Willkommen im Chat.

[3sat]makro: Es wird nach der Sendung ein paar Minuten dauern, bis unser Gast einsatzbereit vor dem Rechner sitzt. Also bitte einen kleinen Moment Geduld!

Gast44 (Gast): Guten Abend

moritzyork: Guten Abend, ich habe eine Frage an Prof. Kappel

[3sat]makro: Ok, welche Frage denn?

Gast33 (Gast): Guten Abend Herr Kappel, wie sehen Sie die Entwicklung in Namibia? Dort sollen (natürlich von China finanziert) Atomkraftwerke gebaut werden, obwohl das Land über Sonnen- und Windenergie verfügen könnte. Außerdem wird es Ausländern immer schwerer gemacht, ins Land zu kommen, und hat man noch so gute Geschäftsideen, die auch nachhaltig sind und Wasser sparen (ein rares Gut), oder generell gut für Flora, Fauna und Avifauna sind.

[Studiogast] Robert Kappel: Namibia sollte nicht auf Atomkraft setzen, das ist in einem Land mit so vielen Möglichkeiten, alternative Energien zu nutzen, nicht angebracht. Aber offenbar gibt es inzwischen enge Verbindung zwischen den beiden Regierungen, die jeweils ein Interesse an dieser Energie haben. Es gibt zunehmend Einschränkungen für ausländische (und letzendlich auch für lokale) Investoren. Keine gute Entwicklung für Namibia.

Gast33 (Gast): Wie nett, dass jemand eher drankommt, der später kam und seine Frage nicht direkt stellt.

Gast511 (Gast): Sehr geehrte Chat-TeilnehmerInnen. Um mich, Markus, erst einmal vorzustellen, möchte ich etwas über mich erzählen. Ich habe 1984 - 1992 Geographie in Bochum studiert und mit dem Diplom abgeschlossen; Schwerpunkt Entwicklungswissenschaften. Thema: Philippinische Zuckerindustrie.

Gast39 (Gast): eine weitere frage betrifft die verantwortung europas im umgang mit den afrikanischen völkern - stichworte: agrarsubventionen, fischerei in afrikansichen küstengewässern,...

Gast44 (Gast): Mich würde interessieren, wie sie derzeit die Staaten Sudan bzw. Südsudan sehen, hinsichtlich der Entwicklung und hierbei vor allem im Agrarsektor

[Studiogast] Robert Kappel: beide Länder haben durch ihr Agieren in den letzten Jahren sehr viel an Vertrauen verspielt. Die Eliten haben nur wenig Interesse an der Landwirtschaft, daher eher schlechte Aussichten für eine Agrarentwicklung, den Bauer nur wenige Optionen bieten und für die Menschen nicht genügend Nahrungsmittel produzieren...

wegezeiger2015: Guten Abend! Wie wäre es denn erstmal mit biodynamischer Landwirtschaft in Afrika? Erste Ansätze sind ja vorhanden.

[Studiogast] Robert Kappel: Gute Idee. Sie sollte durch steuerliche Anreize und Fördermaßnahmen unterstützt werden.

Gast511 (Gast): Da als Problem: Armut in den ländlichen Regionen angesprochen wurde, möchte ich auf die Menschenrechtsorganisation FIAN (Food first Information and Action Network) www.fian.de oder www.fian.org hinweisen. Diese Organisation, die ähnlich wie amnesty international arbeitet, setzt sich für den WSKR-Pakt (Menschenrechtspakt über wirtschaftl., soziale + kulturelle Menschenrechte), schwerpunktmäßig dem "Dem Recht sich selbst zu ernähren" ein

Gast37 (Gast): Das Problem der Afrikanischen Staaten fängt mit den teuren Kredititen an, die sie sich nicht leisten können. Wie hoch werden die zweistelligen Zinssätze maximal.?

[Studiogast] Robert Kappel: die Lage ist sehr verschieden von land zu Land. Für die kleinen Unternehmer gibt es bei Banken überhaupt keine Kredite, hier springen Mikrofinanzinstitutionen ein, deren Zinsen nicht sehr hoch sind.

Gast39 (Gast): guten abend, ich hätte da eine frage die mich schon länger interessiert - die prognose zum bevölkerungswachstum in afrika - ist der kontinent denn überhaupt in der lage 4 mrd menschen zu ernähren?

