der einstigen Gegner des kirchlichen Luxus wurden ihre Gebeine in kostbaren Monstranzen verehrt. Nicht selten widersprechen sich glänzende Verpackung und ihr Inhalt. Und es stellt sich die Frage, dient die Demonstration von Prunk und Pracht als bequemes Mittel zur Legitimation der kirchlichen Autorität und der sozialgesellschaftlichen Machtverhältnisse? Was bleibt, ist das Versprechen auf das Paradies und die Erfüllung im Jenseits.
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Heil und Erfüllung - hier und jetzt
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Einkaufsparadiese als "Kathedralen des Konsums" bieten Erfüllung im Diesseits. Wird in unserer kapitalistischen und immer weniger religiös geprägten Gesellschaft Konsum zum Religionssubstitut? Kann Konsum Sinn stiften und dem verunsicherten Ich Werte vermittelt? Und wird Konsum zum Kult und die Marken zu seinen Propheten? Die Werbung antwortet der Sehnsucht nach Orientierung mit einer "Remythisierung" unserer entzauberten Welt. "Sieh her, welche Marke ich kaufe und was das über mich aussagt" - so wird Konsum zur Konfession. Durch die religiös-kultische Inszenierung in der Werbung wird das beworbene Produkt überhöht und mit der Aura des Religiösen versehen. Mittelmäßige Dinge werden entsprechend dargestellt. Ist religiöse Werbung eine Art "sakrale Weihe"? Tatsächlich ist es so, dass echter, teurer Luxus in den Massenmedien kaum beworben wird. Denn das Auserwählte und Unvergleichliche entzieht sich wie Gott der profanen Darstellung. Dagegen verspricht der symbolhafte Mehrwert von Luxusprodukten sinnstiftende Transzendenz und gleichsam ein religiös-rauschhaftes Erlebnis. Im Unterschied zur religiösen Erlösung kann Luxus gekauft werden und in der kapitalistischen Tauschgesellschaft ist sein Wert abschätzbar.
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Besinnung und Stille - der wahre Luxus?
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Walter Benjamin gab zu Bedenken, dass Kapitalismus ein leerer Kult ohne Dogmatik und Theologie ist. Der Fetischcharakter der Warenwelt entwirklicht und entfremdet den Menschen. Vielleicht verstärkt Luxus die Transformation von Konsum zu einer Ersatzreligion. Bedeutet das, dass der Mensch sich wieder mehr den Kirchen zuwenden sollte? Könnte Bescheidenheit und Verzicht auf exklusive materielle Werte der neue Trend sein? In unserer leistungsorientierten Risikogesellschaft besteht Luxus immer öfter aus immateriellen Werten wie Zeit, Besinnung, Stille, Spiritualität. Aber das gilt nicht für alle, denn wer keine Arbeit hat, sieht einen Mangel an Terminen natürlich nicht als Luxus. Fakt ist: die Zahl der Kirchenaustritte stagniert, die Wiedereintritte nehmen stetig zu. Spirituelle Kurse, Meditations-Wochenenden und Aufenthalte in Klöstern sind sehr gefragt. Haben Luxus und Religion am Ende gemeinsam, dass Konsum Suche nach Erlösung ist?
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