Tests zur Sprachverarbeitung am MPI in Leipzig
Sinn erfassen
Den Geheimnissen der Sprache auf der Spur
Schimpansen haben eine Vorstellung von sich selbst, aber sie können diese nicht in Worte fassen, obwohl auch sie das Gen FoxP2 in sich tragen, das dem Menschen zum Sprechen verhilft. Durch einen vergleichsweise tiefer sitzenden Kehlkopf und einen anderen Aufbau unseres Gehirns wird Sprache erst möglich. Innerhalb der Sprache ist dann die Grammatik entscheidend: Durch sie können wir mit einer begrenzten Zahl von Worten, eine unbegrenzte Zahl von Sachverhalten ausdrücken.

Höchstleistungen des Gehirns
Seit etwa 20 Jahren nutzt die Wissenschaft bildgebende Verfahren, um das Gehirn bei der Arbeit zu beobachten und den Geheimnissen der Sprachverarbeitung auf die Spur zu kommen. Dr. Sonja A. Kotz vom MPI für Kognitions- und Neurowissenschaften erklärt: "Bei der Sprachverarbeitung kommunizieren die Hirnhälften miteinander. Dabei wird die Klangfarbe der Sprache rechts gefördert, während die eher analytischen Aspekte der Sprache links verarbeitet werden. Die Kommunikation dieser Gehirnhälften kommt primär über die Kommissur zustande, die beide Gehirnhälften verbindet."


Nur wenige Details sind erforscht
Richtig kompliziert wird es jedoch, wenn es darum geht, den Sinn der Worte zu erfassen. Denn ihre Semantik setzt sich aus vielen Bedeutungsebenen, Erinnerungen und Emotionen zusammen. Lange hatte man angenommen, dass die semantische Bedeutung der Sprache im Wernicke-Areal entschlüsselt würde. Doch noch ist es nicht gelungen, darin ein Muster zu entdecken, das uns erklärt, wie Sprache entsteht. "Das Wernicke-Areal wird klassischerweise mit dem Sprachverstehen in Verbindung gebracht. Heute gibt es dazu differenziertere Meinungen, dass es sich generell um ein Integrationsareal handelt, das mehrere Informationen und unterschiedliche Modalitäten zusammenführen kann - sei es die Grammatik oder Bedeutung der Sprache oder auch, ob ich etwas gelesen oder gehört habe“, so Sonja A. Kotz.


Rückwärts Gesprochenes wird ignoriert
Über die Idee einer angeborenen Universalgrammatik im Gehirn wird noch heftig gestritten. Bei Experimenten italienischer Forscher wurde neugeborenen Kindern Sprache von einem Tonband vorgespielt. Daraufhin stieg die Durchblutung ihrer linken Hirnareale. Spielte man das Tonband rückwärts, passierte nichts. Der gleiche Effekt war auch bei Erwachsenen zu beobachten, wenn sie eine unbekannte Sprache hörten. Das Gehirn scheint Sprache also automatisch zu erkennen, während die rückwärts abgespielten Sätze, nur als Umweltgeräusche wahrgenommen wurden. "Die Forschung geht davon aus, dass die Sprache heute ein hochhabitiertes System ist, und bereits Babys sehr früh erkennen, was Sprache bedeutet, und dass sie sich von einem rauschenden Signal unterscheidet", sagt Sonja A. Kotz: "Unbeantwortet bleibt, ob das dafür spricht, dass Sprache angeboren ist.“

Sendedaten
"scobel"
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Infos
Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neuro- wissenschaften Leipzig Deutsche Sprachentwicklungsstudie A.D. Friederici: "Wie wir Sprache verstehen" (PDF) Friederici/Urban: "Zur Bereitstellung von Verb-Argument-Strukturen im Sprachverstehensprozeß" (PDF)
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3/2007, aktualisiert November 2008 / euler