[Studiogast] Robert Kappel: nein. Unter den gegenwärtigen Bedingungen überhaupt nicht. Wir sollten nicht blauäugig sein und erwarten, dass die Armut und der Hunger in Afrika verschwinden werden. Es bedarf umgreifender Reformen, einer Modernisierungselite, die sich dem Kampf gegen die Armut verschreibt. Zahlreiche Konzepte befinden sich auf dem Tisch, werden aber nur zögerlich umgesetzt. Afrikas Armutszahlen steigen weiter an, nicht zuletzt wegen des extrem hohen Bevölkerungswachstums...

Gast511 (Gast): Empfehlen möchte ich auch den film Landraub, der gerade in den öster. + deutschen Kinos anläuft.

moritzyork: Verteten Sie auch die Auffassung, dass Entwicklungshilfe mehr schadet als nützt?

[Studiogast] Robert Kappel: wir benötigen eine umfassende Bewertung der Entwicklungshilfe. Sie hat negative Anreizwirkung, weitestgehend. Einige Regierungen verlassen sich auf den Fluss der Gelder aus dem Norden.
Benötiogt wird eine andere Art der Kooperation. Investitionspartnerschaften, fairer Handel, technologische und wuissenschaftliche Kooperation...

Gast37 (Gast): Profitieren nicht in erster Linie Europaische und US-Firmen von der Entwicklungshilfe? An sie werden Aufträge vergeben und weniger an die Afrikaner?

[Studiogast] Robert Kappel: das lässt sich pauschal so nicht sagen... aber die Effekte der EZ sind oft negativ.

Gast33 (Gast): Ja, wie der Herr Mugabe. Gegen den Westen hetzen, alle Weißen aus Simbabwe rausschmeißen wollen, aber jetzt hat er wieder um Fördergelder gebeten... :D @ Gast 37: Das kommt drauf an. Im südlichen Afrika profitieren vornehmlich asiatische Firmen, was aber nicht heißt, dass millionenschwere tenders an Familienangehörige vergeben werden, die gar nicht die Kapazitäten dafür haben. Passiert mit der Tochter von Pohamba und einem Sohn eines Ministers, die Beiden schwelgten noch mehr im Luxus als durch die Tätigkeit ihrer Väter eh schon (SWAPO zahlt gut) und das Geld war futsch.

Gast33 (Gast): Da fehlt ein "nicht" nach tenders.

Gast68 (Gast): Schönen guten Abend Herr Kappel, wie sehen Sie die derzeitige "Entwicklung" Kenias hinsichtlich des bestehenden Terrorismus gefährdet?

[Studiogast] Robert Kappel: Kenia durchläuft schwierige Zeiten. Der Terrorismus ist nicht eingedämmt. Es kommt darauf an, den Kampf gegen Terrorismus mit einem gesamten Entwicklungskonzeot zu verbinden und nicht nur auf die militärische Bewältigung zu setzen. Man muss vor allem begreifen, dass terroristische Organisationen Zulauf bei Jugendlichen ohne Zuikunftsperspektive haben. Wenn man darüber nachdenkt, muss eine neue Entwicklungsagenda für die oft von aller Entwicklunbg abgekoppelten Regionen, finden. Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen, Bildung, berufliche Bildung, Unterstützung von Klein- und Mittelunternehmen und der Landwirtschaft

Gast33 (Gast): An Herrn Kappel: Das sehe ich ähnlich, gerade das Problem der Korruption ist allgegenwärtig in Windhoek. Das Problem ist aber, dass die regierende Partei so viele Wähler hat (die einfach blind wählen, ohne dass sich ihr eigenes Leben mal verbessern würde!), dass sie machen kann, was sie will. Wie sehen Sie die Möglichkeiten, von außen Einfluss zu nehmen? Die Entwicklungshilfe wurde ja, wie ich gehört habe, gerade wieder erhöht, sodass die Elite sich noch mehr Mercedes Benz AMG kaufen kann. Sind Sie mal im Raum NRW, sodass man persönlich mit Ihnen sprechen kann?

