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Die Kriminalgeschichte der Religionen ist lang
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Für Dawkins reichen schon die gegenwärtigen Auswüchse des Glaubens im fundamentalistischen Islam, um zu dem Schluss zu kommen, dass wir ohne Gott wesentlich besser dran wären. "Es gibt einen logischen Weg vom Glauben an ein höheres Wesen zum Töten eines anderen Menschen", so Dawkins: "Du kannst sagen: es ist meine heilige Pflicht, den anderen zu töten und mich in die Luft zu sprengen. Du könntest nie sagen: weil ich Atheist bin, ist es meine Pflicht, andere umzubringen. Da gibt es keine logische Verbindung." Aber was ist mit Christus, der starb, damit wir uns lieben lernen? Was ist mit den moralischen Werten der Religion? Die Verbindung von Ethik und Religion ist ein Irrtum lehrt Dawkins. Unsere moralischen Werte können wir gar nicht aus der Bibel ziehen, sagt er, denn der Gott der Bibel ist eine eifersüchtige, jähzornige, kindermörderische Figur. Nicht Bibel oder Koran sorgen für ethischen Fortschritt, sondern ein aus einer universalen Debatte entstehender Konsens über menschliche Werte. "Wenn Sie Ihre moralischen Werte aus der Bibel bezögen, würden Sie Ehebrecherinnen steinigen und anderes. Wenn Sie aus Angst moralisch sind - weil Sie Angst haben, dass Gott Sie sonst straft - ist das sogar noch schlimmer", sagt Dawkins: "Das heißt, dass Sie eigentlich kein besonders guter Mensch sind, sie benehmen sich nur gut, weil sie sich bedroht fühlen oder weil Sie hoffen, als Belohnung in den Himmel zu kommen. Ich hätte wesentlich mehr Respekt vor jemanden, der gut ist, weil er das als das Richtige erkannt hat."
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Wer, bitteschön, hat die Welt erschaffen?
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Die Welt ist höchst komplex, zu sagen, ein noch komplexerer undurchschaubarer Gott habe sie erschaffen, ist keine Lösung sondern eine zusätzliche Verkomplizierung. Dawkins Lieblingsfeinde sind daher die Anhänger des "Intelligent Design". Sie glauben aus der Perfektion und Raffinesse der Naturphänomene ableiten zu können, dass diese von einer überragenden Intelligenz geschaffen worden seien. Für die moderne Evolutionstheorie ist diese These schwer haltbar, mit einer Einschränkung. "Man wird nie beweisen können, dass etwas nicht existiert. Aber es gibt viele Sachen von denen wir nicht glauben, dass es sie gibt, obwohl wir das nicht beweisen können, wie Einhörner, Feen oder Kobolde. Gott ist auch so, wir können nicht beweisen, dass es ihn nicht gibt, aber das macht ihn trotzdem nicht sehr wahrscheinlich", sagt Dawkins. Dass dennoch so viele glauben, liege daran, dass sie von Kindesbeinen an indoktriniert werden. Geistige Kindesmisshandlung nennt Dawkins das. Grundsätzlich muss unsere Neigung zur Religion uns einen evolutionären Vorteil verschafft haben, und der lag vermutlich darin, dass es oft tatsächlich gut ist, auf Autoritäten zu hören.
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Ist Religion ein pervertierter Rest kindlichen Gehorsams?
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Was ist dann mit dem Gefühl von Millionen von Menschen, dem Göttlichen zu begegnen, etwa in der Meditation? "Ich glaube, wir sind alle irgendwie auf der Suche. Man kann so etwas Ähnliches wie eine spirituelle Erfahrung auch als Wissenschaftler erleben, als jedermann eigentlich", so Dawkins: "Schuberts Quartett zu hören ist eine Art spirituelles Erlebnis, das Betrachten eines schönen Gartens oder einer Berglandschaft kann ein spirituelles Erlebnis sein. Das heißt aber nicht, dass da tatsächlich etwas Übernatürliches im Spiel wäre." Doch eine Welt ganz ohne Religion ist schwer vorstellbar, auch wenn Richard Dawkins da optimistisch ist, denn Religion ist für ihn ein Überbleibsel vorwissenschaftlicher Welterklärungen und somit zum Verschwinden verurteilt: "Ich hoffe, dass Religion irgendwann der Vergangenheit angehört. Und es ist keine ganz unrealistische Hoffnung, denn es gibt Hinweise darauf, dass Menschen mit größerer Bildung seltener religiös sind." Ein radikaler Gedanke: der Traum von der völligen Auflösung der Religion und ihrer Verwandlung in - was eigentlich?
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 "Der Gotteswahn"
von Richard Dawkins |  |
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