Mythos Narciss
Wunderschön und begehrt von Männern und Frauen
Benvenuto Cellini, Marmorkopf "Narziss" (1548)   © akg
In seinen "Metamorphosen" berichtet Ovid, dass die Nymphe Liriope von dem Flussgott Cephisus vergewaltigt wurde und daraufhin einen Knaben gebar, den sie Narcissus nannte. Dem wunderschönen Jungen wird von dem Seher Tiresias ein langes Leben prophezeit, aber nur "wenn er sich nicht selbst kennenlernt". Mit sechzehn Jahren, halb Knabe, halb Mann, wird Narciss wegen seiner Schönheit von vielen Männern und Frauen begehrt. Doch niemand vermag seine Leidenschaft zu erwecken.
Bei der Jagd in den Wäldern erblickt ihn die Nymphe Echo. Echo kann nicht selbst sprechen, sondern nur Worte, die sie hört, wiederholen. Als Narciss ihre Liebe zurückweist, magert Echo ab, bis ihr Körper verschwindet und nur der Klang ihrer Stimme übrigbleibt. Hochmütig weist Narciss immer wieder das Liebeswerben anderer ab. Da ereilt ihn der Fluch eines verschmähten Liebhabers. Auch Narciss soll das, was er liebt, niemals bekommen.
Als Narciss nach einem Jagdausflug seinen Durst an einer Quelle stillen will, erblickt er im klaren Wasser das Spiegelbild seiner Schönheit. Er hält das, was nur ein Trugbild ist, für einen realen Körper und verliebt sich. Er bewundert die Augen, das Haar, das Gesicht, die Wangen, den Hals, und begehrt nichts ahnend nur sich selbst. Er "entzündet Liebesglut und wird zugleich von ihr verzehrt." Jedes Mal wenn er versucht, das Objekt seiner Begierde zu küssen, es im Wasser zu erfassen, verschwindet es. Da erkennt Narciss, dass er sich selbst begehrt. Aus Verzweiflung martert er seinen Körper. Und als er ihn wieder im Wasser erblickt, schwinden ihm vor Schmerz die Sinne. Er stirbt, sein Körper verschwindet, und an seiner Stelle wächst eine Blume, die Narzisse.

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Januar 2008 / euler
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