Altmodisch im besten Sinne
Vier Fragen an Peter Voß
Peter Voß, der ehemalige SWR-Intendant fragt ...   © SWR
Seit mehr als zehn Jahren moderiert der ehemalige SWR-Intendant Peter Voß die "Bühler Begegnungen". In dieser Zeit hat er mit Gästen mit unterschiedlichster Profession über aktuelle Fragen diskutiert. Lesen Sie hier ein Interview anlässlich des zehnjährigen Jubiläums.
Der gebürtige Hamburger Peter Voß hat seine Karriere im Print-Journalismus begonnen. Beim "Göttinger Tagblatt" und der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" hat er in einem Redaktionsvolontariat die Grundlagen des Journalismus erlernt. Zum Fernsehen kam Peter Voß 1971. Beim ZDF war Peter Voß zunächst Nachrichtenredakteur und Moderator, bevor er in das Berliner Korrespondenten-Büro des Senders wechselte. Es folgten Stationen beim Bayerischen Rundfunk, erneut beim ZDF als Moderator und stellvertretender Redaktionsleiter der ZDF-Senderedaktion des "heute-journals" sowie ab 1990 als Hauptredaktionsleiter und stellvertretender Chefredakteur des ZDF. 1992 wurde Peter Voß Intendant des damaligen SWF und 1998, nach der Fusion des SWF mit dem damaligen SDR, Intendant der neuen Sendeanstalt SWR. Im Frühjahr 2007 hat er den Intendantenstuhl verlassen und sich neuen Aufgaben zugewendet.

Wie entstand die Idee, eine Sendung wie die Bühler Begegnungen im Partnersender 3sat einzubringen?

Die Bühler Begegnungen gibt es ja nicht nur als Fernsehsendung auf 3sat, sondern auch auf SWR 2 im Hörfunk. Dort gibt es die Sendung schon einige Jahre länger. Die Idee, die Bühler Begegnungen bimedial auszustrahlen, war vor zehn Jahren richtungweisend: Unsere Programme in Radio und Fernsehen sollen ja nicht zusammenhanglos nebeneinander her senden. Sie bilden eine Familie. Die „Bühler Begegnungen“ stehen für diese enge(n) Familienbande. Wer SWR 2 hört, ein anspruchsvolles Wortprogramm mit kulturellem Schwerpunkt, wird auch bei 3sat viel Interessantes finden und umgekehrt.

"anders fernsehen" lautet der Slogan von 3sat. Was ist anders an den Bühler Begegnungen?

Das Format ist ungewöhnlich – altmodisch im besten Sinne, würde ich sagen. Denn 45 Minuten Zeit für nur einen Gast sind ist in der heutigen Fernsehlandschaft nicht häufig. Das bietet den Zuschauern, aber auch dem Moderator die Chance, und darin liegt für mich auch der Reiz der Sendung, kein Interview sondern ein Gespräch zu führen. Ich habe auch keine Zettel oder Kärtchen, die ich abarbeite. Meine Fragen leite ich, abgesehen natürlich von der Titelfrage, möglichst immer aus der vorangegangenen Antwort des Gastes ab.

Die Bandbreite der Gäste in den Bühler Begegnungen ist sehr groß – mal steht die aktuelle Politik im Vordergrund, mal wird über die schönen Künste diskutiert. Spiegeln die Themen die Interessen des Privatmannes Voß wieder oder kommt hier der aktuelle Journalist Peter Voß zum Vorschein?

Beides. Natürlich blende ich aktuelle Fragen nicht aus, wenn sie zum Gast passen. Das würde mir als altem Nachrichtenmann auch schwerfallen, wahrscheinlich wäre es mir unmöglich. Aber eine Stärke der Bühler Begegnungen ist eben auch, dass sie nicht einfach das jeweilige Tagesgespräch wiederkäuen, sondern möglichst ein Themenfeld ausleuchten – was zur Beurteilung anderer, aktuellerer Fragen ja auch nützlich sein kann. Und was die Auswahl der Gäste und Themen angeht, hat der Journalist Voß immer Vorrang vor dem Privatmann. Die Zeiten des seligen Redakteursfernsehens, in dem mancher Journalist auf dem Bildschirm ausgiebig seine Steckenpferde geritten hat, sind lange vorbei. Die eigenen Neigungen mit denen der Zuschauer zu verwechseln, wäre unprofessionell.

Sie haben einige Gäste mehr als einmal eingeladen, u.a. Robert Gernhardt, Salomon Korn, Frank Schirrmacher, Martin Walser, Klaus v. Dohnanyi oder auch Marcel Reich-Ranicki und den kürzlich verstorbenen Joachim Fest, die beide gleich drei Mal in Ihrer Sendung zu sehen waren. Was fasziniert Sie besonders an diesen Menschen?

Die jeweils besonders facettenreiche Persönlichkeit. Bei den Bühler Begegnungen hat jede Sendung ein Thema, eine Leitfrage – wir machen da keine journalistischen Rundumschläge. So ist beispielsweise Marcel Reich-Ranicki zweifellos ein herausragender Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts, ein Gespräch über sein Leben beeindruckend. Genauso ergiebig ist es aber, mit ihm eine ganze Sendung über die Frage zu bestreiten, was unsere literarischen Klassiker heute noch taugen. Kurz: Die genannten Gäste waren mehrfach in der Sendung, weil es sich schlicht und einfach lohnte.


Zurück zur Übersicht

02.10.2007 / SRR
zurück Seitenanfang Druckversion Artikel versenden 3sat [E-Mail]