[Studiogast] Robert Kappel: Ich bin recht oft in NRW. Sie können mich kontaktieren über meine offizielle Email am GIGA in Hamburg.

Gast33 (Gast): Das mache ich, vielen Dank!

Gast68 (Gast): Ist es nicht eher so, dass die Zinsen von MFIs i.d.R. höher sind als die Zinsen herkömmlicher Banken...?

[Studiogast] Robert Kappel: Ja, das stimmt... aber MFIs vergeben in der Regel keine Kredite an Unternehmen sondern an Staaten. je nach Einstufung der Länder - LLDC oder MIC - sehen die Zinsbelastungen sehr unterschiedlich aus.

Gast413 (Gast): Wir unterstützen Afrika teilweise - doch bei weitem nicht so sehr wie China. Doch was ist mit den Ländern, die unter Diktatur und autoritären Präsidenten leiden? Was kann man tun und warum wird es nicht getan?

[Studiogast] Robert Kappel: Wir benötigen eine neue Afrikastrategie, diese müsste sich unter anderem mit der Farge befassen, wier wir mit Diktaturen umgehen wollen. siehe meinen Kommentar bei IPG Internationale Politik und Gesellschaft, Ausgabe dieser Woche.

Gast39 (Gast): Ist nicht auch das neoliberale agieren von Weltbank und IWF ein großes Problem für eine Entwicklung im Sinne der einfachen afrikanischen Bevölkerung?

[Studiogast] Robert Kappel: ist sehr differenziert zu sehen....

Gast37 (Gast): Werden die Agrarflächen nicht in zu großem Umfang für den Export genutzt? Die Nahrungsmittel für die Bevölkerung,z. B. Palmöl, muß daher oft importiert werden. Schutzzölle gegen Importewerden durch Handelsabkommen ausgeschlossen.

[Studiogast] Robert Kappel: die meisten afrikanischen Bauern exportieren nicht. nur Großfarmer sind dazu in der Lage. Es gibt hier tatsächlich sehr absurde Entwicklungen. Nigeria ist ein großes Agrarland, muss aber Nahrungsmittel importieren...

wegezeiger2015: Wie realistisch ist in Afrika die Chance Landgrabbing zu reduzieren, um Kleinbauern wieder die Möglichkeit zum Landwirtschaften zu geben? Steueranreize und Fördermaßnahmen mal nicht berücksichtigt..

[Studiogast] Robert Kappel: LW benötigt einen Modernisierungsschub. Darum geht es. Mit Subsistenzlandwirtschaft wird es nicht weiter gehen können.

Gast15 (Gast): Meine Überlegungen zum Thema gehen in Richtung spirituelle Ressourcen in Afrika. Ich habe über den Umweg Brasilien (Orixa-Traditionen) auch etwas über afrikanische Religionen kennengelernt. Speziell über die Bedeutung der Yoruba-Religion (Nigeria, Benin) im 18. Jh. Die Yoruba, geschwächt durch einen Bürgerkrieg, wurden sehr spät versklavt und haben ihre komplexe Religion so einigermaßen nach Brasilien bringen können, wo sie auch heute noch für die dortige synkretistische Religion große Bedeutung hat. Ich habe erlebt, dass die daraus entstandene Umbanda/Candomble Religion dort große Hilfe und Trost für die - vor allem armen Menschen sein kann. Können Sie sich vorstellen, dass das auch Hilfe, Trost und Unterstützung im eigenen Land (Nigeria) bringen könnte. Sozusagen über die eigenen, ursprünglichen Wurzeln hin.

[Studiogast] Robert Kappel: darüber weiß ich zu wenig, als das ich sie beantworten kann

Gast33 (Gast): "Auf dem Nullpunkt", Herr Kappel?

moritzyork: Gibt es für diese Art der Kooperationen schon erfolgreiche Beispiele?

moritzyork: Haben Sie eine Meinung zur Wirkungsamkeit der Arbeit der GIZ?

[Studiogast] Robert Kappel: Bitte lesen Sie die Berichte des DEVAL, das die GIZ evaluiert hat...

Gast413 (Gast): Sollte Europa sich Sorgen machen durch den immer weiter steigenden Einfluss von China in Afrika?

[Studiogast] Robert Kappel: Nein. Wir sollten nur unsere Agenda neu denken. und daran hapert es....

