Kalter Krieg ums Öl
USA und China auf Kollisionskurs
Erdöl ist die wichtigste Wirtschaftswaffe der Welt. In Afrika, Lateinamerika, Zentralasien, und am Persischen Golf: Überall auf der Welt wird ein verbissener Kampf um Bohrrechte ausgetragen. Vor allem die USA und China müssen ihren unersättlichen Öldurst stillen. Auf dem Spiel steht nicht weniger als die zukünftige Wirtschaftskraft – die Vorherrschaft von Nationen wird irgendwo in den Einöden der Welt entschieden.
Der Kampf um die letzten Öl-Reserven der Welt
Der Ölpreis erklimmt Woche um Woche neue Rekordhöhen. Die Ölförderung läuft auf Hochtouren, dennoch sind die Weltmärkte leergekauft. Das Ölzeitalter geht unabwendbar zu Ende. Die älteren, leicht zugänglichen Felder werden in absehbarer Zeit ausgeschöpft sein. Längst konzentrieren sich die Ölmultis auf bislang unrentable Felder. Dennoch: Experten gehen davon aus, dass in fünf bis zehn Jahren der historische Höchststand der Ölproduktion erreicht sein wird. Danach gehe es abwärts – und das, obwohl der weltweite Bedarf rasant steigt.


Die Dokumentation von Doris Ammon zeigt, wie vor allem die USA, der größte Ölverbraucher der Welt, auf gesicherte Energiequellen angewiesen sind. Doch auch die boomende Volkswirtschaft Chinas braucht immer größere Mengen Öl – nur wachsender Wohlstand sichert die Stabilität des roten Riesenreiches. Der Run auf die Ressourcen hat begonnen – und droht, zum Konfliktstoff zu werden. Klammheimlich stecken die einzige verbliebene Supermacht und das aufstrebende China weltweit ihre Schürfrechte ab. Die Jagd nach dem schwarzen Gold schafft völlig neue Allianzen – und Kriege. Doch während die USA ihre Kräfte im Irak binden, ist China auf höchst erfolgreicher Öl-Einkaufstour – vor allem bei Ländern, die den USA feindlich gesinnt sind – und liefert im Gegenzug vor allem Waffen. Experten zeigen sich einig: Es ist kein Szenario denkbar, das nicht zu einer Konfrontation in Sachen Energie führt.

Irak: Debakel im Zweistromland
Viele Entwicklungen auf dem internationalen Ölmarkt sind direkt oder indirekt auf den US-amerikanischen Einmarsch im Irak zurückzuführen. Das ölreiche Zweistromland entwickelt sich immer mehr zu Amerikas Debakel. Die Bilanz bisher: Mehrere hundert Milliarden Dollar Kriegskosten, 133.000 US-Soldaten im Einsatz, mehr als 2500 tote GIs, ein Vielfaches an Opfern unter der irakischen Bevölke-
rung, der Abzug in weiter Ferne. Amerika hat im Irak hoch gepokert – und Vieles in den Sand gesetzt.

Nigeria: Korrupter afrikanischer Sumpf
Afrika, da sind sich alle Experten einig, ist wohl der Kontinent, auf dem die USA und China am ehesten aneinander geraten werden. Besonders kritisch ist die Lage heute schon in Nigeria. Nigeria ist das erdölreichste Land Afrikas. Das Niger-Delta brennt. Die ölgespeisten Flammen gehören zum Alltag. Niemand kommt, um sie zu löschen. Die Menschen leben in direkter Nachbarschaft zu monatelangen Feuersbrünsten. Rebellen sprengen Pipelines, nehmen Geiseln, die Regierung schickt Truppen.

Sudan: Das Killing Field Afrikas
Seit 2004 rücken grausige Schlagzeilen den Sudan ins Licht der Weltöffentlichkeit: Die Provinz Darfur im West-Sudan wurde zum Schauplatz für das, was viele Beobachter als systematischen Völkermord bezeichnen. Muslimische Reiter-Milizen aus dem Norden brandschatzen und morden unter der einheimischen, schwarzen, christlichen Bevölkerung. Kilometerweit erstreckt sich aus der Luft ein niedergebranntes Gebiet - die Hütten verlassen, die Menschen tot oder geflüchtet.

Venezuela: Der Rächer der Enterbten
Venezuela ist für die USA zum Unsicherheitsfaktor geworden. Im „Hinterhof Amerikas“ hat ein Provokateur das Sagen: Präsident Chavez. In Venezuela wird Chavez gefeiert wie ein neuer Super-Star. Er ist ein Freund Chinas - und ein erklärter Gegner von US-Präsident Bush. Die USA sind in Venezuela Feindbild für Hunderttausende. Und Hugo Chavez heizt den Anti-Amerikanismus an, wo er nur kann. Denn Chavez sieht sich als Befreier Venezuelas von der Vorherrschaft Amerikas.

Zentralasien: Die neuen Herren der Steppe
Das schwarze Gold am Kaspischen Meer macht Aserbaidschan und seine Nachbarn Kasachstan und Turkmenistan reich. Hier liegen die zweitgrößten Ölvorräte der Welt. Zentralasien ist der Ölschatz Amerikas, aber auch der künftige Trumpf Chinas im Ölpoker. Aserbaidschan – das heißt übersetzt „Land der Feuer“. Tatsächlich steckt die Erde randvoll mit Öl. Ein bisschen im Boden stochern - schon entzünden sich die Gase.

Iran: Der Gernegroß und sein Ölschatz
Das wohl derzeit explosivste Pulverfass für den Weltfrieden ist der Iran. Die Wüsten Persiens sind reich an Schwarzem Gold. Das Land südlich des Kaspischen Meeres sitzt auf den viertgrößten Ölreserven der Welt. Teheran hat die Macht, den Ölpreis ganz allein nach oben zu treiben.

Sendedaten
3sat-Dokumentation am
12. Juli 2006,
20.45 Uhr - 21.15 Uhr
Buchtipp
F. William Engdahl:
Mit der Ölwaffe zur Weltmacht
Verlag: Kopp
ISBN: 3938516194
Schwerpunkt
Rohstoffe
12. Juli 2007 / 3satbörse CMey