Kurz vor dem Kollaps
Indien boomt – und droht an seinem Erfolg zu ersticken. Die Straßen sind überfüllt, Autobahn- und U-Bahnbau kommen nicht voran. Der Staat zieht sich hilflos aus der Verantwortung zurück, macht Platz für private Investoren.

Erster privater Seehafen
© agentur
Natürlich gibt es auch in Bombay die andere Seite der Wirtschaft: Alles, was schön und teuer ist. Aber Konsumtempel wie das ATRIA verkaufen ihre Luxusgüter nur an die immer noch sehr dünne Oberschicht - Zeichen für den Reichtum Weniger, aber nicht für den Wohlstand der Massen. Das meiste, was hier verkauft wird, kommt aus dem Ausland. Unternehmer Nikhil Gandhi hatte schon früh erkannt, dass die Wirtschaft nur aufblühen kann, wenn die Infrastruktur stimmt. Gerade daran haperte es aber in Bombay. „Die geringe Leistungsfähigkeit des Hafens strangulierte die Wirtschaft schon lange“, findet Gandhi. „Es war höchste Zeit, dass die Privatwirtschaft bei Infrastruktur-Projekten einstieg. Die Staatsregierung von Gujarat verstand unsere Vision und erlaubte uns, den ersten privaten Seehafen Indiens aufzubauen.“

Indischer Zement für den Irak wird hier geladen, andere Schiffe bringen Kunstdünger vom persischen Golf. Die Liegezeiten im kleinen, privaten Hafen Pivtav sind nicht länger als zwei oder drei Tage, Im- und Export können schnell am Nadelöhr Bombay vorbeigeschleust werden.

Traum aus dem Sumpf
Unternehmer Nikhil Gandhi begutachtet seine Baustelle.
Moderne Technik wie die brandneue Containerbrücke setzt Gandhi dort ein, wo es um Effektivität, um schnellen Umschlag von Gütern geht. Wo Zeit keine Rolle spielt, setzt er auf menschliche Arbeitskraft, er will bewusst auch Arbeitsplätze schaffen. Der Reporter und sein Team sind wieder unterwegs durch das Sumpfland, in dem Gandhis Traum entstehen soll: 250 000 Arbeitsplätze, ebenso viele Bewohner, voll erschlossen mit Straßen und Strom und allem Komfort.

Bei der Sonderwirtschaftszone dreht sich alles darum, eine klasse Infrastruktur aufzubauen, damit die Menschen, die hier arbeiten, ihre Zeit nicht damit verschwenden müssen“, erzählt Nikhil Gandhi. Noch ist nicht viel zu sehen von seinem Traum. Zuerst müssen 40 Quadratkilometer Sumpfland trockengelegt oder aufgeschüttet werden, bevor ein einziges Haus gebaut werden kann. Manche lächeln über den Visionär Gandhi, aber über seinen ersten privaten Hafen haben vor Jahren auch viele gelächelt.

Sendedaten
3satbörse am 1. November 2006 um 18.30 Uhr
Thema der Sendung
Indien
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