Gast37 (Gast): Welche seriösen Mikrofinanzinstitutionen gibt es denn? Ich habe von welchen gehört, die über 40 % nehemen. Wann sind in Afrika Zinsen nicht "sehr hoch"?

Gast44 (Gast): Ich habe bereits einige Projekte in diversen asiatischen Ländern durchgeführt, wie Indien, Bangladesch als auch im Irak (hier im speziellen in der autonomen Region Kurdistan). Derzeit bin ich dabei auch im Sudan etwas aufzubauen. Im Jahr 2012 gab es in Wien eine Sudan-Südsudan Konferenz welche von hochrangigen Vertretern von bedeutenden Unternehmen beider Staaten mitgetragen wurde und es kam zu einem regen Austausch an Informationen. Gerade der Sudan hat offensichtlich Agrarflächen, welche genährt durch den blauen und weißen Nil sehr fruchtbar sind. Und hier nun meine Frage dazu: Wenn der Sudan solche guten Anbauflächen hat und sofern es gelingt moderne Agrartechnik und Anbaumethoden (vor allem biologisch sinnvolle Methoden) den Unternehmen / Bauern beizubringen, existiert jedoch immer noch das Problem, dass es oft an der Infrastruktur mangelt und selbst tolle Ernteerträge nachher nicht richtig transportiert werden können bzw. durch mangelnde Lagerhäuser und nicht vorhandene Kühlketten der Agrarbereich praktisch nicht vom Fleck kommt - wäre es daher nicht sinnvoll parallel sowohl im Infrastruktur als auch im Agrar- als auch Marktbereich internationale Projekte (mit gemeinsamer Anstrengung) durchzuführen - oder glauben Sie, daß dies derzeit an den vorhandenen Strukturen scheitern würde...?

Gast415 (Gast): Hallo, Herr Kappel. Meine Frau kommt aus Kenia. Wie schätzen Sie es ein, daß man Kenyatta im 3Sat eine Bühne gibt, wo er sich präsentieren kann. Laut meiner Frau ist er nicht demokratisch gewählt worden, also kein legitimer Präsident. Er wurde in Den Haag angeklagt. Ist aber mangels Beweisen wieder aus dem Verfahren rausgekommen. Da wohl viele Zeugen "beseitigt" worden sind.

Gast44 (Gast): ...interessantes Beispiel Mangos... hier werden nur 3-5% exportiert... das könnte mehr sein... jedoch nur mit den richtigen Verschiffungsmöglichkeiten... hier gibt es auch mittlerweile Reedereien, welche spezielle Container für eine bestimmte Art von Frucht anbieten...

Gast37 (Gast): Der IWF fordert von Ländern, die Kredite nicht mehr bedienen können, harte "Strukturanpassungsmaßnamen". Ich habe von einem Fall gehöhrt, dass Getreidespeider, die der Nahrungsmittelsicherheit dienten, aufgelöst werden mussten.

Gast511 (Gast): Warum sieht man nichts, auch wenn man auf den Button "Chat starten !" anklickt ?

[3sat]makro: Es kann sein, dass die Postings erst ab dem Zeitpunkt Ihres Einloggens angezeigt werden.

[3sat]makro: Das war's für heute in unserem Chat. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass nicht alle Fragen beantwortet werden konnten. Wir bedanken uns für Ihr Interesse! makro gibt es wieder am nächsten Freitag, dann beschäftigen wir uns mit dem Thema "Arbeit im Wandel". Wir wünschen Ihnen bis dahin eine gute Zeit! Ihr makro-Team

Gast511 (Gast): Sihet jemand meine Beiträge ? z.B. den Hinweis über die Menschenrechtsorganisation FIAN ? Bitt um eine -"sichtbare"- Rückmeldung ...

[3sat]makro: Ist sichtbar!

Gast44 (Gast): was die wenigsten Leute wissen ist auch, dass teils weit über 50% der erntefähigen Früchte oder des Gemüses am Feld oder bis es bei den Endkonsumenten landet verfault!!! (dies kann bis zu knapp 90% gehen)...

Gast44 (Gast): Herzlichen Dank und eine gute Nacht

[3sat]makro: Danke!